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At the Top: Roberto Egydio Setubal

Der Geheimniskrämer

Roberto Egydio Setubal ist Vorstandschef, Präsident und Vize-Chairman der Itaú Unibanco Holding S.A. Die größte lateinamerikanische Bank war im November 2008 durch die Fusion der brasilianischen Finanzinstitute Banco Itaú und Unibanco entstanden. Der Konzern gilt – der Finanzkrise zum Trotz – als hochprofitable Kraftmaschine. | Jonas Dowen

Roberto Egydio Setubal weiß das Glück derzeit auf seiner Seite. Der allgewaltige Präsident, Vorstandsvorsitzende und Vize-Chairman der Itaú Unibanco Holding S.A. ist sich dieses Vorteils durchaus bewusst. Setubal ist sich darüber im Klaren, dass Glück zum einen nicht umsonst zu haben ist und dass es zum anderen kein Dauerzustand sein muss. Denn auch ein erfolgreicher Banker wie er muss sich das Glück hart erarbeiten – Tag für Tag. Doch mit Glück allein ist die führende Rolle seiner Bank auf dem lateinamerikanischen Subkontinent nicht zu erklären – der Erfolg basiert vielmehr auf unternehmerischer Weitsicht, auf visionärem Denken, auf Courage und auf Entscheidungsfreude.

Entspannter Banker
Der smarte Brasilianer unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von seinen Kollegen in New York, London, Tokio oder Frankfurt. Unverkennbar ist, dass Setubal im Gegensatz zu zahlreichen seiner Kollegen in den westlichen Banker-Metropolen derzeit auffallend oft lächelt. Seine Körperhaltung vermittelt einen entspannten Eindruck – und das ist in den Zeiten der aktuellen Krise für einen Banker nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Hier wird deutlich, dass sie im Finanz- und Börsenwesen der größten lateinamerikanischen Volkswirtschaft zwar von der großen Krise dieser Zeit gehört haben, dass die Einschläge der Krise jedoch weitgehend am „grünsten Land der Erde“ vorbeigegangen sind und Schäden in dieser Region vergleichsweise selten sind.

Dass man das selbst beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington nicht erkennt, ärgert einen Top-Manager wie Setubal. Als IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn vor kurzem die Warnung vor toxischen Papieren in den Depots brasilianischer Banken aussprach, konterte Setubal gelassen: „Das kommentiere ich nicht, weil es Ausdruck der Unkenntnis dieses Herren über unser Bankgeschäft ist.“ Hier zeigt sich das zunehmende Selbstbewusstsein eines Bankers aus einem Land, das in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich gleich mehrere Krisensituationen gemeistert hat.

Für den am 13. Oktober 1954 in der brasilianischen Metropole São Paulo geborenen Setubal spricht auch ein anderes nicht unwichtiges Merkmal. Bei ihm zeigt sich, dass optische Eindrücke von im harten und wettbewerbsintensiven Finanzgeschäft aktiven Individuen von ebenso großer Bedeutung sind wie Fachwissen, Überzeugungskraft und Führungsqualität. In all diesen Beziehungen kann der Banker bei seinen Geschäfts- und Gesprächspartnern punkten. Stets adrett gekleidet – und zwar oft nicht im dunklen Geschäftsanzug, sondern eher im dem brasilianischen Klima angepassten feinen hellen Zwirn – strahlt der charismatische Vorstandschef eine Menge Vertrauen aus. Im Banker-Alltag schadet eine solche Eigenschaft sicher nicht.

Steile Karriere
Vergleichsweise rasch und steil ging es für den ausgebildeten Ingenieur während der vergangenen 20 Jahre im Karriere- Aufzug nach oben. Dass er Spross einer erfolgreichen brasilianischen Industriellen- und Banker-Familie ist, hat ihm beim Weg an die Spitze sehr rasch zahlreiche Hürden aus dem Weg geräumt. Man könnte seinen im Jahr 1983 gestarteten Berufsweg im globalen Bankwesen als Karriere eines Quereinsteigers bezeichnen – doch das wäre eine Verkennung der Tatsachen.

