Buchtipp
Ihr kriegt den Arsch nicht hoch. Über eine Elite ohne Ambition
 

Auch das zweite Buch von Evi Hartmann trägt wieder einen provokanten Titel. Wie schon bei „Wie viele Sklaven beschäftigen Sie?“ hält die BWL-Professorin aus Franken auch diesmal nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg. „Die Haltung, nicht Wesentliches mehr ändern, nichts Großes mehr leisten, nichts Wegweisendes mehr erreichen zu wollen, breitet sich immer weiter aus“, hat sie festgestellt und belegt dies anhand zahlreicher Beispiele.

Die heute vielbeschworene Work-Life-Balance dürfe man nicht als „Life vs. Work“-Modell verstehen, sagt die Autorin und nutzt stattdessen die Formel „Life = Work + X“. Für Hartmann definiert sich die Zugehörigkeit zur Elite über die erbrachte Leistung. Während viele sich selbst zu dieser Elite zählen, nur weil sie in herausragenden Positionen „arbeiten“, tatsächlich aber nur das Nötigste tun, zählt für die Autorin zur Leistungselite, wer seine Möglichkeiten und Fähigkeiten ausschöpft und vollen Einsatz zeigt, unabhängig von seiner Stellung in der Firmenhierarchie.

Der „Pseudo-Elitäre“ sehe seinen Lebenszweck darin, nach erfolgter Beförderung bei solider Bezahlung möglichst ungestört Selbstoptimierung und Arbeitsvermeidung zu betreiben. Wer aber zur echten Leistungselite zählt, gehe die berühmte „Extra-Meile“ und folge eigenen Grundsätzen wie „Das können wir besser!“ Dabei biete die eigene Leistung eine exzellente Chance auf Selbstentfaltung und -verwirklichung, ein Glücksgefühl, das zufriedene Couch-Potatoes wohl nie kennen lernten. Manche der von Hartmann vorgebrachten Beispiele wirken leider wie erfunden, die Sprache zu aufgesetzt, die Dialoge zu gestelzt, um wahr zu sein. Auf Dauer nervt auch der ständig erhobene moralische Zeigefinger: Hier die Fleißigen, die Freitagnachmittag freiwillig Überstunden schieben, um den Praxistest am Montag vorzubereiten, dort die Faulen, die sich einfach – unerhört! –  in ihr (verdientes) Wochenende verabschieden… Wenn man sich aber eher zu den Leistern und Machern rechnet, lohnt sich die Lektüre unterm Strich dennoch. Und sei es nur, um die eigene Denkweise bestätigt zu sehen im nimmermüden „Kampf“ gegen die vermeintliche Verweichlichung der Umgebung.

 

Evi HartmannCampus Verlag, Frankfurt 2018, 222 S., 17,95 €, ISBN 978-3-593- 50907-5 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
06.03.2019
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