Auch Nischen für Fachcommunitys
„Sag mir, wer deine Freunde sind, und ich sage Dir, wer du bist.“ Das traditionelle Sprichwort findet seine moderne Entsprechung im Internet der Generation 2.0, wenn Personalverantwortliche Informationen über Bewerber in so genannten sozialen Netzwerken recherchieren.
Nach Erkenntnissen der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers ist diese Vorgehensweise bei den Banken in Deutschland bislang zwar erst wenig verbreitet – im Unterschied zu Softwarefirmen oder Unternehmensberatungen –, wird aber an Bedeutung gewinnen. Das weltweit größte Personenverzeichnis mit rund 235 Mio Mitgliedern ist Myspace, ursprünglich für Musikbands geschaffen. Facebook, zunächst eine Community für Studenten amerikanischer Universitäten, hat fast so viele Nutzer wie Deutschland Einwohner (82 Mio), und das größte deutsche Netzwerk ist StudiVZ mit etwa acht Mio Personenprofilen, noch vor Xing (6 Mio). Wie ein Mikrokosmos nimmt sich dagegen Bankers- avenue aus, eine Community von Bankbeschäftigten für Finanzprofis, das Ende August ganze 811 Mitglieder hatte. Vor zwei Jahren entwickelte Emiliano Caradonna, Banker in Monaco, während einer Konferenz in London die Idee für das Portal. In diesen Tagen soll es speziell denjenigen eine „Rückzugsmöglichkeit und fachlich kompetenten Zuspruch bieten, die von den Entwicklungen an den Märkten gestresst sind“. Dazu sollten die Mitglieder allerdings nach Möglichkeit den Bereich meiden, der speziell die neuesten Entwicklungen der Subprime-Krise nachzeichnet, und sich eher in Blogs tummeln oder nach alternativen Jobmöglichkeiten Ausschau halten, beides Funktionen, die Bankersavenue ebenfalls bietet. Dass das Portal samt eines Überblicks über die weltweit wichtigsten Börsenindizes kostenlos ist, dürfte eine wesentliche Voraussetzung für die Steigerung der Mitgliederzahlen sein. Denn laut PWC sind die wenigsten Angehörigen einer virtuellen Gemeinschaft bereit, einen Mitgliedsbeitrag zu entrichten. Steigen könnten die Mitgliederzahlen vor allem dadurch, dass Unternehmen eigene Bereiche für ehemalige Mitarbeiter einrichten, wie dies auf Xing möglich ist. Die Arbeitgeber erfahren dadurch, welche Positionen ihre Alumni aktuell innehaben und können den ein oder anderen wieder an Bord holen und dabei Kosten für Stellenanzeigen oder Personalberater einsparen.

