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At the Top: Jan H. M. Hommen

Allrounder als Banker

Am 26. Januar 2009 berief der ING-Verwaltungsrat den innerhalb der Bank bereits seit Jahren aktiven Jan H. M. Hommen in den Executive Board. Kurz darauf wurde der gebürtige Niederländer dann zum Vorstandschef der ING Bank und zum Chairman des Management Board der ING Groep N.V. berufen. | Jonas Dowen

In den Niederlanden ist dieser Mann bekannt wie ein bunter Hund – rein sprichwörtlich natürlich nur. Kein Wunder: Denn als Chef des niederländischen Finanzriesen ING Groep N.V. ist Jan H. M. Hommen einen langen und beeindruckenden Karriereweg gegangen. Der abwechslungsreiche Berufsweg führte den heute bereits 68-jährigen Top-Manager in führende Unternehmen zahlreicher unterschiedlicher Branchen. Er hat zum Beispiel bei Philips, Reed Elsevier, Campina, Royal Ahold, TPG und TNT Post nicht nur eine Menge Erfahrung gesammelt, sondern auch Spuren hinterlassen – tiefe und positive Spuren. Doch nicht nur das: Am Anfang seiner Karriere von 1975 bis 1997 hat er – zuletzt als Finanzchef – beim führenden internationalen Rohstoffkonzern Alcoa die für einen Top-Manager notwendige internationale Erfahrung gesammelt.

Massive staatliche Finanzspritzen
Heute schwingt Hommen bei der ING Groep N.V. das Zepter. Die führende niederländische Finanzgruppe hat einen längeren Zeitraum auf der Intensivstation verbracht. Als Folge der großen Finanzkrise mussten massive staatliche Finanzspritzen verabreicht werden.

Dieser Fakt macht den Job für den Spitzenbanker nicht gerade einfacher. Denn schließlich steht der von ihm geführte Finanzriese unter besonderer Beobachtung der Politiker in Den Haag und der gesamten niederländischen Öffentlichkeit. Beim Herzstück des niederländischen Finanzwesens bieten mehr als 110.000 Mitarbeiter rund 85 Mio Kunden auf allen Erdteilen Dienstleistungen in den Bereichen Banking, Versicherungen, Portfolio-Investments und Altersvorsorge.

Für die Kontrollgremien des Konzerns war es klar, dass der, dem sie zutrauten, den ausgesprochen schwierigen Gesundungsprozess des gestrauchelten Unternehmens zu gestalten, über eine Menge Erfahrung verfügen müsse. Durchsetzungsvermögen und nicht zuletzt auch Akzeptanz in der Öffentlichkeit und bei den Mitarbeitern waren zwei weitere Kriterien, die sie an den Kandidaten auf der Spitzenposition der ING Groep N.V. gestellt haben. Wer sich – wie Jan Hommen – seine eigenen Fähigkeiten als Top-Manager im oben beschriebenen breiten und anspruchsvollen Spektrum unterschiedlicher Industriezweige angeeignet und sich im den eigenen Charakter prägenden Stahlbad internationaler Großkonzerne bewährt hat, der musste auch für diesen harten Job bestens geeignet sein.

Diese oder ähnliche Gedanken mögen die Entscheidung der Gremiums-Mitglieder des ING-Verwaltungsrats bestimmt haben, als sie den innerhalb der Bank bereits seit Jahren aktiven Jan H. M. Hommen am 26. Januar 2009 in den Executive Board des Finanzriesen beriefen. Auf der Jahreshauptversammlung im April des Jahres 2009 wurde der gebürtige Niederländer dann schließlich zum Vorstandschef der ING Bank und zum Chairman des Management Board der ING Groep N.V. berufen.

Reicher Erfahrungsschatz
Der Liebhaber klassischer, geistiger und damit anspruchsvoller Musik wurde in diesem Zusammenhang vom obersten Gremium des Finanzkonzerns mit weit reichenden Befugnissen und einer großen Machtfülle ausgestattet. Sie vertrauten Hommens nationaler und internationaler Erfahrung als Top-Manager und seinen betriebs- und volkswirtschaftlichen Kenntnissen, die er sich während seiner im Jahr 1970 mit dem akademischen Grad eines „Masters in Economics“ abgeschlossenen Studienzeit an der Catholic University of Brabant im niederländischen Tilburg angeeignet hatte.

Der am 29. April des Jahres 1943 in Hertogenbosch geborene Niederländer hat für seine „Aufräumungsarbeiten“ sowohl in der niederländischen Bevölkerung als auch im eigenen Hause vergleichsweise viel Unterstützung gefunden. In Internet-Foren geben sich einige Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter (meist anonym) jedoch eher kritisch. Gerade einmal 50 % der Teilnehmer des wohl kaum repräsentativen Internet-Meinungsbilds bewerten Hommens Arbeit positiv. Angeprangert wird von den Kritikern unter anderem, dass es dem ING-Management unter seiner Führung daran mangele, das „große Bild“ zu erkennen und die daraus abzuleitenden richtigen strategischen Entscheidungen zu treffen. Das Management stehe zu sehr unter dem Druck kurzfristiger Entscheidungs-Notwendigkeiten, wird beklagt. Es fehle zudem an einer „sinnvollen globalen Ausrichtung“, heißt es.

