Bernard Cornfeld und die IOS
„Bernie“ Cornfeld war eine der schillerndsten Figuren der internationalen Finanzwelt. Der Fonds-Anbieter, der Traumrenditen versprach, baute ein Schneeballsystem auf, dass unzähligen Anlegern bittere Verluste bescherte, dem Initiator aber einen aufwändigen Lebensstil erlaubte. Nach Jahren des Luxus wurde Cornfeld als Betrüger angeklagt. | Eckhardt Wanner
Bernard Cornfeld entstammte ärmlichen Verhältnissen. Sein Vater, ein Schauspieler, war Rumäne, seine Mutter Russin. Geboren wurde er 1927 oder 1928, angeblich in Istanbul. Die Familie soll 1931 in die Vereinigten Staaten eingewandert sein. Er besuchte das Brooklyn College und anschließend die Columbia University. Seine Ausbildung schloss er mit einem MBA ab.
Anfang der 1950er Jahre arbeitete er sehr erfolgreich als Verkäufer von Investmentanteilen der Investors Planning Corp (IPC-Fonds). Von seinem ersten großen Verdienst spendierte er sich eine Urlaubsreise durch Europa. Angesichts der vielen dort stationierten GIs kam ihm die Idee, eine eigene Investmentfirma zu gründen, um die Soldaten finanziell zu beraten.
Er gründete 1955 in Paris die Investor Overseas Services (IOS), die er 1958 aus steuerlichen Gründen nach Genf verlegte. Die Geschäfte liefen so gut, dass er 1960 die IOS in eine AG umwandelte und den ersten IOS-eigenen Investmentfond mit Sitz in Panama gründete. Ihm folgte 1968 der Fund of Funds als Dachfonds mit Sitz in Kanada, der nicht nur Anteile fremder Fonds sondern auch die IOS-eigenen Fonds verwaltete. Von da an stiegen die Unternehmenswerte in rasantem Tempo.
Verkaufsoffensive mit Politprominenz
Cornfeld hatte das Investmentgeschäft von der Pike auf gelernt und wusste um die entscheidende Rolle des Vertriebs. Eine Provision von bis zu 8,5 % sorgte für den nötigen Druck auf den Außendienst. In der Bundesrepublik sollen mehr als 2000 Berater für Bernard Cornfeld tätig gewesen sein. Begleitet wurde die Verkaufsoffensive durch entsprechende Medienkampagnen, vorzugsweise mit politischer Prominenz. So gelang es Cornfeld, Erich Mende – Vizekanzler in der Regierung Adenauer und hochrangiger FDP-, später CDU-Politiker – als Vorsitzenden des Verwaltungsrates der IOS Deutschland zu gewinnen.
In den 1960er Jahren liefen die Geschäfte zunächst blendend. Versprach Bernie doch eine Rendite „oberhalb von 10 %“ bei gleichzeitiger Minimierung der Marktrisiken. Mit den hohen Ausschüttungen sollten weitere Anleger angelockt werden. Solange die Umsätze wuchsen, wurden die Schwächen in Cornfelds Imperium verdeckt. Die hohen Provisionen und die zunehmenden Entnahmen für den exorbitanten privaten Lebensstil führten zu hohen Grundkosten, die nach „bewährtem“ Muster aus den ersten Sparraten neuer Verträge beglichen werden mussten. Auf der anderen Seite war eine Anlagenrendite von 10 % und mehr nicht zu erzielen; das Risiko der Anlagen wurde hochgefahren. Eingeworbene Gelder wurden nicht angelegt, sondern zur Auszahlung der Rückflüsse verwandt. Im Nachhinein zeigt das „System Cornfeld“ alle Merkmale eines verdeckten Schneeballsystems. 1969 brachte Cornfeld die IOS an die Börse. Wer von den Vertretern Verträge mit mehr als 1,2 Mio DM abgeschlossen hatte, dem „erlaubte“ Cornfeld, Aktien der IOS zu erwerben. Zum Schluss hielten 1.200 Vertreter 82 % des Grundkapitals, der Rest gehörte Cornfeld.
Die aggressiven Verkaufsmethoden führten vor allem in den USA, aber auch in der Schweiz zu einer zunehmenden Kritik. Cornfeld musste sich von beiden Märkten zurückziehen. Eine Baisse an den deutschen Börsen führte zu einem Vertrauensverlust in die zunehmend undurchsichtigen Geschäfte Cornfelds. Im Mai 1970 legte er nach einer „Palastrevolution“ die Geschäftsführung nieder. Im Januar 1971 verkaufte er seinen IOS-Anteil an seinen „Vize“ Robert L. Vesco, der ihn dabei noch kräftig über den Tisch gezogen haben soll.
Im Mai 1973 wurde Cornfeld in Genf unter dem Verdacht des Betrugs verhaftet. Dies war das Ende der IOS. Das ganze „Imperium“ ging in Konkurs. Die Schweizer Behörden sahen sich jedoch außerstande, die Vorwürfe gegen Cornfeld zu präzisieren. Elf Monate nach der Verhaftung wurde er gegen Hinterlegung einer Kaution freigelassen, im Prozess 1979 freigesprochen.
Jagd nach den verschwundenen Millionen
Die amerikanische und kanadische Börsenaufsicht machten sich auf die Jagd nach den verschwundenen Millionen. Nach Angaben der US-Börsenaufsicht soll Vesco den größten Anteil mit über 200 Mio US-$ in die eigenen Taschen geleitet haben. Bis weit in die achtziger Jahre hinein wurden die sichergestellten Beträge nach einem aufwändigen Verfahren an die Berechtigten zurückbezahlt. Mehr als ein Trostpflaster waren diese Beträge aber nicht.
Nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft war Cornfeld noch immer ein wohlhabender Mann, der auf seinem Schloss in der Nähe von Genf einen „gehobenen“ Lebensstil pflegte. Er starb 1995 an einer Gehirnblutung in einem Londoner Krankenhaus.

