Der Bankkredit bleibt wichtig
Für Unternehmensgründungen ist eine nachhaltige, an die jeweilige Gründungsphase angepasste Finanzierung unverzichtbar. Den Banken kommt dabei eine wichtige Rolle als Kreditgeber zu. Statistiken zum aktuellen Gründungsgeschehen in Deutschland zeigen, dass Bankdarlehen einen maßgeblichen Anteil an der Verwirklichung von Geschäftsideen haben. | Christiane Büch
Die neue europäische Wachstumsstrategie „Europa 2020“ baut auf den drei Schlüsselelementen intelligentes Wachstum, nachhaltiges Wachstum und integratives Wachstum auf. Intelligentes Wachstum soll durch Investitionen in Wissen und Innovation erreicht werden. Ein wichtiger Innovationsbestandteil sind Unternehmensgründungen, wobei sich das Gründungsgeschehen in Deutschland merklich belebt hat. So stieg nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn 2010 die Zahl der Existenzgründungen gegenüber dem Vorjahr um 1,2 % auf rund 417.600.1
Der Schlüssel zum Erfolg des Unternehmens liegt insbesondere in der Leistungsbereitschaft und den Fähigkeiten des Gründers. Gleichzeitig kommt der Finanzierung eine zentrale Bedeutung für die Umsetzung der Gründungsidee zu. Denn es müssen ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen, damit ein Unternehmen seine Geschäftstätigkeit aufnehmen kann. Die richtige Finanzierung orientiert sich dabei immer am individuellen Bedarf des Gründers und seines Vorhabens.
Gründungsgeschehen in Zahlen
Gründungsformen sind beispielsweise nach dem Grad der Selbstständigkeit systematisierbar. So zeichnen sich selbstständige Gründungen dadurch aus, dass der Gründer eigenständig ein neues Unternehmen errichtet. Bei unselbstständigen Gründungen ist der Gründer dagegen in abhängiger Stellung beschäftigt und führt die Gründung als Teil seines Aufgabenbereichs durch. Darüber hinaus lassen sich originäre und derivative Gründungen unterscheiden. Von derivativen Gründungen wird gesprochen, wenn eine bereits existierende Wirtschaftseinheit in eine neue Unternehmenseinheit transformiert wird; bei originären Gründungen ist eine neugeschaffene Wirtschaftseinheit Ergebnis des Gründungsvorgangs.2
Ein aktuelles Bild über das Gründungsgeschehen liefert das IfM Bonn mit der Auswertung der Gewerbeanzeigenstatistik (GRAFIK 1). Jeder, der ein Gewerbe ausübt, muss laut Gewerbeordnung eine Gewerbeanmeldung abgeben. Nicht der Gewerbeordnung unterliegen die Freien Berufe, Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Garten- und Weinbau, Bergbau sowie Versicherungsunternehmen und die Verwaltung des eigenen Vermögens.3
Eine Unternehmensgründung liegt jedoch nur bei selbstständig-originären Gründungen vor. Zu diesen gehören die Gründung einer Hauptniederlassung ebenso wie die „echte“ Kleingewerbegründung. Bei den „unechten Gründungen“ andererseits handelt es sich um Scheingründungen, deren Anteil an allen Kleingewerbegründungen das IfM Bonn auf 10 % schätzt. Da die Gewerbeanzeigenstatistik neben den selbstständig-originären Gründungen auch unselbstständige und derivative Gründungen enthält, ist sie entsprechend zu bereinigen.4
Übernahmen von Unternehmen durch Erbfolge, Kauf oder Pacht gehören zwar nicht zu den Unternehmensgründungen, finden jedoch Eingang in die Berechnung der Anzahl der Existenzgründungen. So waren 2010 rund 417.600 Existenzgründungen zu verzeichnen. Davon war knapp jede Vierte eine Betriebsgründung mit einer größeren wirtschaftlichen Bedeutung (Betriebsgründung einer Hauptniederlassung). Den überwiegenden Anteil aber stellten die Kleingewerbegründungen mit rund 66 % dar.5
Eine starke regionale Differenzierung der Existenzgründungen ergibt die Betrachtung der jeweiligen Gründungsintensitäten (GRAFIK 2). Dahinter verbirgt sich die Anzahl der Existenzgründungen je 10.000 erwerbsfähiger Einwohner im Alter zwischen 18 und 65 Jahren. Im regionalen Vergleich schneiden Berlin und Hamburg am besten ab. Es folgen Hessen, Bayern und Bremen. Die Schlusslichter bilden Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern.6
Bei jeder Unternehmensgründung lassen sich grundsätzlich folgende Phasen unterscheiden: Vorgründungs- (Seed-Phase), Institutionalisierungs- (Start-Up-Phase) und Frühentwicklungsphase (First-Stage- und Second-Stage-Phase).
