Der stille Botschafter
Dr. Adnan Ahmed Yousif Abdel Malik ist Chairman und Vorstandsvorsitzender der Al Baraka Banking Group – der erfolgreichsten islamischen Bankengruppe. Er ist zudem Chairman der Union of Arab Banks und gilt als einer der weltweit einflussreichsten Araber. | Jonas Dowen
Er gilt in der internationalen Bankenwelt als ein extrem ruhiger und auffällig bescheidener Mensch. Nein, die finanzielle und wirtschaftliche Macht, über die der 51-Jährige verfügt, ist ihm auf den ersten Blick nicht anzusehen. Als Chairman der Union of Arab Banks ist Dr. Adnan Ahmed Yousif Abdel Malik – so sein voller Name – inzwischen nicht nur der mächtigste Banker in der arabischen Welt, sondern auch ein bedeutender Vertreter und wichtiger Abgesandter der gesamten arabischen Welt.
Dass er in seiner „Hauptfunktion“ auch Chairman und Vorstandsvorsitzender der Al Baraka Banking Group (ABG) ist, steigert seine internationale Bedeutung erheblich. Yousif ist einer von denen, die das „Arab Banking“ – in der westlichen Welt auch als „Islamic Banking“ bezeichnet - zu dem gemacht haben, was es heute ist. Denn diese Form des Bankwesens genießt in den großen Finanzzentren der Welt nach anfangs zögerlicher Akzeptanz inzwischen eine hohe Anerkennung und eine Menge Respekt.
Expansion des Islamic Banking
Nun kann man durchaus argumentieren, dass der Siegeszug des Islamic Banking vor dem Hintergrund des gigantischen Wohlstands der arabischen Region – konkret gemessen an den riesigen Handelsbilanzüberschüssen und den angehäuften Petrodollar- Bergen – während der vergangenen drei Jahrzehnte ein Selbstläufer war. Dennoch – es ist festzuhalten, dass der Mann mit dem dunklen Schnauzbart ein wichtiger Vertreter seiner Zunft ist, der maßgeblich zur Popularität dieser „völlig anderen“ Art des Bankings beigetragen hat.
Man kann bei Yousif getrost von einer steilen Karriere sprechen. Das Rüstzeug für die Karriere hat sich der als still und bescheiden geltende Mann durch sein Studium an der University of Hull in Großbritannien zugelegt, wo er den Abschluss als MBA machte. Schon bald entdeckte er seine Vorliebe für das Bankwesen. Und seit er dann bei der Habib-Bank in den Jahren 1973 und 1974 ein Management- Trainee-Programm absolvierte, ging es auf seinem Berufsweg steil bergauf.
Er verdiente sich von 1975 bis 1980 die ersten Sporen als Bank-Manager beim Finanzriesen American Express. Später hat er in zahlreichen anderen Bank-Instituten gearbeitet – sowohl im arabischen Raum als auch auf internationaler Ebene. Inzwischen ist er einer der Etablierten in der globalen Finanzszene. Gerade im Westen genießt der Mann hohes Ansehen.
Arabisch-europäische Verflechtungen
Dies auch deshalb, weil im Westen seit einigen Jahren nicht nur ein wachsendes Interesse am Islamic Banking, sondern in diesem Kontext auch an der Kultur, der Architektur, der Musik und nicht zuletzt auch an der Sprache und Schrift des gesamten arabischen Raums festzustellen ist. Das sollte nicht verwundern. Schließlich gilt es zu bedenken, dass es die Araber waren, die die Grundsteine für die modernen Wissenschaften und für die heutige Medizin gelegt haben. Die engeren kulturellen und ökonomischen arabisch-europäischen Verflechtungen sind vor diesem Hintergrund so etwas wie eine Win-Win- Situation für beide Seiten. Vor allem Europa weiß, dass es wegen der Energie-Abhängigkeit seiner Volkswirtschaften eine bedeutungsvolle Wechselwirkung mit den Länder in der arabischen Region gibt.
