Die Profile der CEOs
Handverlesen ist der exklusive Kreis der Chief Executive Officers der 30 DAX-Unternehmen. Wie sehen die Profile der Führungselite aus? Welche Bildungs- und Karrierestationen führten an die Spitze? Wie hat sich die Altersstruktur verändert, wie die Internationalität? Antworten auf diese Fragen gibt ein Zwanzigjahresvergleich, den die Personalberatung Odgers Berndtson durchgeführt hat.
Der DAX-CEO von heute ist bei seiner Ernennung durchschnittlich 52 Jahre alt, hat ein Hochschulstudium im Bereich Wirtschaftswissenschaften, Ingenieur oder Naturwissenschaften absolviert, eine Zusatzausbildung in strategischer Unternehmensführung sowie umfangreiche berufliche Erfahrungen im Ausland gesammelt. Er besitzt eine ausgeprägte Kundenorientierung und hat in den Kernbereichen seines Unternehmens operative Erfolge erzielt. Das dabei gewonnene Fachwissen wird von den Aufsichtsräten als selbstverständlich vorausgesetzt. Im Vordergrund für die Ernennung zum CEO stehen künftig Persönlichkeitsmerkmale wie Führungsstärke, Mitarbeiterorientierung, Sozialkompetenz und Teamfähigkeit.
Das Durchschnittsalter der CEOs ist leicht rückläufig. Bei Einführung des DAX am 1. Juli 1988 waren die Vorstandsvorsitzenden der Unternehmen durchschnittlich 58,5 Jahre alt. Zum 31. Dezember 2008 lag das Durchschnittsalter drei Jahre niedriger. Die Spanne reichte 2008 von 44 Jahren (Wolfgang Klein/Deutsche Postbank) bis 68 Jahre (Ben J. Lipps/Fresenius Medical Care). Das durchschnittliche Alter bei der Ernennung zum CEO in DAXKonzernen scheint eine Konstante zu sein: Es liegt aktuell, wie schon vor zwei Jahrzehnten, jeweils bei gut 52 Jahren.
Akademische Ausbildung: Jura verliert
Im Jahr 1988 hatte noch fast die Hälfte aller DAX-Chefs einen juristischen Abschluss, 23 % absolvierten ein wirtschaftswissenschaftliches Studium. Dieses Verhältnis hat sich umgekehrt: 2008 hatten nur noch 19 % der CEOs Jura und bereits 35 % BWL oder VWL studiert.
Gleichzeitig wird die Promotion von postgraduierten Ausbildungen abgelöst. Hatten 1988 noch 68 % der CEOs einen Doktortitel, so waren es 2008 nur 55 %. Im Gegenzug hat sich der Anteil von CEOs mit einem MBA von 0 auf 23 % erhöht. „Aufgrund der abnehmenden Halbwertszeit des Wissens müssen künftige CEOs eine hohe Bereitschaft zum lebenslangen Lernen haben. Der Bedarf an einer Zusatzausbildung in strategischer Unternehmensführung wird daher in Zukunft steigen“, erläutert Patrick Schild, Partner bei Odgers Berndtson und Projektleiter der Studie.
CEOs ohne Studium waren sowohl 1988 als auch 2008 die Ausnahme: Während es 1988 drei Vorstandsvorsitzende ohne einen akademischen Abschluss gab (Hermann Strenger/Bayer, Gert Becker/Degussa und Klaus Luft/Nixdorf), waren es im Jahr 2008 mit Werner Wenning (Bayer), der eine kaufmännische Lehre absolvierte, und Réne Obermann (Deutsche Telekom), der sein Studium zugunsten seiner beruflichen Karriere abbrach, nur noch zwei CEOs.
Lange Betriebszugehörigkeiten
Weniger als 30 % der DAX-CEOs in 2008 hatten einen Branchenwechsel in ihrem Berufsleben vollzogen. Mit durchschnittlich 1,42 ist die Anzahl der unterschiedlichen Unternehmen, in denen die Vorstandsvorsitzenden vor ihrer Ernennung tätig waren, ebenso gering. CEO-Kandidaten werden demnach überwiegend intern für die Position aufgebaut. Der Anteil der intern rekrutierten CEOs betrug 1988 beachtliche 84 %. Bis 2008 ist der Anteil zwar gesunken, lag aber mit 77 % immer noch relativ hoch.
Deutlich verändert haben sich dagegen die Unternehmensbereiche, in denen die Kandidaten vor ihrer Berufung tätig waren. 1988 kam noch mehr als die Hälfte der Top-Manager aus dem Finanzressort. In den folgenden beiden Jahrzehnten hat der Bereich Finance dann an Bedeutung verloren (2008: 39 %). Dagegen haben Marketing & Sales (26 nach 16 %) sowie Operations (35 nach 29 %) stark zugelegt.
Studienleiter Schild: „Trotz der anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise, die dem Finanzbereich in Unternehmen naturgemäß mehr Beachtung verschafft, gehen die befragten Aufsichtsräte davon aus, dass der Finanzvorstand in Zukunft nicht mehr der geborene „Kronprinz“ sein wird. Der Königsweg wird mehr vom Kerngeschäft, von den Kunden und der jeweiligen Situation des Unternehmens abhängen.“
Zunehmende Internationalisierung
Sowohl der Ausländeranteil als auch die berufliche Auslandserfahrung haben in den vergangenen 20 Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Gab es 1988 nur ein Unternehmen, das einen Ausländer an seiner Spitze beschäftigte (Henkel), so waren es 2008 schon sieben Unternehmen: Deutsche Bank, Deutsche Börse, Siemens, Lufthansa, Fresenius, MAN und wiederum Henkel. Dies entspricht 7 % aller DAX-Konzerne.

