Buchtipp
Euro: Der Kampf der Wirtschaftskulturen
 

Wer sich auf dem Büchermarkt über die Ursachen der Euro-Krise informiert, wird oft mit Aussagen wie diesen konfrontiert: Der Euro sei eine Fehlkonstruktion, die auf falschen politischen Entscheidungen in den 1990er-Jahren beruhe. Oft liest man auch, die immer noch schwelende Krise sei auf die Verschuldung der Staatshaushalte zurückzuführen. Einen weit über solch gängige Erklärungsmuster hinausgehenden Ansatz zum Verständnis des Streits über die Gemeinschaftswährung vertreten die Autoren Markus Brunnermeier, Jean-Pierre Landau und Harold James in ihrem Buch „Euro: Der Kampf der Wirtschaftskulturen“.

Der deutsche Geldtheoretiker, der französische Finanzpraktiker und der britische Wirtschaftshistoriker blicken in das Jahr 2009 zurück, als erstmals Budgetprobleme in Griechenland auftraten. Damals sei in Europa ein seit langem schwelender Streit um die angemessene Wirtschaftsphilosophie und die künftige Gestalt der Europäischen Union offen ausgebrochen. Den Autoren zufolge handelt es sich hier im Kern um eine Auseinandersetzung zwischen nordeuropäischen – vor allem deutschen – und südeuropäischen, insbesondere französischen Grundanschauungen. Während Deutschland in der Fiskalpolitik auf strikten Regeln beharrt, fordert Frankreich eine flexiblere Auslegung der Vorgaben. 

Die Autoren gehen weit über konventionelle Krisenanalysen hinaus. Ihr Buch hält sich nicht wie andere Arbeiten zum Thema Euro beim wirtschaftlichen Status quo der Krisen-Länder auf, sondern arbeitet die ökonomischen Traditionen der Mitgliedsstaaten heraus. Im Mittelpunkt des Buchs steht der Kampf der Ideen. Die Experten erklären die langfristigen historischen und kulturellen Ursachen für die gegensätzlichen deutschen und französischen Wirtschaftsphilosophien. Dabei lernt der Leser nicht nur grundlegende ökonomische Zusammenhänge kennen, die zu den Erschütterungen in der Währungsunion geführt haben. Die Analyse ist auch ein Streifzug durch die Geschichte und die Kultur der betroffenen Länder.

             

Markus Brunnermeier / Jean-Pierre Landau / Harold JamesVerlag C.H.Beck 2018, 525 S., 29,95 €, ISBN  978-3-406-71233-3

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
06.03.2019
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