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At the top: Peter Clarke

Der Visionär

Er ist Vorstandschef der weltweit größten bankenunabhängigen Hedge-Fonds-Gesellschaft, der Man Group plc in London. Mit ziemlicher Sicherheit gibt es in der Finanzbranche derzeit wesentlich attraktivere Management-Jobs. Doch Peter Clarke ist überzeugt von der Hedge- Fonds-Idee – heute mehr als jemals zuvor. | Jonas Dowen

„Ich denke, unsere Branche steht jetzt wieder vor einem anhaltenden Wachstumsschub“, lehnt sich Clarke in seinem Büro hier in der Londoner City am Sugar Quay in seinem Ledersessel zurück. Sein Blick ist in die Ferne weit über das still fließende Wasser der Themse hinaus gerichtet. Peter Clarke scheint an die massive Kritik zu denken, die seine Branche nicht nur hier inmitten der Londoner City, sondern rund um den Globus zuletzt eingesteckt hat.

Gelassen durch die Krise
Diese Behandlung hat man hier manchmal als sehr unfair empfunden. Doch es erscheint normal, dass bei der Suche nach Buhmännern zunächst jene angegriffen werden, die als globale Marktführer an vorderster Front stehen. Clarke hat sich den kritischen Kommentaren und Fragen der breiten Öffentlichkeit gestellt – immer und immer wieder. Er konnte dies nicht zuletzt auch deshalb mit Gelassenheit tun, weil die Man Group plc als Klassenprimus vergleichsweise stabil durch die von Kapitalabflüssen geprägte Krise der Hedge-Fonds-Branche gekommen ist. Der sportliche 49-jährige Brillenträger hat die Aufgabe als CEO am 30. März 2007 von der Hedge-Fonds-Ikone Stanley Fink übernommen, dem der starke Aufstieg der Man Group ganz wesentlich zu verdanken ist.

Clarke ist längst aus den riesigen Schuhen von Fink herausgetreten. In der Londoner City bescheinigen sie ihm, während der Krise insgesamt einen guten Job gemacht zu haben und Man auf den Finanzmarkt- Ozeanen gekonnt durch die unzähligen gefährlichen Klippen der Krise geschifft zu haben. Dies war vor allem wohl deshalb möglich, weil Clarke die Hedge-Fonds-Idee öffentlich immer wieder mit Nachdruck unterstützt hat. Und der Mann wusste, wovon er redete. Heute liegt er auf einer Linie mit Andrew Baker, dem Vorstandsvorsitzenden der Alternative Investment Management Association (AIMA), der jüngst erklärt hatte, Hedge- Fonds würden in aller Welt als Sündenböcke für Geschehnisse abgestempelt, die andere Akteure der Finanzszene zu verantworten hätten.

Optimistisch in die Zukunft
Für Clarke steht fest, dass Hedge-Fonds in der sich offenbar dem Ende zuneigenden Finanzkrise nur eine marginale Rolle gespielt hätten. Für ihn ist die Vergangenheit ohnehin weitgehend abgehakt. Clarke gilt bei seinen Mitarbeitern als nach vorn blickender Visionär, für den vor allem die Zukunft zählt. „Und diese Zukunft ist positiv“, huscht ein Lächeln über seine Lippen. Angesichts einer Krise, in der viel Vertrauen verspielt wurde, ruft eine solch positive Einschätzung geradezu nach Erklärungen. „In vielen Studien wird der Branche ein starker Anstieg des verwalteten Vermögens prognostiziert“, äußert sich der Vorstandsvorsitzende der Man Group plc optimistisch zur Zukunft der von deutschen Politikern einst mit dem Attribut „Heuschrecken“ abgestempelten Branche.

Peter Clarke lässt sich also nicht bange machen. Er bleibt dann sehr zurückhaltend, wenn ihm die Fragen zu seiner Person und zum Privatmann Peter Clarke zu weit gehen. Sein Privatleben findet außerhalb der großen Scheinwerfer statt. „Er ist eine treue Seele“, sagt einer seiner engsten Mitarbeiter. In seinem Job sei allerdings auch Entscheidungsfreudigkeit notwendig. Dass er vor einigen Monaten einen Teil des Personals freisetzen musste, sei ihm unter die Haut gegangen, sagen sie im mittleren Management des Unternehmens. Bereits seit dem Jahr 1993 steht er in den Diensten der Man Group plc, an deren IPO an der London Stock Exchange er seinerzeit als Man-Finanzchef ganz wesentlichen Anteil hatte „Sein Unternehmen“ kennt er also in- und auswendig. Als er in die Dienste des weltgrößten Hedge-Fonds trat, hatte er einige Jahre Erfahrung im Investment Banking bei Morgan Grenfell und der Citigroup gesammelt.

