Buchtipp
Die Relevanz der Kapitalmarkt-Compliance wächst
 

Die Marktmissbrauchsrichtlinie (MAD II) sowie die EU-Verordnung über Marktmissbrauch (Market Abuse Regulation, MAR) dienen der Bekämpfung von Insiderhandel und Marktmanipulation und definieren strafrechtliche Sanktionen für Compliance-Verstöße im Handelsgeschäft. Für Banken ziehen die regulatorischen Vorgaben eine ganze Reihe organisatorischer Maßnahmen nach sich. Dazu gehören klare Berichtspflichten und Verantwortlichkeiten, die Einbindung der für die Aufdeckung von Marktmissbrauch und Insiderhandel zuständigen Mitarbeiter in die Organisation der relevanten Geschäftsprozesse sowie eine konsequente Untersuchung aufgedeckter Geschäfte und Aufträge inkl. der Einbindung der Internen Revision bei der Untersuchung und Aufarbeitung. Von besonderer Bedeutung ist darüber hinaus die vorgeschriebene Einführung eines automatisierten Überwachungssystems, das sämtliche Geschäftsaktivitäten abdeckt.

Die Institute müssen Richtlinien und Verfahren dokumentieren, um zu gewährleisten, dass der Handel ihrer Kunden im Einklang mit den Vorschriften und Verfahren der relevanten Handelsplattformen erfolgt, an welche die Aufträge dieser Kunden weitergeleitet werden. Die Compliance-Mitarbeiter müssen schnell verfolgen und reagieren können, die Sicherstellung kontrollierter Meldungen gewährleisten und adäquate Qualifizierungen nachweisen. Zudem müssen direkte Verantwortlichkeiten für die Verdachtsmeldungen definiert und eine integritätsfördernde Unternehmenskultur geschaffen werden.

Dass es sich bei Marktmanipulation und Insiderhandel um keine exotischen Delikte handelt, zeigt ein Blick auf die Statistik: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erhielt zuletzt pro Jahr rund 3.000 Verdachtsmeldungen von den Meldepflichtigen. Der Großteil davon entfällt auf Marktmanipulation, weniger als 20 Prozent auf Insiderhandel. Betrachtet man die gesamte Prozesskette von der Erstmeldung bis zur Sanktion, bleibt allerdings nicht sehr viel übrig. Rechtskräftige gerichtliche Entscheidungen im Strafverfahren bleiben im unteren zweistelligen Bereich, ein Großteil der Verfahren wird eingestellt oder gar nicht erst aufgenommen. Und dennoch: Im Jahr 2017 analysierte die BaFin über 800 Vorgänge im Hinblick auf Marktmanipulation und Insiderhandel. Das ist fast doppelt so viel wie vier Jahre vorher (2013: 425 Fälle). Die markante Steigerung der Fälle ist allerdings nicht der generellen Zunahme von Kapitalmarktbetrug geschuldet, sondern ein Ergebnis besserer Überwachung und Regulierung der deutschen Kreditinstitute – nicht zuletzt durch die Verpflichtungen durch MAD II/MAR.

Die Kapitalmarkt-Compliance hat sich in den letzten Jahren zu einer eigenständigen Disziplin weiterentwickelt, deren Bedeutung weiter zunimmt. Ein passendes Beispiel für diese These ist die jüngst erschienene Neuausgabe des über 1.500 Druckseiten (!) umfassenden Standardwerks „Kapitalmarkt Compliance“ von Dr. André-M. Szesny und Dr. Thorsten Kuthe. Annähernd 40 Autoren bereiten das Kapitalmarktrecht äußerst praxisrelevant auf und bieten eine Hilfe beim Aufbau bzw. der Effektivierung eines Compliance-Systems im Unternehmen. 

Der Aufbau folgt dem Adressatenkreis der Emittenten, Banken und Finanzdienstleister. Fast alle Ge- oder Verbote in den Kapitalmarktgesetzen werden mit einem Bußgeld oder Geld- bzw. Freiheitsstrafe sanktioniert. Deshalb erläutern die Verfasser die straf- und bußgeldrechtlichen Aspekte des Kapitalmarktrechts in einem eigenen Teil ausführlich und abschließend. Das Handbuch verbindet so die kapitalmarktrechtliche Compliance mit der Criminal Compliance. Das Werk empfiehlt sich allen Akteuren, die sich mit WpHG-Compliance, Marktmanipulation und Insiderhandel befassen und darf als fundamentales Nachschlagewerk dringend zur Anschaffung empfohlen werden. (Red.)

             

Szesny/Kuthe (Hg.): Kapitalmarkt Compliance, 2. Aufl., Verlag C.F. Müller, Heidelberg 2018, 1.532 S., 194,99 €, ISBN 978-3-8114-4659-5. 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
29.01.2019
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