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Valovis Bank AG

Neuer Finanzspezialist für den Handel

Die Bankenlandschaft befindet sich im Umbruch. Nicht nur die Finanzkrise hat in einigen Bereichen neue Strukturen gefordert, auch die Veränderungen der Unternehmenslandschaft beeinflussen diesen Sektor und münden in Neupositionie­rungen und Fokussierung der Produktpaletten. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die neue Valovis Bank AG. | Theodor Knepper

Die einstige Karstadt Hypothekenbank und die ehemalige KarstadtQuelle Bank haben sich in den letzten Jahren aus dem früheren Arcandor-Konzern herausgelöst und als Spezialbanken für den Handel eine unabhängige Marktposition in einer zukunftsfähigen Nische erobert. Mit der Verschmelzung der beiden Banken zur Valovis Bank AG soll jetzt der vorläufig letzte Schritt auf diesem Weg vollzogen werden.

Neue Märkte – neue Herausforde­rungen
Mit der neuen Valovis Bank AG entsteht in Deutschland ein Spezialanbieter, der aufgrund der langjährigen Erfahrung seiner Vorgängerinstitute dem Handelssektor ein einzigartiges Lösungsportfolio anbieten kann. Sowohl die Valovis Bank als auch deren Tochter, die Valovis Commercial Bank, die jetzt auf die Mutter verschmolzen werden soll, hatten zentrale Funktionen innerhalb des Arcandor-Konzerns inne und verfügen über eine langjährige Erfahrung im Handelsbereich.

Die Valovis Bank wurde 2001 als Karstadt Hypothekenbank AG gegründet, um für den Konzern maßgeschneiderte Immobilienfinanzierungen zur Verfügung zu stellen. 2007 firmierte sie zur Valovis Bank AG um und betreibt seither neben der Immobilienfinanzierung auch das Geschäftsfeld Konsumenten-Factoring.

Die Wurzeln der Valovis Commercial Bank gehen auf die Gründung im Jahr 1990 zurück. Diese Bank betrieb zunächst das Kundenkartengeschäft der Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH und entwickelte sich dann als KarstadtQuelle Bank zum Full-Service-Finanzdienstleister für den Arcandor-Konzern. Seit April 2009 ist die Valovis Commercial Bank eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Valovis Bank AG, Essen. Damit wurde die Basis geschaffen, sich unabhängig im Wettbewerb zu behaupten und so eine gesicherte Zukunft anzusteuern. Dazu hat sich die Valovis Commecial Bank im März 2010 mit einem neuen Geschäftsmodell eigenständig am Markt positioniert und als Full-Service-Finanzdienstleister etabliert.

Jetzt planen die beiden Banken, deren alleiniger Eigentümer der KarstadtQuelle Mitarbeitertrust e.V. ist, den letzten strategischen Schritt, in dem beide Institute zusammengeführt werden und damit über ein Produktportfolio verfügen, dass sie zum optimalen Finanzpartner für den Handel ausweist. Keine andere deutsche Bank verfügt über diese ausgeprägte Fokussierung, die mit einer langjährigen Erfahrung in diesem Bereich gepaart ist.

Fünf Geschäftsfelder mit Erfolgs­perspektiven

Die Verschmelzung beider Banken zur neuen Valovis Bank AG verfolgt zwei strategische Hauptziele. Zum einen vereint die neue Bank unter einem Dach fünf Kerngeschäftsfelder, die die zentralen Finanzbedürfnisse des Handels abdecken:

  • Kreditkartengeschäft,
  • Absatzfinanzierung,
  • Konsumentenfactoring (B2C),
  • Mittelstandsfactoring (B2B),
  • Finanzierung von Handelsimmobilien.


Zum anderen realisiert die Bank mit diesem Schritt Synergieeffekte: Kosteneinsparungen kommen durch die Reduzierung auf nur noch einen gemeinsamen Bankbetrieb zustande; dadurch erwartet die neue Valovis Bank mittelfristig Einsparungen in einer Größenordnung von jährlich rund 10 % der aktuellen Kosten, die sich im Jahr 2010 bei circa 55 Mio € bewegten. Hinzu kommt, dass sich die zentralen Ressourcen Kapital, Liquidität und Mitarbeiter-Kapazitäten effizienter steuern lassen.

Die Fokussierung auf den Handel ist dabei ein überzeugendes Alleinstellungsmerkmal, mit dem die inzwischen unabhängige Marktposition weiter ausgebaut wird. Die Tragfähigkeit dieses Geschäftsmodells belegen schon die bisherigen Erfolge in den einzelnen Geschäftsfeldern.

