Schnellkraft oder Ausdauer?
Die Finanzkrise geht in ihr viertes Jahr. Während intensiv um bessere Regulierung für Banken gerungen wird, vieles aber komplexer ist als erwartet und zugleich mit der ausufernden Staatsverschuldung einiger Länder neues Unheil für die Finanzmärkte droht, muss das Geschäft weitergehen, müssen Banken Geld verdienen und sich im globalen Wettbewerb gegeneinander behaupten. Wie gut gelingt ihnen das? Wie hat sich die Branche im Krisenjahr 2009 geschlagen? Hat sie erkennbar aus Fehlern gelernt? Wieder anziehende Erträge deuten darauf hin, dass die Schnellkraft vielfach wiederhergestellt ist – aber steht dahinter auch schon eine bessere Kondition? Ein Blick auf die diesjährige Analyse des britischen Magazins „The Banker“. | Dirk Franke
Es gibt Krisen, die sich eindeutig durch einen Wendepunkt markieren lassen, von dem an es nur noch aufwärts geht. Und es gibt Krisen, aus denen man sich mühsam herausarbeiten muss, die man nur allmählich hinter sich lässt, bei denen man lange nicht weiß, ob nun das Schlimmste überstanden ist oder doch noch nicht. Die Finanzkrise, die spätestens im Jahresverlauf 2007 zu einer bewussten Krise wurde und deren Ende noch immer nicht sicher erreicht ist, ist eine Krise der zweiten Art, eine komplexe Krise mit vielen Facetten – das ist wohl auch der Grund, warum sich bis heute kein griffiger Name für sie hat finden lassen.
Zweifellos haben Banken und Regulierer längst eine Reihe wichtiger und richtiger Konsequenzen aus der Krise gezogen, haben Politik und Zentralbanken erfolgreiches Krisenmanagement bewiesen. Und doch ist die „Warnung vor der Entwarnung“ allenthalben die Devise und bleibt die Lage an den Märkten angespannt. So diffus also nach wie vor das Bild, so groß ist die Unsicherheit, in der Banken arbeiten.
Die Ertragskraft steigt …
Dass sie unter diesen Umständen respektabel arbeiten, zeigt eine erste, wichtige Zahl, und sie ist eine gute Nachricht: Die aggregierten Gewinne der 1.000 kapitalstärksten Banken der Welt sind, nachdem sie 2008 um 15 % auf nur noch 115 Mrd US-$ eingebrochen waren, im vergangenen Jahr um 249 % auf 401 Mrd US-$ gewachsen (GRAFIK 1). Ein Wert, der – natürlich – noch weit hinter den Boomjahren 2005 bis 2006 und dem Noch-Boomjahr 2007 zurückbleibt, mit dem aber immerhin das Niveau des Jahres 2003 erreicht ist.
Eine gute Nachricht ist auch: Die Profitabilität wächst auf deutlich festerem Grund als vor und in der Krise. So hat das zusammengefasste Kernkapital der Top 1.000 – in der Definition der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – nach einem Anstieg um knapp 10 % auf 4,3 Bio US-$ im Jahr 2008 abermals kräftig zugenommen: um weitere 15 % auf jetzt 4,9 Bio US-$.
… bei reduzierten Bilanzsummen
Im Zuge der Rekapitalisierung haben die Banken auf breiter Front ihre Bilanzsummen konsolidiert: Das aggregierte Gesamtvermögen der Top 1.000 liegt nun um knapp 1 % unter dem Vorjahreswert bei 95,5 Bio US-$ – im Geschäftsjahr 2008 war es noch um fast 7 % gewachsen. Die Capital to Assets Ratio (CAR) erreicht damit, nach 4,4 % im vergangenen Jahr, gesündere 5,1 %. Für die Gruppe der 25 kapitalstärksten Banken an der Spitze der Weltrangliste (GRAFIK 2) liegt dieser Indikator sogar noch deutlich höher, und er verbessert sich von 12,9 auf 15,5 %. Die Top 25 tragen dabei 19,1 Mrd US-$ zum aggregierten Gewinn der Top 1.000 bei – nachdem sie 2008 per Saldo noch 32,4 Mrd US-$ verloren hatten.
Schon rein statistisch, vor allem aber ökonomisch ergibt sich aus dieser Konstellation, dass die Kapitalrendite nach dem desaströsen Wert von 2,69 % im Jahr 2008 auf nunmehr 8,16 % gestiegen ist, dieser Zuwachs aber nicht so kräftig ausfällt wie das Plus beim Kernkapital (zum Vergleich: 2007 lag dieser Wert noch bei 20 %). Mit anderen Worten: Die Finanzbranche steigert ihre Profitabilität, aber dies nicht auf Kosten, sondern auf der Basis einer deutlich breiteren Kapitalausstattung. Umgekehrt erhöht sich der Return on Assets von 0,12 % (2008) auf aktuell 0,42 %.
