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Migranten-Überweisungen in die Heimat

Wirtschaftsfaktor für Entwicklungsländer

Remittances – also der Teil des Einkommens, den Migranten in Form von Geld oder Sachgütern vor allem zur Unterstützung ihrer Familien ins Heimatland schicken – sind für die Dritte Welt segensreich. Rund 70 % der globalen Remittances gehen in Entwicklungsländer. Die Überweisungen von Migranten übersteigen die offizielle Entwicklungshilfe mindestens um das Doppelte.

Die globale Wirtschaftskrise trifft die Dritte Welt in einer ohnehin extrem schwierigen Lage. Ausländische Kreditgeber des Privatsektors meiden hoch verschuldete Entwicklungsländer, und vielen dieser Staaten fehlen eigene Ressourcen, um einem weiteren Anstieg der Armut entgegenzuwirken. So verzeichnen 94 von 116 Entwicklungsländern einen Rückgang des Wirtschaftswachstums. Besonders hart trifft es jene Gruppe von 43 Ländern, die sich bereits an der äußersten Armutsgrenze bewegen.1

Hohe Preise für Lebensmittel, die gerade in Entwicklungsländern einen großen Anteil am Konsum ausmachen, destabilisieren die Ernährungsgrundlagen.2 Eine segensreiche Rolle spielen angesichts dieser dramatischen Situation Geldüberweisungen von Landsleuten, die im Ausland leben. Derartige Transfers stellen für Entwicklungsländer den bedeutendsten Kapitalzufluss dar.

Bedeutende Einkommensquelle

Als Bezeichnung für den Teil des Einkommens, den Migranten in Form von Geld oder Sachgütern vor allem zur Unterstützung ihrer Familien ins Heimatland schicken, hat sich der Anglizismus „Remittances“ etabliert. Gemessen an der Weltbevölkerung so der „Economist“, profitiert heute schätzungsweise jeder Zehnte von solchen Transfers.3 Die von der Weltbank erfassten Überweisungen werden für das Jahr 2008 auf 283 Mrd US-$ prognostiziert. Die Transfers über informelle Wege (Mitnahme von Bargeld auf Reisen in die Heimat) liegen Schätzungen zufolge weit über den offiziell ermittelten Beträgen. Remittances stellen heute für viele Menschen eine bedeutende Einkommensquelle dar und machen in vielen Staaten einen hohen Anteil am BIP aus. Die Länder mit den höchsten Quoten (2007):4

  • Tadschikistan:  45,5 %
  • Republik Moldau: 38,3 %
  • Tonga: 35,1 %
  • Lesotho: 28,7 %
  • Honduras: 24,5 %


Rund 70 % der globalen Remittances gehen in Entwicklungsländer – damit übersteigen Überweisungen von Migranten in ihre Heimatländer die offizielle Entwicklungshilfe mindestens um das Doppelte. Die höchsten Summen gingen im weltweiten Vergleich 2008 nach:5

  • Indien: 30,0 Mrd US-$
  • China: 27,0 Mrd US-$
  • Mexiko: 23,8 Mrd US-$
  • Philippinen: 18,7 Mrd US-$


Im Jahr 2006 betrugen die Transfers, die Migranten von Deutschland aus initiierten, über 12,3 Mrd US-$. Im internationalen Ranking belegt die Bundesrepublik damit Platz vier der größten Remittance- Märkte.6

Der deutsche Remittances-Markt
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) haben die Schlüsseldaten für Deutschland untersucht:7
Alter: Bis zu 54 Jahren bei Migranten bzw. 49 Jahren bei Ausländern steigen Remittances mit dem Alter an, danach nehmen sie ab.
Familienstand: Verheiratete überweisen höhere Beträge als Unverheiratete.
Geschlecht: Männer überweisen mehr als Frauen.
Ausbildung: Kongruent zur Dauer der Ausbildung steigt auch die Höhe der Remittances.
Erwerbstätigkeit: Eine Erwerbstätigkeit wirkt sich natürlich positiv auf die Höhe der Remittances aus. Die Beträge sind erst bei hohen Netto-Haushaltseinkommen signifikant größer als in den anderen Einkommensklassen.
Haushaltsgröße: Je größer der Haushalt, desto geringer die Höhe der Remittances. Aufenthaltsdauer: Je länger Migranten in Deutschland bleiben, desto geringer werden die Zahlungen, denn dann wird das Geld in Deutschland investiert, zum Beispiel für ein Eigenheim.

Research International hat untersucht, wie, warum, wem und zu welchen religiösen Anlässen Migranten in Deutschland Remittances tätigen:
 

  • Wie: 64 % per Bargeldversand; 23 % von Konto zu Konto;
  • Warum: 60 % als regelmäßige Unterstützung, 59 % zu besonderen Anlässen, 49 % zu Geburtstagen, 37 % in Notfällen (Mehrfachnennungen);
  • Wem: 66 % Eltern, 40 % Geschwister, 25 % Großeltern, 13 % Freunden (Mehrfachnennungen);
  • Zu religiösen Anlässen: 26 % der Christen, 10 % der Orthodoxen, 9 % der Muslime, 4 % der Buddhisten verschicken zu religiösen Festen Geld.