Denn Setubal ist Ingenieur und Banker zugleich. Die weitreichenden Beziehungen seiner Familie im internationalen Banking halfen dem gelernten Ingenieur beim Einstieg ins Bankwesen.

Schließlich hatte Setubal während seiner Ausbildungszeit als Banker einen sehr populären Lehrmeister, nämlich keinen geringeren als John Reed – einen engen Freund seiner Familie. Der ehemalige populäre und inzwischen legendäre Chef der Citibank nahm den ehrgeizigen Setubal im Jahr 1983 bei der damals größten Bank der Welt unter seine Fittiche und wies ihm den Weg zum Erfolg in der Finanzbranche. Seine Entscheidungsfreudigkeit hat Setubal unter anderem Reed zu verdanken. Nach nur zwei Jahren „Lehrzeit“ bei der Citibank wechselte er im Jahr 1985 bereits zu „seiner Bank“, der Banco Itaú – einem der beiden Teile, aus der im Rahmen einer Fusion die heute größte Bank Lateinamerikas entstand.

Auf den Spuren des Vaters
Über Jahrzehnte hinweg war die im Jahr 1945 gegründete und von den reichen Familien Villela und Setubal kontrollierte Bank durch organisches Wachstum und gezielte Zukäufe zum profitabelsten Finanzdienstleister Lateinamerikas aufgestiegen. Kein Zweifel: Sehr viel hat die Bank Robertos Vater Olavo Egydio Setubal zu verdanken, der das Institut über Jahre hinweg erfolgreich führte. Heute wandelt der neue „Herr der Itaú Unibanco Holding S.A.“ auf den Spuren seines Vaters, der als gelernter Ingenieur sowohl Brasiliens größtes Sanitärunternehmen Deca gegründet hatte als auch Bürgermeister der Stadt São Paulo und Außenminister Brasiliens war.

Der Erfolg des Vaters veranlasste auch den Sohn zu einem Ausflug ins polytechnische Wissenschafts-Milieu. Roberto Egydio Setubal studierte an den Fakultäten für Ingenieurwissenschaft an der Universidade de São Paulo und der Stanford University und erwarb hier mit den akademischen Graden als Bachelor und Master of Sciences (MS) das Rüstzeug für den Erfolg im Banking. Wie zuvor sein Vater Olavo, so versteht es auch der Sohn meisterhaft, beide Richtungen – das breite Wissen als Ingenieur und als Banker – auf ideale Weise miteinander zu verbinden.

Bereits Vater Olavo war während seiner Zeit als Banker eher wie ein Ingenieur vorgegangen. Er übernahm aus der Technologie und der Software-Branche stammende Prozesse im Bankwesen und rationalisierte dort die geschäftlichen Abläufe. Vater und Sohn gingen beide den Weg, eigenes Personal zu schulen, anstatt teure und schillernde Manager mit guten Verbindungen in die Welt der Wirtschaft hinein einzustellen. Sehr lange Zeit bestand der Vorstand der „wohl profitabelsten Bank der Welt“ (so Investmentguru Mark Mobius) aus mehr Ingenieuren als Bankern. Delfim Netto, mehrmals Brasiliens Wirtschaftsminister, beschreibt die Unternehmensphilosophie Itaús wie folgt: „Hier ist eine Bank, die von intellektuellen Ingenieuren geführt wird, mit engen Verbindungen in die urbane Industrie Brasiliens hinein.“

Die Mega-Fusion
Und so wird wohl kaum ein anderer Banker weltweit die Krisenjahre 2008 und 2009 als die glanzvollste Zeit seiner Karriere bezeichnen. Roberto Setubal stellt diese Behauptung auf – und zwar mit Recht: „Auch wenn wir in der Zukunft noch viel größere Deals abschließen – für mich ist die Fusion mit Unibanco der Höhepunkt meiner Karriere“, hat er im Anschluss an den bereits im Jahr 2007 eingeleiteten Zusammenschluss der beiden großen lateinamerikanischen Finanzinstitutionen gesagt. Setubal gelang das Kunststück, die Interessen der beiden Besitzerfamilien Itaús – den Setubals und den Villelas – mit den Interessen der Unibanco-Eigentümer – der alteingesessenen Bankerfamilie Moreira Salles – zusammenzuführen.

