Carl Benz und seine Unternehmen
Vor 125 Jahren – am 29. Januar 1886 – meldete Carl Benz einen von ihm konstruierten Wagen mit Verbrennungsmotor als Antrieb zum Patent an. Dies gilt als die Geburtsstunde des modernen Automobils. Die berufliche Laufbahn des berühmten Erfinders und seine unternehmerischen Engagements waren von Höhen und Tiefen geprägt. | Eckhardt Wanner
Carl Benz, der nachmalige Erfinder des Automobils, wurde 1844 im heutigen Karlsruher Stadtteil Mühlburg geboren. Sein Vater war Lokomotivführer bei der Badischen Staatsbahn, der bereits ein Jahr nach der Geburt des kleinen Carl starb. Carls Großvater war Schmied und damit war der Enkel wohl technisch vorbelastet. Mit neun Jahren besucht Carl Benz das naturwissenschaftlich orientierte Lyzeum in Karlsruhe und besteht 1860, also mit 16 Jahren, die Aufnahmeprüfung an der Polytechnischen Hochschule, der heutigen Universität und absolviert sein Studium in der Rekordzeit von vier Jahren. Es folgen Tätigkeiten bei technisch führenden Unternehmen, wie der Kessler’schen Lokomotivfabrik in Karlsruhe und dem Dampfmaschinen- und Brückenbauer Benckiser in Pforzheim.
Schwierige Gründerjahre
Zusammen mit dem Mechaniker August Ritter gründet Carl Benz 1871 in Mannheim eine mechanische Werkstätte in T6,11 unter der Firma „Eisengießerei und mechanische Werkstätte“. Später, nach dem Ausscheiden Ritters, nennt er sie „Fabrik für Maschinen zur Blechbearbeitung“. Die Geschäfte gehen so schlecht, dass sogar seine Werkzeuge gepfändet werden.
Benz sucht nach einer neuen Geschäftsidee und beginnt, einen Zweitaktmotor zu entwickeln. Nach zweijährigen Versuchen läuft der Motor erstmals in der Silvesternacht 1878/79 einwandfrei. Angesichts der hohen Entwicklungskosten und geringen Umsätze erzwingt 1882 die Hausbank, dass seine Firma in eine AG unter der Bezeichnung „Gasmotorenfabrik Mannheim AG“ umgewandelt wird, an der Carl Benz aber nur 5 % besitzt. Dies dürfte der Grund dafür sein, dass er kaum drei Monate später, im Januar 1893 aus dem Unternehmen ausscheidet, um sich in seinem neuen Unternehmen „Benz
& Co. Rheinische Gasmotorenfabrik“ seinen Wunschtraum zu erfüllen und Autos zu bauen. Sein Geld verdient er zunächst mit dem Bau verbesserter stationärer Motoren und macht der Gasmotoren-Fabrik Mannheim derart Konkurrenz, dass diese zum Jahresende 1893 aufgelöst werden muss. 1899 wandelt Carl Benz sein Unternehmen in eine AG um. Die Firma lautet nun Benz & Ci. AG.
Ausgehend von einer Banken- und Immobilienkrise um 1900 fällt die deutsche Wirtschaft in eine lang anhaltende Rezession. Auch Benz & Ci. hat darunter zu leiden; die Verkaufszahlen sinken rapide. Dies dürfte der Grund dafür gewesen sein, dass Benz 1903 - nicht ganz freiwillig – „aus dem aktiven Dienst ausscheidet“. Sein Nachfolger wird Prosper L’Orange, der das Unternehmen zurück in die Erfolgsspur führt. Unter Mithilfe der Hausbank erwirbt Benz & Cie. die Süddeutsche Automobilfabrik in Gaggenau und konzentriert dort den Bau von LKWs unter der Bezeichnung „Benz Gaggenau“.
Zusammen mit seinen Söhnen gründet Benz 1906 in Ladenburg die Firma C. Benz Söhne, um seine Vorstellungen vom Automobilbau verwirklichen zu können. Im Wesentlichen wird nur ein Modell gebaut, das allerdings ständig weiterentwickelt wird. 1912 scheidet Carl Benz aus, weil ihm ein Aufsichtsratsposten bei Benz & Ci. angeboten wird, den er auch annimmt. Die Söhne führen den Betrieb weiter, der noch heute existiert. Er ist im Bereich Präzisionsteilefertigung tätig. In den alten Montagehallen befindet sich heute das Carl-Benz-Museum. Weil die Daimler AG in der Krise ihre Aufträge storniert, geht die traditionsreiche Firma Benz & Söhne 2009 in Insolvenz.
1922 wird in Berlin die Firma „Motor-Handels-AG mit dem Zweck gegründet, den stationären Motorenbau von Benz & Ci zu übernehmen und weiterzuführen. Die Firma lautet „Motorenwerke Mannheim AG vorm. Benz Abt. stationärer Motorenbau“ (MWM). Prosper L’Orange ist der alte und neue Vorstand. Die Kapitalmehrheit der Motorenwerke Mannheim liegt ab 1926 bei dem Bremsenhersteller Knorr, der die MWM als eigenständige AG weiterführt. 1985 erwirbt die Deutz AG die MWM und führt sie als eigenständige Tochter unter dem Namen „Deutz Power Systems GmbH“ weiter und verkauft sie 2007 an den Finanzinvestor 3i, der das Unternehmen unter dem alten Namen Mannheimer Motorenwerke, jetzt aber als GmbH, weiterführt. Drei Jahre später, im Oktober 2010, verkauft 3i MWM für 580 Mio € an den amerikanischen Baumaschinenhersteller Caterpillar.
Benz & Ci. fusionieren 1926 mit Daimler Motorenbau zur Daimler-Benz AG, heute Daimler AG. Der Erfinder des Autos, Carl Benz, kommt im neuen Namen nicht mehr vor.

