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Leasing und Factoring im Aufwind

Nachdem sowohl die Leasing- als auch die Factoring-Branche infolge der internationalen Wirtschafts- und Finanzmarktkrise im Jahr 2009 einen Umsatzrückgang verzeichnete, haben die Märkte dank des jüngsten konjunk­turellen Aufschwungs inzwischen wieder an Dynamik gewonnen. Hintergrund hierfür ist nicht zuletzt, dass der deutsche Mittelstand die traditionelle Fremdfinanzierung zunehmend durch alternative Instrumente ersetzen kann. | Diethard Simmert, Carmen Mausbach

Umsatzentwicklung FactoringDer Markt für Factoring-Leistungen ist über einen langen Zeitraum kontinuierlich gewachsen. Im Krisenjahr 2008 stieg der Umsatz der im Deutschen Factoring-Verband zusammengeschlossenen 25 Anbieter um über 24 % auf stolze 103,84 Mrd € an (GRAFIK 1). Allerdings konnte sich auch der Factoring-Markt der Krise nicht gänzlich entziehen. So war der Umsatz im Jahr 2009 leicht rückläufig und erreichte 96,22 Mrd €. Dieser nur leichte Rückgang spricht dafür, dass die Krise den Factoring-Markt nicht in voller Breite erreicht hat, sondern vielmehr die Nachfrage nach Factoring-Leistungen hinreichend groß war, um negative krisenbedingte Marktentwicklungen zu kompensieren. Der Anfang 2010 einsetzende Konjunkturaufschwung sorgte jedoch dafür, dass der Factoring-Markt wieder an Dynamik gewann. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2009 konnten die führenden Factoring-Anbieter im ersten Halbjahr 2010 einen Anstieg des Gesamtumsatzes um 38 % auf 59,02 Mrd € verzeichnen.

Breiteres Leistungsangebot beflügelt den Factoring-Markt
Zum Wachstum des deutschen Factoring-Markts maßgeblich beigetragen hat nicht zuletzt die Tatsache, dass das Angebot mittlerweile deutlich breiter geworden ist. Während die Grenze für die Inanspruchnahme von Factoring-Leistungen bisher bei einem Jahresumsatz von 1 Mio € lag, bieten einige Factoring-Gesellschaften nun auch kleineren Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab 250.000 € den Forderungskauf an. Darüber hinaus sind mittlerweile Factoring-Lösungen für mittelständische Problembranchen möglich. Hierunter fallen vor allem Handwerksbetriebe, deren Vertragsgrundlage der Werkvertrag ist und die mit Gewährleistungsansprüchen und Abschlagszahlungen arbeiten.

Damit wird deutlich, dass die bisher wichtigste Voraussetzung für Factoring, nämlich eine transparente und abgeschlossene Leistungserbringung, deutlich abgemildert worden ist. Des Weiteren bieten einige Factoring-Gesellschaften inzwischen auch das so genannte Honorar-Factoring für Ärzte und Zahnärzte, Anwälte sowie Steuerberater an.

Und auch die Kundenzahl, die als eine wichtige Benchmark im Factoring-Geschäft gilt, stieg von rund 5.700 im ersten Halbjahr 2009 auf 8.700 im ersten Halbjahr 2010, was einem Zuwachs von knapp 53 % entspricht. Dieses Ergebnis verdeutlicht, dass Factoring-Leistungen insbesondere in Krisenzeiten geschätzt und von mittelständischen Unternehmen nachgefragt werden. Als bedeutendste Factoring-Branchen kristallisierten sich 2009 der Handel/die Handelsvermittlung sowie das Ernährungsgewerbe heraus. Im ersten Halbjahr 2010 konnten insbesondere die Dienstleistungsbranche und der Fahrzeugbau von der anziehenden Nachfrage profitieren. Der Dienstleistungssektor rückte von Platz fünf auf Platz zwei vor, während der Fahrzeugbau aktuell auf Rang fünf liegt.