Rückkehr in die Gewinnzone
Auf die Kritik reagiert Hommen mit einer klar fokussierten strategischen Ausrichtung des weltweit bekannten und agierenden Finanzkonzerns. Das hat sich ausgezahlt, denn die jüngsten Zahlen zeigen, dass die ING Gruppe nicht nur die Intensivstation verlassen konnte, sondern auf einem deutlich erkennbaren Weg der Besserung ist. Zum ersten Mal innerhalb der vergangenen drei Jahre konnte die ING Gruppe wieder einen Gewinn ausweisen – und der fiel mit 3,22 Mrd € deutlich aus.

Bemerkenswert sind Hommens jüngste Aktivitäten, für die ihm viele eine Menge Respekt zollen. Diese würden zeigen, so hieß es in politischen Kreisen, dass er kein abgehobener Banker ist. Er übernimmt eine Menge Verantwortung und reiht sich mitten in das gesellschaftliche Leben seiner niederländischen Landsleute ein. Er hat im Hinblick auf die zunächst geplanten Bonuszahlungen für ING-Mitarbeiter in Höhe von 500 Mio € zuletzt einen Rückzieher gemacht. Doch nicht nur das: Auch eine geplante zweiprozentige Anhebung der Vergütung für Aufsichtsratsmitglieder wurde gestrichen.

Was aber war geschehen? Der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager hatte sich verärgert und „unzufrieden“ über die Ankündigung der geplanten Bonuszahlungen gezeigt. Und auch der niederländische Notenbankchef Nout Wellink sprach von einer „voreiligen“ Entscheidung. Obwohl Jan Hommen noch im Februar erklärt hatte, für den Umbau des Finanzkonzerns die „richtigen Leute“ zu benötigen (diese seien aber nicht zuletzt durch hohe Bonuszahlungen zu halten oder anzulocken), nahm er nach der harschen politischen Kritik an den geplanten Boni rasch eine Kehrtwende vor.

Jan Hommen verkündete nämlich öffentlich, man habe die Reaktion der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit den angekündigten Bonusleistungen wohl unterschätzt. Das sofortige Einlenken in dieser emotionalen Frage hat ihm eine Menge Respekt eingebracht – auch beim Notenbankchef und beim Finanzminister.

Trennung von Auslandsaktivitäten
Sowohl am Amstelveenseweg der niederländischen Finanzmetropole Amsterdam – dem Amtssitz der ING Groep N.V. – als auch in Regierungskreisen in Den Haag begrüßten die meisten Experten die jüngsten strategischen Entscheidungen der ING-Spitze. So hat die Finanzgruppe unter Führung von Hommen in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche internationale Aktivitäten aufgegeben. So wurde die ING Canada ebenso verkauft wie das Hypothekengeschäft in Chile und Geschäftszweige in Argentinien. Das Versicherungsgeschäft in Australien und Neuseeland und das Private Banking in der Schweiz und in Asien zählen heute ebenfalls nicht mehr zum Finanzkonzern. Gleiches gilt für das Rückversicherungsgeschäft in den USA und für drei Brokerhäuser in den USA. Durch den Verkauf dieser ehemaligen Aktivitäten hat die ING Groep mehr als 4 Mrd € in die Kassen bekommen.

Diese geschäftspolitischen Weichenstellungen haben Hommen geholfen, die Abhängigkeit von Staatshilfen zu reduzieren. Denn der Finanzkonzern hat inzwischen die Hälfte der im Jahr 2008 insgesamt erhaltenen Staatshilfe von 10 Mrd € zurückgezahlt. Bis Mai 2012 soll auch der Rest wieder in die niederländischen Staatskassen fließen. „Dies ist eines unserer wichtigsten strategischen Ziele“, sagt Jan Hommen. Darüber hinaus zielt seine Strategie auf eine klarere Trennung des Versicherungs- und Bankgeschäfts und in diesem Zusammenhang dann auch auf den Verkauf weiterer Vermögenswerte. „Wir wollen zwei starke Gesellschaften kreieren: Die ING Bank und die ING Versicherung“, steckt Hommen die Ziele ab.

Die Versicherungssparte soll im Rahmen von zwei IPOs ausgegliedert werden. „In Abhängigkeit von den Marktverhältnissen wollen wir unsere Versicherungstöchter in Europa und in den USA an die Börsen bringen“, sagt Hommen, der diesen strategischen Schritt im Jahr 2012 abgeschlossen haben will. Auch eine Ausgliederung der US-Banktochter strebt Hommen in diesem Kontext an. Danach wird sich der bereits im Jahr 1743 gegründete Finanzkonzern – finanzielles Herzstück der Niederlande – wieder stärker auf seine Wurzeln besinnen und aus eigener Kraft wachsen können.

Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 06/2011
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  • » Brainstorming: Der Sturm im Gehirn: Mit Brainstorming, dem Klassiker der Kreativitätstechniken, lösen Teams Probleme und sorgen für frische Ideen - auch wenn nicht alle Einfälle brauchbar sind. Tüftelrunde, Grübelplausch, Denkgewitter, Gedankenquirl - das sind nur einige der mehr als 10.000 Vorschläge, das englische Wort Brainstorming durch einen passenderen deutschen Begriff zu ersetzen.
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