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At the Top: Laurence D. Fink

Der Gipfelstürmer

Laurence D. Fink hat sein ambitioniertes Ziel erreicht: Als Vorstandschef und Chairman der Black Rock Inc. ist es ihm gelungen, den größten Asset-Management- Konzern der Welt zu schmieden. Die Etappen auf dem steilen Weg zum Gipfel waren die Übernahme von State Street Research, Merrill Lynch Investment Managers sowie Barclays Global Investors. Der neue Branchen-Primus verwaltet aktuell ein Vermögen von fast 2,8 Billionen US-$. | Jonas Dowen

finkEr hat es geschafft. Laurence D. Fink ist auf der Karriereleiter inzwischen ganz weit oben angekommen. Seit der zweiten Hälfte der 70er Jahre hat er sich in Wall Street – dem New Yorker Finanzdistrikt im Südteil Manhattans – getummelt. Hier hat er das Finanzgeschäft bei mehreren der großen Wall-Street-Häuser praktisch von der Pike auf gelernt. Heute ist Fink als Vorstandschef und Chairman von Black Rock einer jener „Übergrößen“ in der New Yorker Finanzszene, deren Einfluss inzwischen längst weit über die amerikanische Finanzmetropole hinaus reicht. Denn Black Rock Inc. ist nach der Übernahme von Merrill Lynch Investment Managers sowie von Barclays Global Investors (BGI) inzwischen der weltgrößte Vermögensverwalter.

Primus unter den Asset-Managern
Mit einem verwalteten Vermögen von fast 2,8 Billionen US-$ ist das Unternehmen selbst in US-Finanzkreisen alles andere als ein „household name“ – also in der
breiten Öffentlichkeit kein wirklich geläufiger Markenname. Und exakt hierin liegt auch eine der Stärken von Laurence Fink und seinem Team. Gemeinsam mit seinen Partnern hatte Fink im Jahr 1989 die Black Rock Inc. gegründet. Das Unternehmen hat sich mehr oder weniger heimlich, still und leise über mehrere Jahrzehnte hinweg
vom Rentenmanager institutioneller Kunden inzwischen zu einem Vermögensverwalter mit Konzentration auf alle wichtigen Anlageklassen wie Aktien, Geldmarkt-. und Hedge-Fonds entwickelt. Doch nicht nur das – Black Rock ist nach den jüngsten beiden Übernahmen heute Primus unter den Asset-Managern der Welt.

Von der Zentrale in New York aus bieten Fink und seine rund 9.000 Angestellten aus 21 Ländern der Welt einem aus den Bereichen Versicherungen, Pensionskassen, Fonds, Stiftungen, Trusts, Banken und vermögenden Privatanlegern bestehenden Kundenstamm in 60 Ländern der Welt ein auf deren Bedürfnisse zugeschnittenes breites Dienstleistungs-Spektrum. Und in diesem Jahr feierte das Unternehmen nicht nur den Sprung zum Investmentriesen, sondern auch ein anderes bemerkenswertes Jubiläum. Die Black- Rock-Aktien werden jetzt seit exakt zehn Jahren an der New York Stock Exchange (NYSE) gehandelt.

Gefragter Krisenberater
Doch nicht nur bei den Anlegern und den Klienten von Black Rock, sondern auch bei den Politikern in Washington haben sich das Können und die Expertise von Laurence D. Fink längst herumgesprochen. Auch am US-Regierungssitz, wo Regierungschef Barack Obama und sein Finanzminister Timothy Geithner derzeit für jeden Input wirklicher Fachleute dankbar sind, stehen Fink die Türen weit offen. Sein Rat war und ist noch immer gefragt. Es mutete den Betrachtern schon seltsam an, als er im Dezember des vergangenen Jahres sowohl die scheidende Regierung von George W. Bush als auch das vor dem Gang ins Weiße Haus stehende Team von Barack Obama beriet.

Die auf politischer Seite in den Zeiten des Regierungswechsels auf Seiten der Republikaner und Demokraten seinerzeit gleichzeitig bestehende verzweifelte Suche nach Expertise hat Fink sowohl für das Aufpolieren seines eigenen Images als auch für die Ruf-Verbesserung seines Unternehmens genutzt. Und er hält auch nicht hinter dem Berg, wenn er auf seine doppelte Beratertätigkeit in Washington angesprochen wird. „Wir wurden von mehreren Top-Politikern in Washington auf dem Höhepunkt der Krise um Navigations- Hilfe gebeten“, erklärt Fink seine zweigleisige Beratertätigkeit.

Fink war nicht immer so erfolgreich wie heute, aber er war stets lernfähig. Noch heute erzählen seine Ex-Kollegen bei First Boston davon, dass er, den seine Freunde „Larry“ nennen, bei einer Bondmarkt- Transaktion einmal auf einen Schlag einen Verlust von 100 Mio US-$ eingefahren hatte. Er war gerade von der University of California of Los Angeles zu First Boston gekommen, als er diesen Fehlschlag überwinden musste. „Er hat wohl vor allem eins daraus gelernt: Disziplin und gekonntes Risikomanagement“, sagt einer seiner damaligen Weggefährten. Aus dieser Erfahrung heraus hat Fink in dem von ihm geführten Finanzkonzern einen interdisziplinären Teamansatz entwickelt, durch den der weltweiten Klienten-Basis eine gebündelte Expertise geboten werden kann. Und noch heute sind Disziplin und Risikomanagement ein Credo, dem Fink konsequent folgt und das er auch seinen Mitarbeitern mit auf den Weg gibt.