Phasenspezifische Finanzierung
Während in der Vorgründung die Geschäftsidee entwickelt und erste Kunden- und Lieferantenbeziehungen aufgebaut werden, umfasst die Institutionalisierungsphase den eigentlichen juristischen Gründungsakt. Diesem schließt sich die Phase der Frühentwicklung an, wobei die Frühentwicklungsphase I durch die Aufnahme der Geschäftstätigkeit und die Frühentwicklungsphase II durch das Überschreiten der Gewinnschwelle gekennzeichnet sind. Die Gewinnkurve im Rahmen einer Unternehmensgründung lässt sich auch durch den so genannten „Hockey-Stick-Effekt“ charakterisieren, der die Entwicklung aus der anfänglichen Verlustphase (Schlägerkopf) in die dynamische Wachstumsphase (Schlägerschaft) beschreibt (GRAFIK 3).7
Im Zuge einer Gründung muss von außen finanziert werden, da eine Innenfinanzierung noch nicht möglich ist. Denn in der Vorgründungs- und der Institutionalisierungsphase fallen noch keine Einnahmen aus der Geschäftstätigkeit an. Eine ähnliche Situation besteht in den beiden Entwicklungsphasen. Zwar sind während der Entwicklungsphase II durch das Überschreiten der Gewinnschwelle prinzipiell Möglichkeiten zur Innenfinanzierung gegeben. Im Normalfall werden diese Mittel jedoch nicht ausreichen, um den Kapitalbedarf für das weitere Wachstum des Unternehmens hinreichend zu decken.
Die Vorgründungs- und Institutionalisierungsphase ist durch ein sehr hohes Risiko gekennzeichnet. So besteht zum einen Unsicherheit darüber, ob das Produkt oder die Dienstleistung technisch realisierbar sind und zum anderen der Markt diese überhaupt annimmt. Das in der Vorgründungs- und Institutionalisierungsphase notwendige Kapital lässt sich zwar aus unterschiedlichen Quellen akquirieren. Es dominieren aber eigene finanzielle Mittel des Gründers und seiner Familie, öffentliche Fördermittel und Beteiligungskapital.
Im Rahmen der Gründungsfinanzierung durch öffentliche Förderinstitute werden insbesondere zinsgünstige Darlehen, nachrangiges Kapital und Zuschüsse zur Verfügung gestellt. Die öffentlichen Fördermittel werden im Rahmen des Hausbankprinzips in der Regel über die Hausbank beantragt, die auch die Abwicklung übernimmt. Einen Überblick über die Förderprogramme des Bundes, der Länder und der Europäischen Union für Existenzgründer ermöglicht die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (www.foerderdatenbank.de).
Beteiligungskapital in Form von Wagniskapital wird von unterschiedlichen Kapitalgebern zur Verfügung gestellt; als Einlage in das Stamm- oder Grundkapital oder als stille Beteiligung. Auf dem Markt für Beteiligungskapital sind Banken in verschiedener Hinsicht engagiert. Zum einen stellen sie über eigene Beteiligungstöchter Kapital zur Verfügung. Darüber hinaus vermitteln sie Unternehmen an Kapitalbeteiligungsgesellschaften.
Erst nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit stehen Unternehmen auch Bankdarlehen zu Verfügung. Denn die Finanzierungsentscheidung einer Bank basiert auf der Beurteilung der Kreditwürdigkeit, die das Gründungsunternehmen zumindest in der Vorgründungs- und Institutionalisierungsphase jedoch noch nicht entwickeln konnte. Grundpfeiler der Gründungsfinanzierung durch Banken sind kurzfristige Betriebsmittelkredite in Form von Kontokorrentkrediten und langfristige Investitionskredite. Die von Banken angebotenen Kredite lassen sich häufig auch mit den öffentlichen Förderprogrammen kombinieren.
