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At the top: James P. Gorman

Crocodile Dundee der Wall Street

Im New Yorker Finanzdistrikt rund um die Wall Street ziehen sie in diesen Tagen einen Vergleich mit der Filmfigur Crocodile Dundee, wenn sie auf die Berufung des Australiers James P. Gorman zum künftigen Vorstandsvorsitzenden von Morgan Stanley angesprochen werden. | Jonas Dowen

Strategische Waffen
Nun ist allerdings kaum zu erwarten, dass Gorman, der aktuell Co-Präsident von Morgan Stanley ist, symbolisch jene Waffen ziehen wird, mit denen Crocodile-Dundee-Darsteller Paul Hogan in seinen preisgekrönten Filmen einstmals seine Angreifer überraschte. Bekanntlich hatte der Filmheld bei seinem Ausflug aus dem australischen Busch in den Dschungel New Yorks junge unbedachte Möchtegern-Räuber mit einem überdimensionalen Buschmesser in die Flucht geschlagen.

Gorman wird andere - weniger bedrohliche - Waffen einsetzen, sagen einige seiner einstigen Weggefährten von Merrill Lynch. Während seiner Zeit bei Merrill galt er als sehr umgänglich, freundlich und höflich. „Er war aufgeschlossen und hatte für jeden ein gutes Wort“, sagt einer seiner damaligen Kollegen. Kritiker meinen daher, Gorman sei als „mister nice guy“ für das harte Wall-Street-Geschäft eher ein Mann für die zweite Reihe - und kein Kämpfer an vorderer Front. Doch es gibt auch andere Stimmen. Obwohl er weiter einen ruhigen Umgang mit seinen Kolleginnen und Kollegen pflege, habe er ein großes Durchsetzungsvermögen.

„Inzwischen verfügt James über eine geräuscharme Härte“, kommentiert Glenn Hubbard, Leiter der Columbia Business School, an der Gorman vor geraumer Zeit eine ehrenamtliche Tätigkeit übernommen hat. In seinem Bekanntenkreis sagen sie, er habe schon in seiner Jugend als eines von zehn Kindern gelernt, sich durchzusetzen. Marc Lackritz, Professor an der Georgetown University, lobt die rasche Auffassungsgabe und die bemerkenswerte Entscheidungsfreudigkeit des 51-jährigen Australiers über den grünen Klee.

Lackritz weiß wovon er spricht; denn schließlich hat er mit Gorman eng bei der Fusion der beiden amerikanischen Wertpapierorganisationen Securities Industry Association (SIA) auf der einen und Bond Market Association (BMA) auf der anderen Seite kooperiert. Nachdem der Zusammenschluss der beiden Organisationen über viele lange Jahre hinweg immer wieder nur lebhaft diskutiert worden war, habe Gorman dann schließlich nicht lange gefackelt, sondern die entscheidenden Impulse für den Abschluss des Paktes geliefert.

Er hat auch gehandelt, als er im Jahr 2001 antrat, das Privatkundengeschäft von Morgan Stanley wieder auf Vordermann - sprich in die schwarzen Zahlen - zu bringen. Und dass er heute sagt, bei der Integration der von der Citigroup übernommenen Brokertochter Smith Barney sei man im Zeitplan voraus, spricht für die Macher-Fähigkeiten des „Finanz-Handwerkers“.
Die Krise überwinden
Bei jenen, die ihn zu kennen glauben, gilt er als Querdenker. Solche Leute brauchen sie beim Wall-Street-Haus Morgan Stanley, um die Auswirkungen der Finanzkrise zu überwinden. Der Verwaltungsrat jedenfalls ist davon überzeugt, mit James P. Gorman die beste Lösung an der Spitze des Investmentriesen gefunden zu haben. Sie haben ihm mit Wirkung vom 1. Januar 2010 die Rolle des Vorstandsvorsitzenden übertragen und ihn als Nachfolger von John Mack bestimmt. Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang als ein gutes Omen zu werten, dass der Name des Australiers und der Name der von ihm geführten Institution als Anagramm gesehen werden können. Denn in beiden Namen finden sich alle sechs Buchstaben wieder.

Im Hause Morgan Stanley messen die Mitarbeiter diesem bemerkenswerten Zustand indes keine allzu große Bedeutung bei. Hier stellt man sich heute vielmehr die Frage, ob es James Gorman in seiner neuen Aufgabe als CEO künftig gelingen wird, eine den Australiern seit vielen Jahrzehnten nachgesagte Mentalität zu pflegen und beim Wall-Street-Riesen nicht nur eine lockere, sondern vor allem auch eine von Optimismus gekennzeichnete Atmosphäre zu kreieren.