Aufschwung erreicht Leasing-Branche
Neben Factoring stellt auch Leasing eine für mittelständische Unternehmen interessante alternative Finanzierungsmöglichkeit dar. Dementsprechend konnte sich auch der Leasing-Markt in den vergangenen Jahren überaus positiv entwickeln, krisenbedingt brach aber auch dieser im Jahr 2009 ein. Entwicklung des Mobilien- und Immobilien-Leasing NeugeschäftsvolumensNach Angaben des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung ist das Neugeschäftsvolumen im Jahr 2009 um über 24 % auf 41,2 Mrd € gesunken. Dabei wurden 39,3 Mrd € in mobile und 1,9 Mrd € in immobile Leasing-Güter investiert. Für 2010 wird das Neugeschäftsvolumen angesichts der konjunkturellen Erholung auf knapp 44 Mrd € geschätzt, was einem Zuwachs um 6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Mobilienleasing wird schätzungsweise auf 41,1 Mrd € steigen, während das Immobilienleasing um rund 36 % auf 2,6 Mrd € zunehmen wird (GRAFIK 2).

Ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Bedeutung des Leasing ist die Leasing-Quote, die den Anteil der Leasing-Investitionen an den gesamten volkswirtschaftlichen Anlageinvestitionen erfasst. Vor allem die Mobilien-Leasing-Quote hat sich seit den frühen 1970er Jahren überdurchschnittlich entwickelt und bereits Ende der 1980er Jahre die 15-Prozent-Marke erreicht. Seit den 1990er Jahren setzte sich dieser Wachstumstrend – auch angesichts neuer nachhaltiger Technologien im Umweltbereich – fort, so dass die Mobilien-Leasing-Quote im Jahr 2009 bei 21,2 % lag. Mit 67 % machten Fahrzeuge (PKW, Kombi, Busse, LKW, Hänger, Luft-, Schienen- und Wasserfahrzeuge) den größten Anteil am Mobilien-Leasing aus, gefolgt von den Maschinen für die Produktion mit 16 %. Schlusslichter sind die immateriellen Wirtschaftsgüter (Filmrechte, Patente, Software etc.) sowie die Medizintechnik mit jeweils 1 %.

Risiko einer Kreditklemme deutlich gesunken
Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts ist die Kredithürde für die gewerbliche Wirtschaft im November 2010 auf 27 % gesunken. Im Dezember 2009 lag der Anteil der Firmen, die die Kreditvergabe der Banken als restriktiv einschätzten, noch bei 44,3 %. Der elfte Rückgang in Folge deutet darauf hin, dass das Risiko einer Kreditklemme in Deutschland spürbar gesunken ist. Eine Unternehmensbefragung, die die KfW-Bankengruppe zusammen mit 26 Fach- und Regionalverbänden unter 4.600 Unternehmen aller Größenklassen, Branchen, Rechtsformen und Regionen im ersten Quartal 2010 durchgeführt hat, kommt gleichwohl zu dem Ergebnis, dass die Innenfinanzierung nach wie vor als sehr wichtig angesehen wird. Allerdings werden auch der kurzfristige Bankkredit mit einer Laufzeit von unter zwei Jahren und der langfristige Bankkredit mit Laufzeiten von mindestens fünf Jahren von den befragten Unternehmen als Finanzierungsinstrument geschätzt.

Dies gilt auch für das Leasing, während Factoring im Vergleich zu anderen Finanzierungsinstrumenten eine eher untergeordnete Rolle spielt. Erwartungsgemäß belegen die jeweiligen Erhebungen der KfW-Unternehmensbefragung aber auch, dass Leasing und Factoring im Zeitablauf einen Bedeutungszuwachs erfahren haben, während der langfristige Bankkredit an Gewicht verloren hat. Diese Verschiebungen sprechen dafür, dass Leasing und Factoring angesichts der mit ihnen verbundenen Vorteile aus Sicht des Mittelstands auch weiterhin attraktiv bleiben und von einem weiteren Aufwärtstrend am Leasing- und Factoring-Markt ausgegangen werden kann. Dabei dürfte vor allem der sich verstärkende Konjunkturaufschwung der Leasing- und Factoring-Branche Dynamik verleihen.
 

Prof. Dr. Diethard B. Simmert ist Studiengangsleiter „Corporate Finance“ an der International School of Management (ISM) Dortmund, Frankfurt und Hamburg. Carmen Mausbach ist freie Wirtschaftsjournalistin.
Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 02/2011
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  • » Die größten Insolvenzen des Jahrzehnts: Seit der Jahrtausendwende wurden rund 340.000 Unternehmenszusammenbrüche in Deutschland gezählt. Das entspricht in etwa der Hälfte des heutigen Unternehmensbestandes Nordrhein-Westfalens. Die größte Insolvenz des vergangenen Jahrzehnts war die des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor in diesem Jahr.
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