Buchtipp
Betriebswirtschaftsleere. Wem nützt BWL noch?
 

Im Studienfach-Ranking ist BWL ganz klar oben: Fast 235.000 eingeschriebene Studenten registrierten die deutschen Hochschulen im Wintersemester 2015/16 im Fach Betriebswirtschaftslehre – mehr als doppelt so viele wie beim drittbeliebtesten Fach, Jura. Wer braucht diese BWLer-Schwemme? Oder anders gefragt: „Wem nützt BWL noch?“ Autor Axel Gloger, selbst Diplom-Volkswirt, resümmiert: „Als Unternehmer hast Du Erfolg ohne, mit oder trotz BWL.“ Warum also studieren so viele ein Fach, in dem man – so Gloger – kaum mitdenken müsse, wo stures Auswendiglernen reiche?

Bei den meisten Studierenden dürfte das Ziel klar sein: ein sicheres und vor allem hohes Einkommen. Für die Aussicht auf gutdotierte Einsteigerstellen, sehr gern bei den Großen des Beratungsgeschäfts, quälen sie sich durch trockenen Lehrstoff, durch Kalkulationssätze und Kostenfunktionen. Tatsächlich Experten für Leadership-Konzepte, Marketingstrategien oder Corporate Finance werden am Ende aber nur wenige Glückliche. Viele andere jedoch bereiten sich während des Studiums mit veraltetem und schwer anwendbarem Wissen auf Berufsbilder vor, die es schon bald nicht mehr geben werde und bedauern dann die wunderbaren Jahre an der Uni, die sie für „Betriebswirtschaftsleere“ verschwendet haben, schreibt Gloger. Er hat mit zahlreichen Dozenten und Studenten gesprochen, mit Unternehmensberatern und Personalvorständen und stellt fest, dass sich die Lehre seit seinen eigenen Studienzeiten nicht verändert hat. Wissen die BWL-Studenten, worauf sie sich einlassen? Immerhin ist ihnen die Praxisferne der Ausbildung bewusst. „Alles zu trocken“, „kein eigenständiges Denken, nur Frontalvorlesungen“ schimpften einige, und das Studium sei „nur ein Schein (…), um eine Eintrittskarte in ein Unternehmen zu kriegen“.

Auch die Fachliteratur bekommt ihr Fett weg. „Eine in die Jahre gekommene Stoffsammlung“ sei das Standardwerk der BWL, kurz „der Wöhe“ genannt. Wie ein gedrucktes Repetitorium rege es nur dazu an, Fakten auswendig zu lernen.
Aufgeschriebenes Wissen verliere in Zeiten des Internets an Wert, zitiert Gloger den schwedischen Professor Kjell Nordström, der mit Büchern wie “Funky Business“ und in hochbezahlten Vorträgen weltweit die These verbreitet, „was du aus dem Netz holen kannst, brauchst du nicht mehr mühsam an einer Universität zu lernen“. Natürlich brauchen Unternehmen ein Mindestmaß an BWL, aber das Fach ist nicht alles. Gloger vertieft das am Beispiel McKinsey; der Beratungsriese ziehe nur 40 Prozent seiner Nachwuchskräfte aus Wirtschaftsstudiengängen heran. Die Mehrheit der Consultants habe aber Biologie, Medizin, Geschichte oder Ingenieurswissenschaften studiert und bei McKinsey einen „Mini-MBA“ im dreiwöchigen Schnellkurs absolviert. Das reiche für Kostenrechnung, Investitionsanalyse, Businessplan und mehr. Dazu gibt es zwölf Übungsfirmen, von der Weinhandlung bis zur Ölbohrfirma, eben Praxisbezug pur.

Seine lebendige Sprache und die Lebensnähe durch die vielen (bekannten) Interviewten tragen dazu bei, dass man dieses Buch äußerst gern liest. Empfohlen sei dies vor allem jenen, die mit dem Gedanken an ein BWL-Studium liebäugeln.

             

Axel Gloger, Frankfurter Allgemeine Buch 2016, 200 S., 19,90 €, ISBN: 978-3-95601-152-8.

 

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
12.04.2017
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