Die Wege des Geldes
Migranten wählen verschiedene Wege, um ihr Geld nach Hause zu schicken. Um informelle Transfers handelt es sich, wenn eine Person selbst Bargeld über die Grenze bringt oder Familie bzw. Freunde den Transport übernehmen. Formelle Transfers erfolgen über Banken, Wechselstuben oder Geldtransferinstitute. Weltweit führender Anbieter von internationalen Geldtransfers ist die Western Union Company. Gemeinsam mit Orlandi Valuta und Vigo bietet der Finanzdienstleister Konsumenten die Möglichkeit, Geld rund um den Globus zu transferieren, Rechnungen zu bezahlen und Zahlungsanweisungen zu erwerben. Das Unternehmen verfügt über ein Netzwerk von etwa 375.000 Vertriebsstandorten in über 200 Ländern und Territorien.

In Deutschland adressiert Western Union etwa 55 Nationalitäten in fast 25 Sprachen. Weil jede ethnische Community unterschiedliche Merkmale aufweist, entwickelt der Finanzdienstleister für jede Immigrantengruppe individuelle, lokale Strategien zur Kundenansprache (ethnospezifisches Marketing) und bietet verschiedene Möglichkeiten für Geldtransfers an:

  • Bargeldtansfer vom jeweiligen Vertriebsstandort,
  • Onlinetransfer über www.westernunion. de per Visa oder Mastercard-Kreditkarte,
  • Geldtransfer vom Girokonto über den Vertriebspartner Postbank,
  • in einigen Ländern besteht außerdem die Möglichkeit, Geld per Mobile Money Transfer über das Mobiltelefon zu transferieren.8


Das transferierte Geld steht dem Empfänger innerhalb weniger Minuten weltweit bar zur Auszahlung zur Verfügung.9 Claus Jousten, Deutschland-Geschäftsführer von Western Union: „Migranten-Transfers gewinnen aufgrund ihres enormen Wachstums eine immer größere entwicklungspolitische Bedeutung. Für viele Menschen sind Remittances die Haupteinnahmequelle und gerade heute oft überlebenswichtig.“


 

1 Worldbank Report 8.März 2009, http://go.worldbank. org/U05NMJJNZ0.
2 Welt Online „Steigende Preise so schlimm wie Finanzkrise“, http://www.welt.de/wirtschaft/ article1891053/Steigende_Preise_so_schlimm_wie_Finanzkrise. html.
3 NZZ Folio „Der Globale Geldbote“, http://www.nzzfolio. ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/ showarticle/35dacf30-c926-4e2f-afd0-201227603557. aspx.
4 Welt Bank „Migration and Development: Brief 8“, http://siteresources.worldbank.org/INTPROSPECTS/ Resources/334934-1110315015165/MD_Brief8.pdf.
5 Welt Bank „Migration and Remittances: Top 10“, http:// siteresources.worldbank.org/INTPROSPECTS/ Resources/334934-1199807908806/Top10.pdf.
6 Welt Bank Report „Global Economic Prospects 2009“, http://siteresources.worldbank.org/INTGEP2009/ Resources/5530448-1238466339289/GEP-Update-March30. pdf.
7 German Institute of Economics and the Social-economical Panel (SOEP), http://www.diw.de/english/soep_ overview/33899.html, Research International 2007, 2008.
8 In Deutschland wird dieser Service nicht angeboten.
9 Zahlungen unterliegen den Öffnungszeiten lokaler Vertriebsstandorte, unterschiedlichen Zeitzonen und den geltenden Vorschriften.
Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 10/2009
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Stichwort
  • » Geldvermögen wieder im Aufwärtstrend: Das Bruttogeldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland ist im abgelaufenen Jahr 2009 nach Schätzungen von Allianz Global Investors auf 4,64 Billionen € gewachsen. Damit liegt das Bruttogeldvermögen Ende 2009 um 4,4 % höher als im Jahr 2008, in dem es auf 4,45 Billionen € gesunken war.
Buchtipp
  • » Handbuch Automobilbanken: Die Autobanken haben sich in den letzten Jahren außerordentlich gut entwickelt. Sie stehen aber vor neuen Herausforderungen, wie etwa immer komplexeren Produkten und damit einhergehend höherem Kommunikationsbedarf. Vor diesem Hintergrund beleuchtet Frank Stenner – ehemaliger Geschäftsführer der BMW Bank – zusammen mit Gastautoren aus der Finanz- und Automobilbranche die Grundstrukturen des Automobilbankengeschäfts.

 

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