Wie schlägt sich diese Entwicklung in der Spitzengruppe der Finanzbranche nieder?
Gemessen am Kernkapital, ist die Bank of America (zuvor Platz 2) die neue Nummer eins der Weltrangliste (GRAFIK 2). Mit einem Kapital von 160,4 Mrd US-$ – ein Plus von einem Drittel – verweist sie die alte Nummer eins, JP Morgan Chase, mit deutlichem Abstand auf den zweiten Platz. Dafür glänzt dieses Haus mit einer fulminanten Gewinnsteigerung (+245 %), so wie dies auch für die BNP Paribas (+124 %) auf Rang 8 und Barclays (+113 %) auf Rang 10 gilt. Eindrucksvoll in die Gewinnzone zurückgekehrt sind auch die Deutsche Bank (Platz 20) und Credit Suisse, die es mit Platz 31 allerdings nicht unter die Top 25 schafft. Den dritten Platz im Ranking nach Kernkapital belegt die Citigroup, gefolgt von den britischen Konkurrenten Royal Bank of Scotland und HSBC.
Kaum Bewegung an der Spitze
Doch so dynamisch die Ertragsentwicklung, so unauffällig sind im Übrigen die Veränderungen im Spitzenfeld der Weltrangliste. Abgesehen vom Tausch der Plätze eins und zwei herrscht bis Rang sechs völlige Stabilität. Und alle diese sechs Plätze belegen US-amerikanische und britische Banken – das muss vor dem Hintergrund einer noch nicht ausgestandenen Finanzmarktkrise, deren Epizentrum in der angloamerikanischen Bankenwelt liegt, überraschen.
Trotzdem hinterlässt die Krise Spuren im Ranking: Die – auch das bemerkenswert – einzigen beiden Neulinge in den Top 25 sind die britische Lloyds Banking Group auf Platz 12 und der aus den französischen Sparkassen und Genossenschaftsbanken hervorgegangene neue Finanzkonzern BPCE (Groupe Banques Populaires et Caisses d’Epargne) auf Platz 18. Die Lloyds Banking Group ist aus der krisenbedingten Fusion von Lloyds (zuvor Rang 48) und HBOS (zuvor Rang 32) entstanden, die Groupe BPCE aus der Groupe Banques Populaires (zuvor 35) und der Groupe Caisses d’ Epargne (zuvor 63).
Ausgeschieden aus den Top 25 ist die japanische Mizuho Financial Group, die nach einem Kapitaleinbruch um 12,5 % nach Rang 16 im Vorjahr nur noch Platz 26 erreicht. Nicht mehr dabei ist ebenso die Agricultural Bank of China, die von Rang 24 auf 28 abgerutscht ist. Generell jedoch präsentieren sich die chinesischen Banken als weiter gestärkt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Top 1.000 ist eine Bank aus China, die Industrial and Commercial Bank of China, die kapitalstärkste Bank des asiatischen Kontinents.
Bisher war dies immer ein japanisches Institut – ein Symptom dafür, welchen Weg China und welchen Japan in der Finanzwelt der Zukunft nehmen könnten. Und so kommen die japanischen Häuser in den Top 1.000, die 2008 noch einen aggregierten Gewinn von 16,5 Mrd US-$ erwirtschafteten, im Geschäftsjahr 2009 auf einen Verlust von 11,1 Mrd US-$. Auch darin zeigt sich: Der Stern Japans am Himmel der Bankenwelt sinkt.
Britische und US-Banken sind zurück …
Sechs US-amerikanische Banken in den Top 25 und vier in den Top 10, vier britische Häuser in den Top 25 und drei in den Top 10 – dieses Bild hätte mancher am Ende des ersten Geschäftsjahrs der Post- Lehman-Ära nicht unbedingt erwartet (GRAFIK 2). Das Feld der Top 25 komplettieren vier französische, drei chinesische, je zwei italienische, niederländische und japanische Adressen sowie je ein spanisches und ein deutsches Haus.