Einige Wall-Street-Beobachter zweifeln daran; denn die Sorgen der Investmentbanken-Szene in Wall Street sind vielfältig. Sie drücken sich nicht nur in finanziellen Altlasten von Instituten wie Goldman Sachs, JP Morgan, Morgan Stanley und Bank of America, sondern auch in einem Imageverlust der gesamten Branche in der breiten amerikanischen Bevölkerung aus.
Freund klarer Worte
Gorman weiß genau - da machen sich leichte und lockere australische Redensarten wie „no worries, mate“ eher schlecht. Und er weiß auch, dass die den Alltag auf dem Fünften Kontinent bestimmenden Worte „Hey kein Problem, Kumpel“ in diesen schwierigen Zeiten wohl kaum angebracht sein dürften. Er werde wohl schon den richtigen Ton finden, hoffen sie in der New Yorker Unternehmenszentrale am Times Square. In seinem Bekanntenkreis wird darauf hingewiesen, dass er inzwischen längst „mehr Amerikaner als Australier ist“. Der am 14. Juli 1958 in Melbourne geborene hat den Fünften Kontinent bereits vor langer Zeit verlassen. „Ich habe einen sehr direkten Weg, Dinge offen anzusprechen“, sagt Gorman selbst und fügt hinzu, dass diese Eigenschaft bei Gesprächspartnern manchmal als abrupt und kalt rüberkomme.

Und dennoch wird James Gorman in den zuletzt zahlreich abgehaltenen Konferenzen und in den noch zahlreicheren Einzelgesprächen im Hause Morgan Stanley nicht müde, die ur-australische These vom „alles wird gut“ in die Köpfe seiner Mitarbeiter zu hämmern. Dass er ein klarer und strukturierter Denker ist und seine Ansichten offen und transparent zu äußern versteht, hat der Jurist in seinen zahlreichen Führungspositionen nachgewiesen. Im Anschluss an seine Studien an der Universität in der australischen Metropole Melbourne mit Graduierten- und mit Bachelor-Abschluss hat er in den USA einen MBA-Grad an der Columbia Universität erworben. Am Anfang seiner beruflichen Karriere war er als Berater für McKinsey & Co tätig, wo er das Rüstzeug für das Finanzgeschäft erhielt.
Die Richtungs-Frage
Jetzt rätseln sie in der Wall Street darüber, welche Richtung Gorman für Morgan Stanley vorgeben wird. „Er ist kein Verkäufertyp“, sagen die einen. „Stimmt nicht“, tönt es von der anderen Seite; denn wie sonst habe er das Retail Broker Business innerhalb kurzer Zeit wieder auf Kurs bringen können. In New York erinnern sie sich noch sehr gut an jene Zeit, als dieser Bereich von Morgan Stanley unter Ertragsaspekten weit hinter der von Konkurrenten wie Goldman Sachs oder Merrill Lynch zurückgeblieben war. Gorman hat die Wende geschafft.

Dies auch deshalb, weil er das Brokergeschäft lange und intensiv kennt. Schließlich war auch seine Ehefrau Penny lange genug in diesem Bereich aktiv. Der Turnaround des Brokergeschäfts kostete zwar mehr als 500 Anlageberatern den Job, doch ist Morgan Stanley heute auf diesem Gebiet gut aufgestellt. Der Zukauf von Smith Barney zeigt, dass Gorman an die Zukunft des Private Brokerage glaubt. Schließlich hat er angekündigt, bis zum Jahr 2010 rund 2.000 neue Trainees für die Rolle des Kundenberaters ausbilden lassen zu wollen.

Gerade wegen seiner bisher starken Fokussierung auf den Privatkunden ist es für Gorman wichtig, die Zweifel von Analysten zu zerstreuen, die die Gefahr sehen, er könne möglicherweise die Top-Manager des institutionellen Geschäfts bei Morgan Stanley nicht hinter sich bringen. Und auch bei den Investmentbankern in der Morgan-Stanley-Zentrale weiß man noch nicht so recht, welche Rolle sie in den Zukunftsplanungen Gormans spielen. Wie wichtig es ist, diese Gruppe nicht zu verärgern, zeigt die von Selbstbewusstsein strotzende Aussage eines dieser Banker: „Wir sind schließlich die DNA der Wall Street!“

Und noch eine Frage beschäftigt die Angestellten von Morgan Stanley und die Wertpapier-Analysten in der Wall Street: Wird es Gorman schaffen, aus dem langen Schatten seines Vorgängers John Mack herauszutreten, der schließlich noch für zwei Jahre die Rolle des Chairman behalten wird. „Ich werde in den ersten sechs Monaten bei den Management-Sitzungen nicht anwesend sein, denn ich will nicht, dass sie erst auf mich und dann auf ihn schauen“, sagt Mack und fügt hinzu: „Sie sollen sich ausschließlich auf ihn konzentrieren“. Der Crocodile Dundee der Wall Street sieht sich mit einer riesigen Aufgabe konfrontiert: James Gorman übernehmen Sie!

Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 12/2009
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  • » Brainstorming: Der Sturm im Gehirn: Mit Brainstorming, dem Klassiker der Kreativitätstechniken, lösen Teams Probleme und sorgen für frische Ideen - auch wenn nicht alle Einfälle brauchbar sind. Tüftelrunde, Grübelplausch, Denkgewitter, Gedankenquirl - das sind nur einige der mehr als 10.000 Vorschläge, das englische Wort Brainstorming durch einen passenderen deutschen Begriff zu ersetzen.
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