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At the Top: Philipp M. Hildebrand

Der Währungs-Hüter

Die Schweizer Nationalbank (SNB) und ihr Präsident Dr. Philipp M. Hildebrand waren ins Blickfeld der internationalen Finanzmarktakteure geraten, nachdem der dramatisch angestiegene Kapitalzufluss in die Schweiz den Kurs der Landeswährung in historische Höhen getrieben hatte – sehr zum Verdruss der eidgenössischen (Export-)Wirtschaft. Am 6. September wurde die Notbremse gezogen und verkündet, dass die SNB eine Euro-Franken-Kursgrenze von 1,20 verteidigen werde, auch wenn dazu massive Devisenmarktinterventionen notwendig seien. | Jonas Dowen

Wenn Vernunft, Stärke und Solidität zum unerwünschten Bumerang werden, sind Lösungen gefragt – in diesem Fall unkonventionelle Lösungen. Diese Erfahrung machte in den vergangenen Monaten die Schweizer Nationalbank (SNB). Deren Chef Philipp M. Hildebrand ist in einer turbulenten Zeit vor die Herausforderung gestellt, den als Folge der stabilen und verlässlichen Schweizer Politik ausgesprochen starken Franken – die eidgenössische Währung – nicht noch weiter aufwerten zu lassen. Denn im Alpenländle beklagten zum Beispiel Unternehmen der Exportwirtschaft und Anbieter touristischer Dienstleistungen eine nachlassende Konkurrenzfähigkeit im globalen Wettbewerb.

Massiver Kapitalzufluss in die Schweiz

Kein Wunder, dass Philipp M. Hildebrand bereits zu Beginn des zweiten Halbjahrs deutlich formulierte Forderungen von Wirtschaft und Wissenschaft erreichten, die Notenbank möge wirksame Maßnahmen treffen und einen weiteren Kapitalzufluss aus dem Ausland verhindern. Bereits in den Jahren 2009 und 2010 hatte die Schweiz mit einem massiven Zufluss ausländischen Kapitals zu kämpfen. Vor allem in den USA und in Deutschland hat man den Run auf den Finanzplatz Schweiz und den Schweizer Franken nicht immer gern gesehen. Dies vor allem, weil sie dort hinter den gigantischen Kapitalbewegungen nicht zuletzt steuerliche Gründe vermuteten. Dass für den Run auf den Franken indes insbesondere das auf dem Faktor Kredit beruhende unsolide Wirtschaften der Amerikaner und Europäer ursächlich war, „übersah“ man in New York, London, Paris und Berlin sehr gerne.

In diesem Jahr erreichte der Kapitalzufluss in den Schweizer Franken eine neue Qualität, so dass die Rufe nach unkonventionellen Maßnahmen lauter wurden. Gesagt – getan. Philip Hildebrand und seine Kollegen griffen ungeachtet der in den vergangenen Jahren bei solchen Markteingriffen gemachten Erfahrungen zu einer für Schweizer Verhältnisse wirklich unkonventionellen Methode – sie koppelten den Franken ganz einfach an den Euro. Sie tolerieren keinen Euro/Franken-Kurs unterhalb von 1,20 mehr.

 „Das war das Intelligenteste, was die SNB angesichts der Lage tun konnte. Wenn überhaupt Devisenmarkt-Interventionen, dann auf diese Art und Weise“, lobt Konrad Hummler, geschäftsführender Partner der ältesten Schweizer Bank Wegelin & Co mit Sitz in St. Gallen, die Entschlusskraft Hildebrands. Rund um die Bahnhofstraße in Zürich erinnern sich ältere Banker noch daran, dass die SNB bereits im Jahr 1978 eine Kursgrenze für den Franken im Devisenhandel festgelegt und damit eine Trendumkehr eingeleitet hatte. Jetzt hoffen die „Fans freier Märkte“ in der Schweiz darauf, dass die SNB ihren hierdurch bestehenden geldpolitischen Spielraum nutzen und die Zinsen wieder auf ein geldpolitisch angemessenes und vernünftiges Niveau anheben wird.

Klare Worte

Der Kampf gegen den Run auf den Franken ist aber noch längst nicht gewonnen. Keiner weiß das besser als der in der Schweizer Hauptstadt Bern geborene Hildebrand, der im Zusammenhang mit den jüngsten Maßnahmen von einem anspruchsvollen Weg spricht, der durchaus mit hohen Kosten verbunden sein könne. „Ein Nichtstun“, so sagt er allerdings ganz deutlich, „würde unserer Volkswirtschaft enormen langfristigen Schaden zufügen“. Dem am 19. Juli 1963 geborenen Notenbanker trauen geldpolitische Experten aber durchaus zu, seine Vorstellungen an den Märkten durchzusetzen.