Einige Beobachter in Wall Street fragten sich zuletzt, ob Finks Rolle bei der Beratung der Regierung und deren Aufsichtsbehörden nicht „längst zu weit“ gehe. Fink kontert solche Angriffe mit der ihm eigenen Souveränität: „Wir sind stolz darauf, dass wir bei Black Rock dazu beitragen konnten, die Wirtschaft wieder auf den richtigen Pfad zurückzubringen.“ Nicht nur er, sondern auch zahlreiche der Top-Manager von Black Rock verbrachten in den vergangenen Wochen und Monaten sehr viele Stunden als Berater in Washington und an anderen Brennpunkten der Finanzwelt. „Was mir die wenigen letzten verbliebenen Haare raubt, ist der Schuldspruch von Leuten allein auf Grund der Tatsache, dass wir derzeit in so viele Dinge involviert sind“, wird der ansonsten gelassene Finanzmanager leicht ungehalten.

Dass er darüber hinaus heute bei den zahlreichen Systemkritikern und Wall- Street-Gegnern nicht gerade als die „Figur der Zukunft“ gilt und ihm zahlreiche Amerikaner darüber hinaus mit einer unverkennbaren Skepsis begegnen, erklärt sich aus Finks Vergangenheit. An der UCLA hatte er einen Schwerpunkt seines Wirkens auf den Immobilienmarkt gelegt. Später war Fink bei First Boston einer jener Vordenker, die als „Erfinder“ und „Urväter“ von Mortgage Backed Securities (MBS) gelten. Als sehr junger Bondhändler war Fink an der Kreation dieser Kreditinstrumente beteiligt gewesen, die bekanntlich in der breiten Öffentlichkeit als eine der Keimzellen der größten Wirtschaftskrise seit mehreren Dekaden gilt. Denn aus MBS wurden in der Folgezeit weitere Kreditderivate wie CDO und CLO sowie CDS entwickelt, mit deren Kontrolle und Regulierung die Politiker und Aufsichtsbehörden in Washington und Brüssel derzeit so viele Probleme haben.

Durch Übernahmen an die Spitze
Nun kann man über Fink denken und sagen was man will. Dem am 2. November 1952 in Los Angeles geborenen ist es in den vergangenen Monaten zweifellos gelungen, sein Unternehmen geschickt durch die aktuelle Krise zu führen. Der Mitgründer von Black Rock sonnt sich heute hier in New York nach der Übernahme von State Street Research im Jahr 2005, des Asset-Management-Geschäfts von Merrill Lynch im Jahr 2008 und des Indexfonds-Geschäfts von Barclays in diesem Jahr lieber in der ihm besser stehenden Rolle des „Deal Makers“.

In der Vergangenheit wurde Fink bereits als Nachfolger mehrerer Wall-Street- Größen gehandelt. Der Name des Vaters von drei Kindern kam zum Beispiel auch ins Spiel, als es vor geraumer Zeit um einen Nachfolger von Philip Purcell auf dem Chefposten von Morgan Stanley ging. Als die Transaktion dann letztlich doch scheiterte, entschädigte sich Fink selbst, indem er der Bank of America das Vermögensverwaltungsgeschäft von Merrill Lynch abkaufte. Er hat diese Transaktion sehr geschickt eingefädelt und der Bank of America eigene Black-Rock-Aktien angedient, so dass das Finanzinstitut mit 47,4 % heute größter Aktionär des weltgrößten Asset-Managers ist.

Und dass es ihm in einer schwierigen und langwierigen Transaktion letztlich auch gelang, in der Finanzwelt beim Großaktionär PNC, bei befreundeten Hedge-Fonds und bei einigen Staats- Fonds genügend Geld für die seinerzeit kurz vor dem Scheitern stehende Übernahme von Barclays Global Investors aufzutreiben, zeigt, dass der Deal Maker Laurence D. Fink immer wieder an die großen internationalen Geldtöpfe herankommt. Auch der Fakt, dass es Black Rock gelang, in dieser schwierigen Zeit ein vergleichsweise solides Geschäftsergebnis vorzulegen, zeigt die besondere Qualität von Laurence D. Fink und seinem Team.

Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 11/2009
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  • » Brainstorming: Der Sturm im Gehirn: Mit Brainstorming, dem Klassiker der Kreativitätstechniken, lösen Teams Probleme und sorgen für frische Ideen - auch wenn nicht alle Einfälle brauchbar sind. Tüftelrunde, Grübelplausch, Denkgewitter, Gedankenquirl - das sind nur einige der mehr als 10.000 Vorschläge, das englische Wort Brainstorming durch einen passenderen deutschen Begriff zu ersetzen.
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