Hatten alle Top-1.000-Banken aus den USA im Geschäftsjahr 2008 zusammen noch einen Verlust von 91 Mrd US-$ zu beklagen, jene aus Großbritannien ein Minus von 51 Mrd US-$ und alle EU-Banken von 16 Mrd US-$, so sind daraus im Jahr 2009 Gewinne von 37,5, von 29,5 und von 103,8 Mrd US-$ geworden. Und hatte China allein, per se eher gestärkt als geschwächt, 2008 noch nahezu unglaubliche drei Viertel zum Gesamtgewinn aller 1.000 führenden Banken beigesteuert, so ist dieser Beitrag im abgelaufenen Jahr auf „nur“ noch ein Viertel zusammengeschmolzen. Die Experten des „Banker“ kommentieren dies mit dem gewohnten britischen Sarkasmus: „Die Nachricht vom Tod des westlichen Bankensektors erweist sich als reichlich übertrieben.“
… aber China legt auch weiter zu
Den Erfolg des Bankenmarktes China mag das, bei relativer Betrachtung, scheinbar schmälern. Absolut gesehen, bleibt dieser Erfolg eindrucksvoll: Zur Liga der 1.000 führenden Banken der Welt zählen inzwischen 84 chinesische Institute – vor einem Jahr waren es erst 52. Jeder dritte Neuling in den Top 1.000 – 37 von 115 – ist ein Haus aus dem Reich der Mitte. Mit all dem geht ein Zuwachs des Gesamtvermögens der Banken aus China in den Top 1.000 um 27 % einher. Ihre CAR liegt bei 6,5 % gegenüber 5,1 % im Mittel der Top 1.000, ihr durchschnittlicher Anteil notleidender Kredite (NPL Ratio) wird mit nur 1,54 % ausgewiesen, jedoch sind diese beiden letztgenannten Werte mit Vorsicht zu beurteilen. Denn zum einen bergen die Daten von Banken aus Entwicklungs- und Schwellenländern generell eine größere statistische Unsicherheit, weil von verminderter Datentransparenz auszugehen ist, und zum anderen sind die ökonomischen Risiken in diesen Ländern auch durchweg andere.
Trotz allem: Mit China – als neue, feste und wachsende Größe der Finanzwelt – ist endgültig zu rechnen. Seine Banken sind ausgesprochen ertragskräftig (vgl. auch den Beitrag S. 8ff. dieser Ausgabe). Fünf der 25 gewinnstärksten Banken der Welt kommen aus China; aus keinem anderen Land schaffen es so viele Häuser hier in die Top 25. Wie schon im Vorjahr steht dabei die Industrial and Commercial Bank of China, jetzt mit einem Gewinn vor Steuern von 24,5 Mrd US-$, an der Spitze, gefolgt von der China Construction Bank. Auch die Bank of China findet sich noch unter den Top 10.
Gewissermaßen zwangsläufig wächst damit auch der Einfluss des Bankenmarktes China innerhalb Asiens. Erstmals halten chinesische Banken mit 51,2 % mehr als die Hälfte des gesamten Kernkapitals aller asiatischen Häuser in den Top 1.000. China beherrscht also mehr als 50 % des asiatischen Bankenmarktes.
So stark und aufstrebend seine Banken sind, so vielversprechend ist das ökonomische Potenzial Chinas insgesamt: „Chinas Relevanz für die weltweiten Finanzmärkte folgt aus seiner schieren Größe“, ist Dirk Schumacher, Deutschland-Chefvolkswirt bei Goldman Sachs in Frankfurt, überzeugt. „Es zieht derzeit an der bislang weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft Japan vorbei und wird nach unseren Schätzungen um das Jahr 2030 auch die USA überholen und damit der größte Spieler am Markt sein.“
Europa behauptet sich
Wenn also US-amerikanische Banken wieder Tritt fassen und China seinen Aufstieg fortsetzt, was bleibt dann für Europa? Ist der Kuchen des globalen Bankenmarktes damit nicht schon verteilt? Nein, er ist es nicht. Europa behauptet sich einmal mehr als größter Bankenmarkt der Welt: Die 278 westeuropäischen Banken unter den Top 1.000 halten knapp 40 % des Kernkapitals und vereinen annähernd die Hälfte der Bilanzsumme auf sich (GRAFIK 3). Der Schönheitsfehler ist nur: Mit 26 % des Gesamtgewinns erwirtschaften sie kaum mehr als die chinesischen Banken (GRAFIK 4).
