Buchtipp
Kleine Regensburger Münzgeschichte
 

Im Oktober 2016 hat die Stadt Regensburg eine neue 100-Euro-Goldmünze ausgegeben, die das „UNESCO-Welterbe Altstadt Regensburg“ ehren soll. Die Münze zeichnet sich in ihrem Design insbesondere dadurch aus, dass sie die über 2000-jährige Geschichte der Stadt in Verbindung mit der Modernität der Jetztzeit zeigt.

Aus diesem Anlass ist die „Kleine Regensburger Münzgeschichte“ produziert worden, die schlaglichtartig wichtige Stationen der Münzgeschichte von der Antike bis in die Gegenwart beleuchtet. Außerdem wird ein Teil des großen Münz- und Medaillenbestands des Historischen Mu­seums Regensburg präsentiert. Das Geldwesen brachten ursprünglich die Römer nach Deutschland. Unter Caesar gerieten Münzen zum „Massenmedium seiner Zeit“ (S. 15) und zeigten dem römischen Publikum, welch gefährliche Völker in den neuen Provinzen lebten, die durch die Stärke des römischen Reiches in die Knie gezwungen wurden. Auch spätere Kaiser bildeten sich, aber auch Streitwagen, Wagenkämpfer, erbeutete Waffen und Feldzeichen, Reiterstatuen und Triumphbögen auf den Münzen ab. Der Band zeigt eine reiche Auswahl dieser Münzfunde (S. 15-46). Eine eigene Münzprägung in Regensburg setzte unter dem Karolinger Ludwig dem Frommen (814-840) ein, vermutlich vor 822/823 (S. 50-51). Das dazugehörige Währungsgebiet war das gesamte Frankenreich, dessen Münzrecht nahezu ausschließlich in königlicher Hand lag. Erst im 10. Jahrhundert ging die Münzprägung in die Hände der Stammesherzöge und später in die der Städte über. Es folgte eine Phase der regionalen Pfennige. Vor allem die Staufer beförderten das königliche Münzwesen wieder erkennbar. Geprägt wurden im 12. und 13. Jahrhundert zunächst breitere Denare, mitunter deren Halblinge (Oboli), Halbbrakteaten sowie mehr und mehr Pfennige in verschiedenen Stilen und Werten. Bei den Brakteaten handelt es sich um Pfennige, die aus dünnem Silberblech (Dünnlinge) geprägt wurden und meist ein geringes Gewicht von deutlich unter 1 g aufwiesen. Charakteristisch für diese Periode war, dass der Münzumlauf durch den Währungszwang territorial begrenzt war, d. h. der Zahlungsverkehr an einzelnen Marktorten musste mit bestimmten Münzen abgewickelt werden. Wer auf dem Markt handeln wollte, war gezwungen, dort gültige Münzen zu wechseln. Münze und Zoll waren eine Schwerpunkttätigkeit des wirtschaftspolitischen Handelns. Zwar wären die intensiven münzpolitischen Aktivitäten ohne ein generelles Vordringen der Geldwirtschaft im Hochmittelalter kaum möglich gewesen, andererseits aber stechen die vielen neuen Münzgründungen allein zahlenmäßig heraus.

Im 13. Jahrhundert änderte sich die Situation jedoch grundlegend. Spätestens um 1250 verbreitete sich mehr und mehr ein neuer und deutlich geringerer Pfennig aus dem schwäbischen Raum, der Haller Pfennig oder Heller, und veränderte auch die Währungslandschaft im Reich. Die lokale Regensburger Prägung wurde 1409 für fast 100 Jahre eingestellt und erst 1508 bzw. 1524 (S. 67) wieder zum Leben erweckt. Besonders lesenswert ist auch das Kapitel über Notmünzen und Notgeldscheine, die in Krisenzeiten aus Mangel an Münzgeld in den Umlauf gebracht wurden und in Kriegszeiten die Verbreitung von Papiergeld nachhaltig beförderten (S. 110ff.). Der Band ist insgesamt eine große Freude für Bankhistoriker, Numismatiker und ein bereichernder Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte der Stadt Regensburg.

             

Jasmin Beer & Klemens Unger (Hg.), Verlag Battenberg, Regenstauf 2016, 168 S., 39,90 €, ISBN 978-3-86646-136-9

 

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
21.06.2017
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