Buchtipp
Der Sektor. Warum die globale Finanzwirtschaft uns zerstört
 

Hudsons Buch hat direkt nach seinem Erscheinen für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Wen wundert´s, immerhin lag der bekannte amerikanische Ökonom Jahre zuvor auch schon mit seiner Vorhersage, die US-Immobilienblase werde krachend platzen, als Erster und Einziger punktgenau richtig. Wenn also jemand von seinem Kaliber behauptet, dass die globale Finanzwirtschaft uns alle zerstört und die Banken einen „neuartigen Krieg“ gegen die Demokratie führten, ist mediales Echo garantiert.

Der Autor ist nicht nur Universitätslehrer in Kansas und arbeitet als Berater und Finanzanalyst an der Wall Street, er ist darüber hi-naus Teil der Occupy-Bewegung. In seiner Arbeit analysiert Hudson sehr genau und historisch fundiert. Das Thema Schulden steht dabei im Mittelpunkt. 

Die Vorstellung, man könne Schulden „managen“, hält der Autor für irrig. Heute würden die meisten Kredite nicht mehr für die Produktion von Gütern oder Dienstleistungen vergeben, sondern für den Transfer von Besitzrechten wie Aktien. Hudson fordert, das Bankensystem müsse wieder der Wirtschaft dienen, nicht umgekehrt. Für ihn hat die internationale Finanzwelt die Errungenschaften der klassischen Ökonomie verspielt. 

Der amerikanische Originaltitel des Buchs trifft dies viel passender, er lautet schonungslos „Killing the Host: How Financial Parasites and Debt Bondage Destroy the Global Economy“. Hudson zerpflückt genüsslich einen Satz wie „Die Angestellten von Goldman Sachs gehören zu den produktivsten Menschen der Welt“, den GS-CEO Lloyd Blankfein 2009 sagte und fragt: „Was produzieren sie eigentlich?“ Es gehe doch nur um Spekulationsgewinne für GS und daraus resultierende Boni für die Manager. Dies sei eben nicht der gern so bezeichnete „Rückfluss in das Humankapital“, also kein volkswirtschaftlicher Teil des Gesamtprodukts, sondern diene lediglich der Steigerung der Produktivität. Über den historischen Rückblick nähert sich „Der Sektor“ der großen Finanzkrise von 2008 und kommt schlussendlich zu seiner Vorstellung einer Alternative. Hudson stellt ein Zehn-Punkte-Programm zur Wiederherstellung einer prosperierenden Industrie vor. Die wichtigsten Punkte sind ihm ein umfassender Schuldenerlass, die Besteuerung der Bodenrente (dadurch würden die Immobilienpreise niedrig gehalten und diese Rente nicht für Bankkredite kapitalisiert) sowie die Schaffung einer „öffentlichen Bankenoption“ ohne Investmentbanking, das sich für Hudson „nicht mehr von einem Spielkasino der Arbitrage- und Derivategeschäfte“ unterscheiden lasse.

             

Michael Hudson, Verlag Klett Cotta, 670 S., 26,95 €, ISBN 978-3-608-94748-9 

 

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
23.01.2019
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