Herausragendes Merkmal der europäischen Banken ist ihre Größe – im Ranking nach der Bilanzsumme geben sie nach wie vor den Ton an. Alle fünf Spitzenplätze werden dort von französischen und britischen Banken gehalten, gefolgt von der Bank of America auf Platz 6 (im Vorjahr noch Rang 12) und der Deutschen Bank auf Platz 7 (im Vorjahr noch Rang 2). Neuer Spitzenreiter ist die BNP Paribas, die nach Übernahme der Fortis-Gruppe ihr Kernkapital um 55,8 % gesteigert hat und der eine magere Ausweitung ihrer Bilanzsumme um nur 2,6 % reicht, um alle anderen Banken der Welt in dieser Hinsicht auf die Plätze zu verweisen (GRAFIK 3).
Commerzbank zurück in den Top 25
Viele Banken haben unterdessen ihre Bilanzen verkürzt und in großem Stil Deleveraging betrieben. Von den Top 25 aus Westeuropa beenden elf Banken das Geschäftsjahr 2009 mit einer geringeren Bilanzsumme als das Vorjahr – am deutlichsten sichtbar ist dies bei der UBS (minus 31 %) und der Deutschen Bank (minus 29 %). Andererseits schafft nun mit der Commerzbank, anders als 2008, wieder ein zweites deutsches Institut den Sprung in die Top 25 nach der Bilanzsumme.
Kapitalstärkung und Bilanzverkürzung – dieser Trend in vielen Banken in Europa führt dazu, dass die durchschnittliche CAR der europäischen Top 25 sich von 2,92 % um fast einen gesamten Prozentpunkt auf 3,87 % verbessert. Noch eindrucksvoller ist die Steigerung der Ertragskraft dieser Häuser: Aus einem aggregierten Verlust von 62,0 Mrd US-$ im Vorjahr haben sie einen Gewinn von 98,0 Mrd US-$ gemacht.
Um aber dem Eindruck vorzubeugen, das Bild sei durchweg rosig: Der Return on Assets der Top 25 in Europa bleibt mit durchschnittlich gerade einmal 0,29 % sehr niedrig; sieben (im Vorjahr zehn) der 25 Banken haben weiter Verluste ausgewiesen; und mit 8 % verharrt auch die Kapitalrendite auf unbefriedigendem Niveau. Der „Banker“ zieht den Schluss: „Die europäischen Banken sind stärker geworden, aber ihre Erholung wird weitergehen müssen.“
Quo vadis Mittel- und Osteuropa?
Eine Region, auf der in der Finanzwelt vor der Krise einige Hoffnung ruhte, ist Mittel- und Osteuropa, das sich, befreit aus den Fesseln des kalten Krieges, aufgemacht hatte, zu einem der dynamischsten Wirtschaftsräume der Welt zu werden. Was ist von dieser Perspektive geblieben? Kurzfristig jedenfalls kann man sich – leider – nicht des Eindrucks erwehren, als habe der Prozess der Privatisierung und Liberalisierung des Finanzmarktes sich mit der Krise geradezu in sein Gegenteil verkehrt, jedenfalls einen herben Rückschlag erlitten.
Die ungarische OTP Bank, das größte private Institut in Mittel- und Osteuropa, rutscht vom dritten auf den fünften Platz der regionalen Top 25 ab; ebenso ergeht es zahlreichen anderen Banken in Privatbesitz. Alle neu in den Kreis der Top 25 einziehenden Häuser sind Staatsbanken, unter ihnen die Oschadbank und die Ukreximbank, beide aus der Ukraine. Damit ist fast jede zweite Bank in diesem regionalen Spitzenfeld (12 von 25) eine Staatsbank, im Vorjahr war es nicht einmal jede dritte.
Bankenmarkt Deutschland: Licht und Schatten
Wie präsentiert sich nun Deutschland im Gefüge der globalen Finanzbranche? Der Blick auf das Spitzenfeld der Top 1.000 zeigt eine Deutsche Bank, die sich ertragsstark und mit deutlich gesteigertem Kernkapital im Kreis der Top 25 behauptet, und eine Commerzbank, die die Spitzengruppe nach Kernkapital mit Platz 27 (42,5 Mrd US-$) nur knapp verfehlt. Außerhalb des eigentlichen Ranking, da zur UniCredit Group gehörig, folgt die HypoVereinsbank als Nummer drei im Bund der kapitalstärksten deutschen Banken, gefolgt von der Landesbank Baden-Württemberg (Platz 53 der Welt), der Bayerischen Landesbank (54), der DZ Bank (75), der HSH Nordbank (85) und der NordLB (92).