Schließlich hat er klare Worte gesprochen, als er den jüngsten Interventions-Mechanismus begründet hat. „Wir werden den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und sind bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen“, hat er jene an den Märkten wissen lassen, die möglicherweise heute bereits über neue Spekulations-Mechanismen nachdenken. Die Nationalbank werde weitere Maßnahmen ergreifen, wenn die Lage dies erfordere, kündigte der seit dem 1. Januar 2010 als SNB-Chef agierende Hildebrand an. Schließlich weiß er aus seiner Zeit als ehemaliger Hedge-Fonds-Manager um den Erfindungsreichtum der Finanzmarkt-Akteure.

Nicht nur seine im harten sportlichen Wettkampf gemachten Erfahrungen hätten ihn für die jetzige Aufgabe prädestiniert, sagen sie in Zürich und Genf über ihn. Auch der nicht immer spannungsfreie Umgang mit den beiden Schweizer Bankriesen UBS und CS sei für ihn eine gute Lehre gewesen. Eine Personalie, die rund um die Bahnhofsstraße große Aufmerksamkeit findet, ist in diesem Kontext natürlich, dass der ehemalige Bundesbank-Präsident Professor Axel A. Weber demnächst auf den Chefsessel der UBS rücken wird.

Zweifel an der Unabhängigkeit Hildebrands gibt es weder in Schweizer, noch in internationalen Finanzkreisen. Ganz im Gegenteil: „Philipp Hildebrand ist einer der größten Zentralbanker überhaupt“, sagt zum Beispiel der Genfer Wirtschaftsprofessor Charles Wyplosz. Schließlich ist der Banker in dieser Rolle kein Neuling. Denn in den Führungsgremien der Bank ist er bereits seit dem Jahr 2003 tätig.

Dass er bei seinen öffentlichen Auftritten als einer der wenigen Notenbanker in der Welt eher jugendlich „rüberkommt“, mag auch daran liegen, dass er eine bemerkenswerte sportliche Vergangenheit hat. Er ist zum Beispiel begeisterter Schwimmer und hat sich als ehemaliges Mitglied des Schweizer Nationalteams Meriten im eidgenössischen Schwimmsport erarbeitet. Beinahe hätte er es sogar geschafft, in der Freistil-Disziplin im Jahr 1984 für die Confederation Helvetia an den Olympischen Spielen teilzunehmen.

Fundierte ökonomische Kenntnisse

Der stets sportlich und agil wirkende Schweizer ist kein Lautsprecher. Er wirkt zwar überzeugend, aber letztlich doch ruhig, sachlich und besonnen. Und er ist einer, der unvoreingenommen auf Menschen zugeht. Seine ökonomischen Kenntnisse hat er sich während seiner Studien an den Universitäten in Toronto, Florenz, Cambridge und Genf erarbeitet. Im Jahr 1994 promovierte er zum Dr. Phil. im Fachbereich International Relations an der University of Oxford.

Danach startete er seine berufliche Karriere beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Genf und wechselte ein Jahr später zu Moore Capital Management in London und New York, wo er ab dem Jahr 1997 als Partner agierte. Es hielt ihn jedoch nicht lange in angelsächsischen Finanzzentren. Als die Heimat lockte, folgte er diesem Ruf. Im Jahr 2000 trat er als Chief Investment Officer in die Vontobel Gruppe ein, bevor er nur ein Jahr später mit der gleichen Aufgabenstellung zur Union Bancaire Privée wechselte.

Ins SNB-Direktorium wurde er im Juli 2003 berufen, bevor er vom Bundesrat am 1. Januar 2010 zum Präsidenten des Direktoriums ernannt wurde. Dass er auch in internationalen Finanzkreisen seine Anhänger hat, zeigen Aktivitäten bei supranationalen Instituten. Philipp M. Hildebrand ist im Verwaltungsrat der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel und darüber hinaus als Schweizer Abgesandter im Steuerungsausschuss und Plenum des Financial Stability Board (FSB) aktiv. In den Jahren 2006 und 2007 war er zudem Vorsitzender der Stellvertreter der G10. Seit dem Jahr 2008 ist er Mitglied der Group of Thirty. Hildebrand ist verheiratet und Vater einer Tochter. Diese Rolle, so sagen die, die ihn zu kennen glauben, sei ihm besonders ans Herz gewachsen. 

Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 11/2011
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  • » Brainstorming: Der Sturm im Gehirn: Mit Brainstorming, dem Klassiker der Kreativitätstechniken, lösen Teams Probleme und sorgen für frische Ideen - auch wenn nicht alle Einfälle brauchbar sind. Tüftelrunde, Grübelplausch, Denkgewitter, Gedankenquirl - das sind nur einige der mehr als 10.000 Vorschläge, das englische Wort Brainstorming durch einen passenderen deutschen Begriff zu ersetzen.
Buchtipp (BK)
  • » Die Weichmacher – Das süße Gift der Harmoniekultur: Der Titel des Buchs verrät es: Der Autor ist ein Freund der plakativen Diktion. Er spricht vom „süßen Gift der Harmoniekultur“ und kritisiert die seiner Meinung nach in deutschen Unternehmen weit verbreitete „Weichmacherei“, für die er wenig Schmeichelhaftes bereithält: „Weichmacher sind einfach nett. Sie wollen kommunizieren und andere einbinden.

 

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