Buchtipp
Schönes neues Geld – PayPal, WeChat, Amazon Go. Uns droht eine totalitäre Weltwährung
 

Am Bargeld scheiden sich die Geister. Immer lauter werden die Forderungen nach seiner Abschaffung. Warum? „Bargeld ist umständlich, es ist teuer, kostet die Banken und die Verarbeiter etwas“, so die Befürworter. Digitales Geld hingegen sei volkswirtschaftlich gerechnet viel billiger. Ein mächtiges Argument ist natürlich auch das Geldwäsche-Risiko. Natürlich sei Bargeld attraktiver, wenn man Steuern hinterziehen möchte oder sonstige Aktivitäten plane, die keine Spuren hinterlassen sollen, gibt Autor Norbert Häring etwa im Interview auf „KenFM“ frei heraus zu. Dabei ginge es aber eher um kleinere Summen. Die wirklich großen Betrügereien würden nicht mittels Bargeld verübt.

Der Wirtschaftsexperte und promovierte Volkswirt warnt in seinem Buch davor, dass der Mensch in der bargeldlosen Welt durch seinen Konsum vollends gläsern werde. Längst gibt es Systeme, die Bezahlen mittels Fingerabdruck oder Gesichtserkennung ermöglichen. Aber diese Kontrolle bietet noch mehr Möglichkeiten – man denke nur an das chinesische „Sozialpunkte“-System – und eröffnet für Häring den Weg in den Orwell’schen Überwachungsstaat. Nicht von ungefähr erinnert ja auch sein Buchtitel an Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“.

Und wer steckt nun hinter der vermeintlichen Verschwörung zur Abschaffung des Bargelds bzw. der „finanziellen Inklusion“, wie sie auch genannt wird? Für Häring wirkt im Hintergrund eine „mächtige Organisation“, z. B. die „Better than Cash-Alliance“ (jene Organisation, die u. a. von Bill Gates und großen Kreditkartenherausgebern gegründet wurde und die gemeinsam mit Regierungen, anderen Organisationen und Unternehmen vorgeblich gegen die Armut kämpft, indem sie weltweit den bargeldlosen Zahlungsverkehr durchsetzen will) und das Weltwirtschaftsforum. Dieses unterhalte eigene Programme zur Digitalisierung des Zahlungsverkehrs und zum Aufbau umfassender biometrischer Bevölkerungsdatenbanken. Mit deren Hilfe würden große Konzerne Lieferanten in armen Ländern zwingen, auf den digitalen Zahlungsverkehr umzustellen. Wer sich weigere und Arbeiter bar bezahle, würde ausgelistet.

Auch das kenianische Modell M-Pesa sieht Norbert Häring kritisch. Das sonst gern als Musterbeispiel bezeichnete Mobiltelefon-basierte Bezahlsystem basiere auf happigen Nutzungsentgelten: Bargeld abzuheben koste bis zu 20 Prozent, Überweisungen bis zu 44 Prozent – alles sehr rentabel für den Betreiber Safaricom, eine Vodafone-Tochter…

Dieses Werk ist unterhaltsam und informativ. Aber das Buch stimmt ein wenig traurig, denn man sieht eine Gefahr auf sich zukommen und ist sich der Ohnmacht bewusst, nichts dagegen unternehmen zu können. Dennoch – oder gerade deswegen – ist die Lektüre sehr ans Herz zu legen.     

Norbert Häring, Campus Verlag, Frankfurt 2018, 256 S., 19,95 €, ISBN 978-3-593- 50914-3

Diesen Artikel ...  
Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
05.11.2019
Newsletter

die bank | Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen redaktionellen Newsletter der Fachzeitschrift „die bank“.
Der Newsletter erscheint mindestens einmal im Monat und informiert Sie über aktuelle Beiträge und News.

 Anmeldung

 Newsletter-Archiv