Einem wie Adnan Ahmed Yousif ist diese Wechselwirkung sehr wohl bekannt. Nicht umsonst hat der zweimal als „Islamic Banker of the year“ Ausgezeichnete Mitte Mai dieses Jahres dafür gesorgt, dass die Union of Arab Banks in Frankfurt am Main ein Repräsentanzbüro eröffnet hat. Dies ist die erste UAB-Vertretung außerhalb der arabischen Welt. Doch wer die Visionen Yousifs kennt, der weiß, dass es dabei nicht bleiben soll. Neben einer in England bereits existierenden Bank will Yousif noch mehrere islamische Banken in Europa eröffnet. Von einem Magazin im Mittleren Osten wurde er im Mai 2009 als einer der 50 einflussreichsten Araber in der Welt bezeichnet.
Der zurückhaltende Banker bestätigt das, was der Westen allgemein über arabische Geschäftsleute denkt. Man schätzt seine gepflegte Redekunst und gekonnte Ausdrucksweise. Seine zahlreichen pointierten Reden machen deutlich, dass er sehr wohl die Kunst der Konzentration und Fokussierung beherrscht. Denn bilderreiche und ausschweifende Monologe sind nicht unbedingt sein Ding. Er kommt dabei recht rasch auf den Punkt und nennt die Dinge klar beim Namen.
Viele Ideen über das Islamic Banking hat er von Scheich Saleh Abdullah Kamel – einem der erfolgreichsten Geschäftsleute im Königreich Saudi Arabien – übernommen und weiterentwickelt. In der arabischen Welt findet der saudische Scheich Saleh als „Erfinder“ der Islamic-Banking- Idee große Anerkennung. Scheich Saleh war es auch, der Yousif vor mehr als einem Jahrzehnt unter seine Fittiche nahm und mit der Aufgabe zur Gründung der Al Baraka Banking Group (ABG) betraute. Und all das war schließlich keine einfache Aufgabe, denn das Banken-Imperium von Scheich Saleh umfasste schließlich unzählige bis dahin selbstständige kleinere und mittelgroße Banken in zehn unterschiedlichen Ländern.
Erfolgreichste islamische Bankengruppe
Yousif nahm diese Aufgabe an und erfüllte sie – mit Bravour. Heute ist die ABG mit ihrem Geschäftsmodell die erfolgreichste islamische Bankengruppe. Wie erfolgreich das in Manama/Bahrain ansässige Unternehmen ist, zeigt sich auch darin, dass Adnan Yousif die „zusammengeschweißte“ ABG in weniger als zwei Jahren nach ihrer Gründung im Rahmen eines Initial Public Offering (IPO) im Volumen von umgerechnet rund 1 Mrd US-$ dann prompt auch an die Börse in Bahrain führte. Heute ist die ABG die größte börsennotierte islamische Bankengruppe. Die Bilanzsumme kletterte von 3,5 Mrd US-$ im Jahr 2003 auf 11 Mrd US-$ im Jahr 2008.
Von der Ratingagentur S&P erhielt das Unternehmen prompt ein Investment Grade Rating. Im Jahr 2007 beschaffte sich die ABG durch ein 32-fach überzeichnetes IPO ihrer Tochter Al Baraka Turk Participation Bank frisches Kapital. Und im Jahr 2009 folgte die syrische Tochter Al Baraka Bank Syria mit einer 4,4-fach überzeichneten Eigenkapital-Emission.
Allergrößte Wertschätzung wurde dem nach vorn schauenden Banker mit den hervorragenden politischen Verbindungen zuteil, als er im Mai dieses Jahres für eine zweite drei Jahre dauernde Amtszeit zum Chairman der Union of Arab Banks (UAB) berufen wurde. Als Vereinigung der arabischen Banken wurde die UAB am 14. März des Jahres 1974 unter dem Dach der Arabischen Liga – praktisch als Finanz-Dachorganisation der in dieser Interessengemeinschaft vertretenen Länder – gegründet. Die Zielsetzung der in Beirut in der Republik Libanon angesiedelten Organisation ist darin zu sehen, die Interessen der heute mehr als 300 Mitglieder zu koordinieren und in der Welt zu vertreten.