Insgesamt schaffen es 72 Institute aus Deutschland – von der Deutschen Bank bis zur Mainzer Volksbank – unter die Top 1.000. Doch nur neun von ihnen haben ein Kernkapital von mehr als 10 Mrd US-$, während andererseits 38, also mehr als die Hälfte, hier auf weniger als 1 Mrd US-$ kommen. Zum Vergleich: Aus Frankreich stammen insgesamt nur neun der 1.000 kapitalstärksten Banken der Welt, aber sechs von ihnen bringen es auf ein Kernkapital von über 6 Mrd US-$ – auch dies abermals ein deutliches Indiz für die anhaltende Kleinteiligkeit, ja Zersplitterung des deutschen Bankenmarktes.
Dass die Vielzahl von Klein- und Kleinstinstitute in Deutschland einer Konsolidierung des Marktes entgegensteht, zeigt auch der Blick auf die 25 kapitalstärksten Banken in Westeuropa: Mit der Deutschen Bank und der Commerzbank schaffen es zwei deutsche Banken in das Feld der Top 25 – aus Großbritannien und Frankreich sind es aber jeweils fünf. Noch deutlicher wird das Bild, wenn man die Größe der Institute betrachtet: Die fünf britischen Häuser tragen zusammen ein Drittel (428,1 Mrd US-$) zum aggregierten Kernkapital der Top 25 in Westeuropa (1.334,1 Mrd US-$) bei, die fünf französischen immerhin noch einmal fast ein Viertel (309,9 Mrd US-$).
Und die beiden deutschen Institute? Sie kommen zusammen auf 92,1 Mrd $ – das sind noch nicht einmal 7 % des Kernkapitals der Top 25 in Westeuropa. Dies ist ein bescheidener Wert, in doppelter Hinsicht: Bescheiden, weil der deutsche Beitrag damit nicht nur hinter dem britischen und dem französischen, sondern auch noch hinter dem spanischen, italienischen und niederländischen Beitrag zu den Top 25 Westeuropa rangiert. Bescheiden aber schlichtweg auch gemessen an der Größe und Bedeutung der deutschen Volkswirtschaft in Europa.
Das Karussell dreht sich
Weitet man den Blick und schaut man zurück auf die zurückliegenden vier Jahrzehnte der Bankengeschichte, so erkennt man durchaus einige Bewegung. Waren die Top 10 der Finanzwelt 1970 nahezu komplett in US-amerikanischer und britischer Hand, so hatten sich bis 1980 europäische Banken an die Spitze geschoben, um bis 1990 das Heft an japanische Häuser abzugeben. 2000 war das Bild an der Spitze recht gemischt, und aktuell schlägt das Pendel wieder in Richtung der angloamerikanischen Banken aus.
Auch dies mag ein Indiz dafür sein, dass das Bankenjahr 2009 weltweit nicht mehr, wie 2008, ganz „im Zeichen der Krise“ (vgl. die bank 10/2009, S. 20ff.) stand, aber gewiss stand es noch immer zum Teil im Zeichen der Krise. Positive Tendenzen bei aggregierten Daten, Fortschritte gegenüber dem desaströsen Jahr 2008 und Erträge, die auch durch einen erstaunlich stark florierenden Aktienmarkt getragen sind, können und sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lage volatil bleibt. Deswegen muss die Devise der Bankenwelt lauten: Schnellkraft ist gut, aber Ausdauer, also nachhaltige Profitabilität bei stabilen Märkten, ist nicht nur besser, sondern unverzichtbar.
Kompakt
Gewinne und Ertragskraft: Die 1.000 kapitalstärksten Banken der Welt konnten ihre Gewinne im Geschäftsjahr 2009 auf 401 Mrd US-$ mehr als verdreifachen. Zwei chinesische Banken fahren die größten Einzelgewinne ein.
Kapitalstärke und Bilanzsummen: Die Profitabilität wächst auf breiterer Kapitalbasis. Das Kernkapital der Top 1.000 steigt um rund ein Siebtel auf 4,9 Bio US-$. In Verbindung mit einer gesunkenen aggregierten Bilanzsumme steigt die durchschnittliche Capital to Assets Ratio auf 5,1 %; an der Weltspitze werden 15,5 % erreicht.
Spitzenreiter: Die kapitalstärkste Bank der Welt ist die Bank of America, nach Bilanzsumme führt die BNP Paribas und nach Gewinnen die Industrial and Commercial Bank of China.
Globale Bankenmärkte: China legt weiter an Gewicht im Konzert der globalen Bankenmärktezu, die USA zeigen sich einstweilen erholt, und Europa behauptet seine Stellung als größter Bankenmarkt der Welt. Relativ an Bedeutung verlieren Japan, Mittel- und Osteuropa sowie Entwicklungs- und Schwellenländer aus anderen Regionen der Welt.