Das „inoffizielle Protokoll“ dieser Fusion liest sich wie ein spannender Thriller. Über mehr als 18 Monate hinweg hatten Roberto Setubal und der fünf Jahre jüngere Pedro Moreira Salles – Vorstandschef und Großaktionär von Unibanco – über die Fusion der beiden Banken verhandelt. Im Stillen und Geheimen – beide Banker entwickelten sich also zu Geheimniskrämern. Von Setubal war bis dahin bekannt, dass ihm das Wochenende heilig war und er an diesen Tagen in der Regel nicht arbeitete. Doch in diesem bestimmten Fall machte er eine Ausnahme. Dies hat sich letztlich gelohnt.

An Feiertagen und Wochenenden hatte er sich mit Pedro Moreira Salles in der Villa eines Freundes in São Paulos Nobelvorort Morumbí getroffen – fernab von den Wohnorten der beiden. Letztlich sollte niemand Verdacht schöpfen. Letzte Details zurrten beide am Rande der IW-FJahrestagung im dritten Quartal 2008 in Washington fest. Das „private Treffen“ der beiden fiel in diesem Umfeld nicht auf. Denn hier liefen sich Banker aus aller Welt Tag für Tag über den Weg. Eingeweiht in den Deal waren nur die engsten Familienmitglieder. Nachdem Brasiliens Zentralbankchef auf der einen und Präsident Lula da Silva auf der anderen Seite im November 2008 informiert wurden, waren dann erst die bis dahin im Unklaren gelassenen Vorstände der beiden Banken an der Reihe. Mit der Itaú Unibanco Holding S.A. war im November 2008 die größte Bank Lateinamerikas und eine der 16 größten Banken der Welt geschaffen.

Globale Kraftmaschine
Analysten der Konkurrenten waren und sind des Lobes voll. „Setubal hat eine Bank geschaffen, die sich zu einer globalen Kraftmaschine entwickeln kann“, äußerte sich Mark Rosen von Credit Suisse. Dabei ist es nicht nur die schiere Größe dieser Bank, die beeindruckt, sondern das Potenzial, das die neue Bank aufweist. Und so wird die Itaú Unibanco Holding S.A. heute als einer der großen Gewinner der globalen Finanzkrise bezeichnet.

So wie Setubal in diesem speziellen Fall gehandelt hatte, so war er bereits in den Jahren zuvor vorgegangen. Den Blick weit nach vorn in die Zukunft gerichtet und visionäre Entscheidungen nicht scheuend, war er der Konkurrenz stets einen Schritt voraus. Als Brasilien im Jahr 1995 von einer ernsten Finanzkrise erschüttert wurde, griff er zu. Bei den krisenbedingten Privatisierungen übernahm er die Staatsbanken von Rio de Janeiro und Minas Gerais und weitete so das eigene Privatkundengeschäft in den zwei wirtschaftlich stärksten Bundesstaaten Brasiliens nach São Paulo aus. Er erwirbt Ende 2002 die Investmentbank BBA Creditanstalt und übernimmt später auch die Lateinamerika-Aktivitäten der Bank Boston. Zahlreiche weitere andere Übernahmen folgten. Und Roberto Setubal macht heute in seinen zahlreichen Reden deutlich, dass damit das Ende seiner Wachstumsträume noch längst nicht gekommen ist.

Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 07/2010
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  • » Brainstorming: Der Sturm im Gehirn: Mit Brainstorming, dem Klassiker der Kreativitätstechniken, lösen Teams Probleme und sorgen für frische Ideen - auch wenn nicht alle Einfälle brauchbar sind. Tüftelrunde, Grübelplausch, Denkgewitter, Gedankenquirl - das sind nur einige der mehr als 10.000 Vorschläge, das englische Wort Brainstorming durch einen passenderen deutschen Begriff zu ersetzen.
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