Vor einem nachhaltigen Wachstumsschub
Dass er gerade nach der Krise eine positive Entwicklung für Hedge-Fonds prognostiziert, erscheint fast logisch. Der als „U 50“ in der globalen Finanzszene fast noch zu den Youngstern zählende Brite verweist auf eine aktuelle Untersuchung von Casey Quirk, in der erwartet wird, dass sich die von Hedge-Fonds verwalteten Gelder bis zum Jahr 2013 auf etwa 2,6 Bill US-$ verdoppeln werden. Es könne nicht oft genug gesagt werden, dass Hedge-Fonds gerade in der Krise einen erheblichen Beitrag zur Risikoreduzierung von Gesamt-Portefeuilles geleistet hätten. Und vor diesem Hintergrund wiederholt Clarke seine Einschätzung noch einmal. So als wolle er sagen, dass es die Welt doch endlich begreifen müsse: „Ich glaube unsere Branche steht vor einem nachhaltigen Wachstumsschub.”

Dass Clarke über eine sehr gute Einschätzungsgabe verfügt, hat er mehrfach bewiesen Denn noch vor rund 18 Monaten hatte er hier an gleicher Stelle in London für die „Königsdisziplin der Kapitalanlage“ – wie sich die Vertreter der Branche in den vergangenen Jahren selbst gern bezeichneten – ausgesprochen schwarz gemalt. „Es wird ein Hedge- Fonds-Sterben geben“, hatte er Anfang 2008 mit ernstem Gesicht erklärt. Aber er bat seinerzeit flehentlich darum, diese Aussage nicht wirklich öffentlich zu machen. Dass sich die britische Presse an solche Bitten nicht unbedingt hält, ist bekannt und so geisterten die Aussagen des eher scheu und vorsichtig wirkenden Man-CEO sehr rasch über den Ticker und verstärkten das Unbehagen der Finanzmarkt- Akteure in aller Welt.

Es kam so, wie Clarke erwartet hatte. Innerhalb nur eines Jahres hat dieser Zweig der Finanzdienstleistungsbranche fast die Hälfte seines verwalteten Vermögens eingebüßt. Nach über 2 Bill US-$ im Jahr 2008 waren Hedge-Fonds weltweit zuletzt gerade einmal für Assets under Management (AuM) von 1,3 Bill US-$ gut. Und auch die Zahl der Hedge-Fonds hat sich deutlich reduziert. Aber nicht nur das. „Die Konsolidierung ist noch nicht zu Ende“, sagt Clarke. Seine Begründung leuchtet ein: Da Hedge-Fonds-Strategien nicht zuletzt auf Grund der von den Aufsichtsbehörden erlassenen Transparenzund Liquiditätsvorschriften immer stärker in traditionelle Investment-Mäntel wie UCITS III-Fonds verpackt oder über Managed-Account-Plattformen abgewickelt werden, hat sich die Lage geändert. Denn die Kosten hierfür sind entsprechend hoch. Heute ist eine gewisse Größe für Hedge-Fonds-Unternehmen unausweichlich.

„Die Eintrittsbarrieren für Neulinge sind mit den neuen Vorschriften wesentlich höher gesetzt worden“, meint er. All dies komme den großen Hedge-Fonds-Gesellschaften zugute. Dass dieses neue Umfeld Akquisitions-Potenzial für die Man Group schafft, leugnet er nicht. Man habe in der Vergangenheit bereits gezielt zugekauft und werde bestehende Gelegenheiten prüfen, bleibt Clarke eine konkrete Antwort nach geplanten Akquisitionen schuldig. Clarke lag mit seiner düsteren Prognose zu Hedge-Fonds in der Vergangenheit ebenso richtig wie mit seiner damals sehr skeptischen Einstellung gegenüber den globalen Aktienmärkten. Glücklich hat ihn das sicherlich nicht gemacht; denn er hätte wohl gerne auf die negativen Seiten der weltweiten Finanzkrise verzichtet.

Aber der studierte Rechtsanwalt weiß, dass die große Bereinigung durch die Krise den Nährboden für weltweites Wachstum bietet. Heute sitzt er gelassen in seinem Londoner Büro und spricht längst wieder über eine offensive – auf Wachstum ausgerichtete – Geschäftspolitik. Über die Zukunft zu reden, macht dem Visionär sichtlich mehr Spaß als die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 01/2010
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  • » Brainstorming: Der Sturm im Gehirn: Mit Brainstorming, dem Klassiker der Kreativitätstechniken, lösen Teams Probleme und sorgen für frische Ideen - auch wenn nicht alle Einfälle brauchbar sind. Tüftelrunde, Grübelplausch, Denkgewitter, Gedankenquirl - das sind nur einige der mehr als 10.000 Vorschläge, das englische Wort Brainstorming durch einen passenderen deutschen Begriff zu ersetzen.
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