Dynamischer Wachstumskurs
Doch auch mit der zweiten Amtszeit bei der UAB hat Adnan Yousif wohl noch längst nicht alle seine Ziele erreicht. Neben der Ankündigung weiterer UABStandbeine in Europa hat er einen dynamischen Wachstumskurs für sein eigenes Unternehmen – die ABG also - in Europa und anderen Regionen der Welt ausgerufen. Zudem plant er – wie er zuletzt in einigen Reden deutlich machte – die Übernahme weiterer Banken im arabischen Raum. Man wolle zum Beispiel eine Beteiligung an der malaysischen Bank Muamalat erwerben. „Wir haben in dieser Hinsicht unsere Absichten bereits deutlich gemacht“, sagt Yousif knapp. Doch die Ziele des Bankers liegen nicht nur darin, das ABG-Imperium zu vergrößern und so größere Bedeutung in der globalen Finanzszene zu erlangen.
Seine Visionen für die Al Baraka Banking Group und auch für die Union of Arab Banks liegen darin, die Grundidee des Islamic Banking fördern. Denn für Yousif scheint es wichtig, Bankgeschäfte in enger Übereinstimmung mit den religiösen Regeln des Islam und der Schari'a zu gestalten. Zu den grundsätzlichen Regeln einer solchen Banken-Methodik zählen unter anderem das mit „Riba“ bezeichnete allgemeine Zinsverbot, das als „Gharar“ bekannte Verbot der Spekulation sowie das Glücksspiel- Verbot, das als Maysir oder Quimar bezeichnet wird. Darüber hinaus gibt es im Islamic Banking auch noch soziale und ethische Ausschlusskriterien wie die Produktion von Alkohol und Schweinefleisch sowie Geschäfte im Zusammenhang mit Pornografie und Prostitution.
Auf diesem klar vorgegebenen Weg will Yousif viel erreichen. Doch auch einer wie er muss hin und wieder Rückschläge verkraften. Zuletzt musste er erklären, die bereits für das Jahr 2008 geplante Errichtung einer Börse für den Handel mit islamischen Aktien und Sukuk (also Anleihen) sei nun doch nicht so rasch zu realisieren wie bisher gedacht. Klar, die globale Finanzkrise, von der auch einige Staaten des arabischen Raumes wie Dubai erfasst wurden, hat Yousif bei seinen Bemühungen einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben – jetzt ist die Eröffnung dieser neuen Börse für das Jahr 2012 geplant. Doch noch sind einige wichtige Fragen offen. So ist bislang keine Entscheidung darüber gefallen, ob dieser neue Handelsplatz an eine der in der arabischen Welt bereits existierenden Börsen „angedockt“ wird oder aber ob sie als eine eigenständige Börse agieren wird. Auch über den Standort hat Adnan Yousif noch nicht entschieden. „Saudi Arabien und Bahrain gelten derzeit als Favoriten“, sagt er auf entsprechende Fragen.
Wer versucht, persönliche Eindrücke über Adnan Yousif zu erhalten, der hat es extrem schwer. Der Mann ist scheu und zurückhaltend. Obwohl er einen eigenen Web-Auftritt hat, findet man nur wenig Angaben über seine Vorlieben und Hobbys. Selbst über seinen Geburtstag sind zunächst weder von der Bank noch von ihm selbst detaillierte Auskünfte zu erhalten. Man weiß nur, dass er 51 Jahre alt ist. Der Kultur der Araber entsprechend ist er in seinen Auftritten redegewandt und extrovertiert. Doch das nur, wenn es um seine Bank, seine Ideen und seine geschäftlichen Vorstellungen geht – in der Eigendarstellung zeigt Yousif eher eine vornehmene Zurückhaltung. Seinen Erfolg, so sagt er, hat er nicht zuletzt seiner Familie zu verdanken, seiner Ehefrau Zakiya und seinen beiden Töchtern Aisha und Layla.

