Buchtipp
Brennpunkt Risikomanagement und Regulierung
 

Der vorliegende Sammelband vereint ausgewählte Aspekte der risikoorientierten Bankenaufsicht und gibt wichtige Anregungen und fachliche Impulse. Insgesamt 19 Fachbeiträge beleuchten das Thema aus höchst unterschiedlichen Blickwinkeln. So setzt sich der erste Beitrag mit dem im Dezember 2013 vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht veröffentlichten zweiten Konsultationspapier zur Änderung des Verbriefungsrahmenwerks auseinander. Das Konsultationspapier sieht eine wesentliche Vereinfachung der Ansätze zur Bestimmung der Kapitalanforderungen vor, insbesondere im Vergleich zum ersten Konsultationspapier. Zudem ist vorgesehen, die Anforderungsvoraussetzungen für die Anwendung des IRB-Ansatzes zu lockern. Ziel der überarbeiteten Regelungen ist es, die Kapitalanforderungen für Verbriefungspositionen im Vergleich zu den aktuellen Regelungen zu erhöhen und den Rückgriff auf externe Ratings zu reduzieren.

Der zweite Beitrag setzt sich mit dem Themenkomplex der Marktpreisrisiken im Handelsbuch auseinander. Nach der stark kreditrisikolastigen Capital Requirements Regulation (CRR) sind nun wieder die Marktpreisrisiken stärker in den Blick der Aufsicht gerückt. Neben der Neudefinition des Handelsbuchs und den neuen Anforderungen an Modellbanken werden auch grundlegend überarbeitete Standardverfahren vorgestellt, die alle Nicht-Modellbanken zukünftig zur regulatorischen Eigenkapitalunterlegung für Marktpreisrisiken anwenden sollen. Der Artikel „Marktpreisrisiken: Basel 3,5 – Die neuen Standardverfahren“ erläutert zunächst die generelle Funktionsweise dieser Verfahren. Außerdem wird speziell auf das Zinsrisiko eingegangen, die Vorgehensweise anhand von Beispielen illustriert sowie die restlichen Risikoarten (Aktien-, Rohwaren- und Fremdwährungsrisiken sowie das nichtlineare Optionsrisiko) beleuchtet.

Der Beitrag „Bankenaufsicht: Liquiditätsanforderungen gemäß Basel III“ erläutert die neuen Anforderungen, beschreibt die rechtlichen Schritte im Hinblick auf die Einführung und beleuchtet mögliche Auswirkungen. Bereits im Juni 2011 hat die Zentralbank der Niederlande den „Internal Liquidity Adequacy Assessment Process“ (ILAAP) in den Niederlanden eingeführt. Der Artikel „Asset-Liability-Management: Niederländisches ILAAP als Grundlage für Basel III – Säule 2“ skizziert die Erfahrungen hieraus. Am 30. Juni 2014 hat die EU-Kommission den lange vorbereiteten Rechtsakt zur finalen Ausgestaltung der LCR erlassen. Keineswegs ist damit aber der lange Weg zu einer einheitlichen Behandlung des Liquiditätsrisikos beendet. Obwohl mit dem „Framework for measuring and managing liquidity“ bereits im Jahr 1992 eines der ersten internationalen Leitliniendokumente eines Bankenaufsichtsorgans zu diesem Thema veröffentlicht wurde, dokumentierte noch im Jahr 2008, als Liquiditätsrisiken aufgrund der Finanzkrise in den Mittelpunkt gerückt waren, eine Untersuchung der deutschen Bundesbank die heterogene Ausgestaltung der Liquiditätsrisikosteuerung in deutschen Kreditinstituten. Der Artikel „Einheitliches Liquiditätsrisikomanagement im Fokus der Aufsicht“ liefert einen Überblick über den aktuellen Diskussionsstand.

