Buchtipp
Die EU und die Finanzkrise
 

Als Anfang 2002 in zwölf Ländern der Europäischen Union (EU) der Euro zum Zahlungsmittel wurde, war die Euphorie unter den Bürgern groß. Menschen standen in langen Schlangen vor den Geldautomaten und feierten das neue Geld mit spontanen Sektpartys.

Europas Politiker waren sich sicher: Die neue Währung sei ein Garant für Frieden, Wohlstand und das weitere Zusammenwachsen des Kontinents. Doch weit gefehlt: Nur wenige Jahre später legte die Finanzkrise die dem Euro zugrunde liegenden Konstruktionsmängel schonungslos offen, und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Politikern in der Währungsunion. Die EU machte während der Krise vor zehn Jahren einen Wandel durch, den viele Beobachter so niemals für möglich gehalten hätten. Der Autor zeichnet die Entstehung der neuen Wirtschafts- und Währungsunion nach und rekonstruiert darauf basierend das aktuelle System der wirtschaftlichen Koordinierung der EU. Detailliert werden jene Mechanismen beschrieben, die den Euro stabilisiert haben: der Europäische Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM), die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) sowie der Europäische Stabilisierungsmechanismus (ESM). Dargelegt wird zudem die Anwendung dieser Mechanismen auf Länder wie Griechenland, Irland oder Spanien.

Der Verfasser kommt zu dem Schluss, dass die Maßnahmen zur Bewältigung der Krise von der EU eingeführt worden seien, weil die ursprüngliche Architektur der wirtschaftspolitischen Koordinierung nicht effizient genug gewesen sei und sich die Mitgliedstaaten nicht an ihre Verpflichtungen gehalten hätten. Die Mechanismen, die 2010 im Fall Griechenlands angewendet worden seien, habe die EU in späteren Programmen für andere Staaten weiterentwickelt. Dies habe zum Umbau des Systems der wirtschaftspolitischen Koordinierung der Gemeinschaft geführt.

Der Autor hat ein Werk vorgelegt, dass sich auf hohem wissenschaftlichen Niveau mit der komplexen Materie auseinandersetzt. Die Leser halten eine äußerst anspruchsvolle Lektüre in Händen, die dennoch gut verständlich geschrieben ist.

Robert Mȩžyk / Springer Fachmedien Wiesbaden 2019, 445 S., 64,99 €, ISBN 978-3-658-25101-7

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
04.06.2019
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