Finanzierungstrends
Ein aktuelles Bild über die Finanzierung neu gegründeter Unternehmen liefert das Gründungspanel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und des Zentrums für Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim. Hierbei werden jährlich rund 6.000 neu gegründete und junge Unternehmen befragt und ab ihrem Gründungszeitpunkt über mehrere Jahre hinweg untersucht. Das KfW/ZEW-Gründungspanel repräsentiert „wirtschaftsaktive“ Unternehmensgründungen. Diese sind entweder in das Handelsregister eingetragen, haben für die Gründung auf eine Außenfinanzierung zurückgegriffen oder sind auf sonstige Weise in Wirtschaftsaktivitäten eingebunden.8
Die Außenfinanzierung der mit dem KfW/ZEW-Gründungspanel erfassten Unternehmen wird insbesondere durch die eigenen Mittel der Gründer dominiert. Die zweitwichtigste Quelle sind Kontokorrent- und Investitionskredite. Daneben weisen auch Mittel von Verwandten und Freunden sowie Zuschüsse der Bundesagentur für Arbeit eine relativ weite Verbreitung auf. Der Beitrag eigener Mittel der Gründer ebenso wie der Zuschüsse der Arbeitsagenturen zum Finanzierungsvolumen ist in der Regel jedoch begrenzt. So spielen beispielsweise eigene Mittel der Gründer bei der Finanzierung in fast neun von zehn der 2009 neu gegründeten Unternehmen eine Rolle, bestreiten dann aber nicht einmal die Hälfte des Volumens (GRAFIK 4).9
Bei der Gegenüberstellung der Nutzungshäufigkeiten und -volumina der jeweiligen Finanzierungsinstrumente für in den Jahren 2006 und 2009 gegründete Unternehmen fällt auf, dass Bankdarlehen mit zunehmendem Unternehmensalter nochmals an Bedeutung gewinnen. Während ein Drittel der Unternehmensgründungen 2009 mit Außenfinanzierungsbedarf auf Bankkredite zurückgegriffen hat (33,7 %), waren es bei Unternehmen, die 2006 gegründet wurden und sich bereits im vierten Jahr ihres Bestehens befanden, schon fast zwei Drittel (59,7 %). Das gleiche Muster zeigt sich beim Volumenanteil, der von 27,3 % bei den 2009 gegründeten Unternehmen auf 43,1 % bei den 2006 gegründeten Unternehmen steigt.10
Zuschüsse der Bundesagentur für Arbeit und Förderdarlehen verlieren aufgrund ihrer begrenzten Dauer mit zunehmendem Unternehmensalter an Bedeutung. Bei den Mitteln von Familie und Freunden ist eine gegensätzliche Entwicklung zu beobachten. So erhöht sich der Anteil der Unternehmensgründungen, die Finanzmittel von Verwandten und Freunden erhalten, zwischen in 2009 und 2006 gegründeten Unternehmen um 7,2 Prozentpunkte auf 22,7 %. Umgekehrt sinkt der Volumenanteil um 8,6 Prozentpunkte auf 3,0 %.11
Beteiligungskapital spielt nur eine untergeordnete Rolle bei den mit dem KfW/ZEW-Gründungspanel erfassten Unternehmen. Dies veranschaulicht auch die Verteilung des Investitionsvolumens der im Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften zusammengeschlossenen Unternehmen. Demnach betrug der Anteil der Gründungsfinanzierungen am gesamten Investitionsvolumen 2010 lediglich 14,7 %.12
Resümee
Das Eintreten neuer Unternehmen in den Markt ist eine elementare Voraussetzung für wettbewerbsfähige Marktstrukturen und damit für Wachstum und Wohlstand. Um erfolgreich zu sein, sind Gründer auf detaillierte Informationen, kompetente Ansprechpartner und ein strukturiertes Vorgehen angewiesen. Dabei kommt der Finanzierung eine elementare Bedeutung zu. Die richtige Gründungsfinanzierung orientiert sich dabei immer am individuellen Bedarf des Gründers und seines Vorhabens. Dies schließt eine an die jeweilige Gründungsphase angepasste Finanzierung mit ein, die neben eigenen finanziellen Mitteln insbesondere auf Bankdarlehen und öffentliche Förderkredite setzt.
2 Klaus Nathusius: Grundlagen der Gründungsfinanzierung, 2001.
3 Brigitte Günterberg: Berechnungsmethode der Gründungs- und Liquidationsstatistik des IfM Bonn, Institut für Mittelstandsforschung Bonn, 2010.
4 Brigitte Günterberg: Berechnungsmethode …
5 Brigitte Günterberg: Gründungen und Liquidationen …
6 Brigitte Günterberg: Gründungen und Liquidationen …
7 Klaus Nathusius: Grundlagen der Gründungsfinanzierung, 2001.
8 Kreditanstalt für Wiederaufbau, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung: Gründungspanel, 2010.
9 Kreditanstalt für Wiederaufbau …
10 Kreditanstalt für Wiederaufbau …
11 Kreditanstalt für Wiederaufbau …
12 BVK: Das Jahr 2010 in Zahlen, 2011.