Der Artikel „Leitlinien zu einheitlichen Verfahren und Methoden für den Prozess der aufsichtlichen Überprüfung und Bewertung“ liefert Einblicke in aktuelle Regulierungsvorhaben der EBA. Der anschließende Fachartikel setzt sich mit Schätzverfahren für Kreditrisikomodelle auseinander. Speziell behandelt der Text die Parametrisierung von CreditRisk+, ein weiterer Beitrag beschäftigt sich mit dem Value-at-Risk im Risikomanagement. Der Fachbeitrag „Kreditausfälle frühzeitig erkennen“ setzt sich mit dem Nutzen maschineller Lernverfahren auseinander. Der Ruf nach einem frühzeitigen Erkennen von Ausfallrisiken wird in der Finanzwelt nicht zuletzt auch durch die Verluste verstärkt, die in der Folge der Finanzkrise erlitten wurden. Es stellt sich daher die Frage, welche Methoden zum einen die Erkennungsraten signifikant verbessern, und welche zum anderen dem zeitlichen Aspekt der frühzeitigen Erkennung besser Rechnung tragen. Im Rahmen einer Benchmark-Analyse werden mögliche Methoden und deren Ergebnisse diskutiert. Eine Übersicht über mögliche zum Einsatz stehende Methoden wird dargestellt und das Optimierungspotenzial einer gängigen stochastischen Methode versus einer Neuentwicklung aus dem Bereich der maschinellen Lernverfahren quantifiziert.

Mit dem Themenkomplex Stresstests setzt sich ein weiterer Beitrag auseinander. Mit dem Ziel, ein weiteres Systemversagen wie in der Finanzkrise von 2008-2009 zu verhindern, haben die Bankaufsichtsbehörden und Regierungen in aller Welt die regulatorischen Standards verschärft, wodurch Stresstests an Bedeutung gewonnen haben. Viele Banken äußern mittlerweile Bedenken, dass die ständig zunehmenden Datenanforderungen der Tests wenig mit ihrem individuellen Risikoprofil zu tun haben. Und obwohl sie die Vorschriften befolgen müssen und einen enormen Ressourcenaufwand betreiben, um die regulatorischen Fristen einzuhalten, stellen Banken sich die Frage, ob regulatorische Stresstests möglicherweise nur Kosten ohne jeden Wertbeitrag darstellen.

Ein abschließender Beitrag „Supervisory Reporting: Forbearance and nonperforming exposures” skizziert die wesentlichen Elemente der ITS-Anforderungen an das Reporting. Die European Banking Authority (EBA) hat am 24. Juli 2014 den Final Draft Implementing Technical Standards (ITS) „Supervisory reporting on forbearance and non-performing exposures“ inklusive der entsprechenden FINREP-Meldetemplates veröffentlicht. Diese betreffen im Wesentlichen Verträge, die aufgrund finanzieller Schwierigkeiten des Schuldners nachverhandelt wurden („forbearance measures“) oder zum Berichtszeitpunkt notleidend sind („non-performing exposures“). Durch den vorliegenden ITS sind hauptsächlich die FINREP-Meldetemplates 18 und 19 betroffen.

Der Sammelband bietet ein breites Spektrum an Artikeln zu hochaktuellen Themen im Bereich der Bankenregulierung und des Risikomanagements. Die Beiträge sind erkennbar von erfahrenen Praktikern oder Wissenschaftlern mit Praxisbezug geschrieben worden und bieten somit viele wertvolle und praxisdienliche Ansätze. Aufgrund der Vielfalt der Themen und des mitunter methodischen Tiefgangs eignet sich das Herausgeberwerk  vor allem für Risikomanagement- und Regulierungsprofis und nur begrenzt für Einsteiger in die Materie.              



Wilhelm Niehoff / Stefan Hirschmann (Hrsg.), Bank-Verlag, Köln, 2015, 360 S., 69,- €, ISBN 978-3-86556-438-2.

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
08.05.2015
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