Buchtipp
Europäische Bankenregulierung und das „Too big to fail-Dilemma“
 

Die staatliche Rettung von Banken in der vergangenen Finanzkrise hat eine breite Diskussion über den Umgang mit Kreditinstituten angestoßen, die wegen der nicht absehbaren systemischen Wirkungen eines Scheiterns als „too big to fail“ eingestuft werden. Eine Reihe von Regulierungsinstrumenten wurde vorgeschlagen und teilweise bereits in geltendes Recht umgesetzt.

Die vorliegende Arbeit nimmt eine eingehende Betrachtung dieser Maßnahmen vor. Ausgehend von einer umfassenden Analyse der Entstehung systemischer Risiken im Bankensektor wird vor allem der rechtliche Umsetzungsrahmen einer solchen Regulierung untersucht. Bezugspunkt ist dabei das Bankenregulierungsrecht der EU, wobei neben den Eigenkapitalvorgaben und dem Vorhaben zur Einführung eines Trennbankensystems auch auf die im April 2014 verabschiedeten Abwicklungsregeln für Kreditinstitute eingegangen wird.

Die Dissertation des Autors an der Universität Tübingen setzt sich mit den Regularien auseinander, die auf eine Beseitigung oder Verminderung des Too-big-to-fail-Dilemmas abzielen. Ziel solcher Maßnahmen muss es demnach sein, den zu einer „Kernschmelze“ des Finanzsystems führenden Kollaps einzelner Banken abzuwenden und zugleich bewusst darauf zu verzichten, die Option einer staatlichen Rekapitalisierung einzuplanen. Stattdessen gilt es, das originäre Haftungsrisiko der Aktionäre und, soweit möglich, das durch die Aufnahmen vertraglicher Beziehungen übernommene derivate Haftungsrisiko der Gläubiger zu realisieren und damit entscheidende Anreize zur Wiederherstellung der Selbstregulierung des Marktes zu setzen. Die Thematik ist hervorragend aufbereitet und von hoher praktischer Relevanz. Insbesondere für das Verständnis von Systemrisiken kommt dem Band, dem eine große Leserschaft gewünscht werden darf, eine richtungsweisende Bedeutung zu.

              



Thomas Martin Pflock, BMV Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2014, 407 Seiten, 69 €, ISBN 978-3-8305-3401-3.

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
07.09.2015
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