Das Kreditkartengeschäft
Mit rund 850.000 ausgegebenen Kreditkarten ist die neue Bank Deutschlands größter MasterCard-Emittent im Co-Branding-Bereich. Die Valovis Bank managt heute 25 verschiedene Co-Brand-Kartenprogramme; daneben gibt sie auch eine eigene Kreditkarte ohne Bindung an andere Unternehmen heraus. Die Partner-Unternehmen stammen in der Regel aus dem Handels- und Dienstleistungsbereich, wie beispielsweise Thomas Cook, Polo und Louis. In den letzten drei Monaten sind zwei gewichtige Kooperationen hinzugekommen: mit der Kaffee-Handelskette Tchibo und der Ergo-Versicherungsgruppe. Mit weiteren namhaften Interessenten werden aktuell Verhandlungen geführt. Im abgelaufenen Jahr 2010 lag der Kreditkarten-Umsatz bei den von der Valovis Commercial Bank herausgegebenen Karten bei gut 900 Mio €. Bis Ende 2011 will die Bank hier nahe an die Schallmauer von 1 Mio Karten mit einem Umsatz von 1 Mrd € gelangen.

ChronologieAlle Kreditkartenprogramme der Bank verbindet ein sehr professionelles Management rund um Kartendienstleistungen und Sicherheitsmanagement auf höchstem Niveau – wie man es von einem Marktführer erwartet. In der Regel sind die Kreditkarten der Valovis Commercial Bank dauerhaft von der Jahresgebühr befreit und auch nicht an ein Girokonto bei der Bank gebunden. Dieses Ausstattungsmerkmal haben nur einige wenige Kreditkarten­anbieter in Deutschland im Portfolio.

Die Absatzfinanzierung
Auch in der Absatzfinanzierung ist die Valovis Bank seit zwei Jahrzehnten ein starker Finanzierungspartner für Handelsunternehmen aus verschiedensten Branchen. Dank eines innovativen Front-End-Systems können Händler im Verkaufsgespräch oder bei Internetbestellungen schnell und unkompliziert über einen Kredit entscheiden. Die Bank bietet hier den Händlern vom Finanzkauf bis zur Null-Prozent-Finanzierung alle Gestaltungsmöglichkeiten zur gezielten Umsatz- und Ertragssteuerung an. Dabei setzt sie auf hohe Qualität und kunden­orientierten Service mit einem intensiven Betreuungsansatz sowohl für die Handelspartner als auch für die Endkunden.

Im Jahr 2010 wurden in diesem Segment über 75.000 Neukunden akquiriert. Insgesamt wurde ein Neugeschäftsvolumen von rund 93 Mio € erreicht, das sind 4,5 % mehr als im Vorjahresvergleich. Das Bestandsvolumen an Absatzfinanzierungen erreichte 2010 rund 94 Mio €. Diese Zahlen belegen eindrücklich, dass die Bank auch hier mit ihrem neuen Geschäftsmodell sehr erfolgreich ist. Denn mit dem Rückgang des Geschäfts mit Karstadt konnte das Volumen, das jetzt mit Händlern am freien Markt abgewickelt wurde, um rund 22,3 % erhöht werden. Vom Neugeschäftsvolumen entfallen seit der Neupositionierung Anfang 2010 nur noch 25,7 Mio € auf Karstadt. Die verbleibenden 66,9 Mio € stammen aus dem Geschäft mit Händlern außerhalb des Karstadt-Konzerns.

Factoring-Produkte
Mit ihren Factoring-Produkten bietet die Valovis Bank ihren Handelskunden sofortige Liquidität und eine hohe Absicherung sowohl in den B2B-Beziehungen (Mittelstandfactoring) als auch für den B2C-Bereich (Konsumentenfactoring). Bei Letzerem verfügt die Valovis Bank als einer der wenigen Anbieter am deutschen Markt über eine langjährige Erfahrung und Expertise. Seit 2005 arbeitet sie erfolgreich in diesem Geschäftsfeld mit Handelsunternehmen, insbesondere aus dem Versandhandel, zusammen und weist derzeit ein Forderungsvolumen von rund 1 Mrd € aus. Die Bank ist ein Spezialist für den Ankauf von Endkundenforderungen und zwar auf zwei Gebieten:

  • dem klassischen B2C-Factoring (regelmäßiger Ankauf),
  • dem auf den Einzelfall bezogenen B2C-Forderungskauf (einmaliger Ankauf) als alternative Finanzierungslösungen im Produktportfolio.


Die Valovis Bank bietet stilles, echtes Inhouse Factoring an. Bei dieser Art von Factoring kann der Verkäufer der Forderung das Verlustrisiko durch den Ausfall von Forderungen eliminieren. Die Bank übernimmt dieses Risiko, und der Verkäufer erhält nach Vertragsabschluss sofortige Liquidität durch Auszahlung eines vereinbarten Kaufpreises. Die Beziehung zum Endkunden wird davon nicht berührt. Nach Vertragsabschluss bleibt der Verkäufer der Forderungen Ansprechpartner für den Kunden und hat die Möglichkeit sein eigenes bereits etabliertes Debitorenmanagement weiterhin selbst zu betreiben.

Im Vergleich zum Factoring liegt im B2C-Forderungskauf die Besonderheit im einmaligen Ankauf. Hier bietet die Valovis Bank eine attraktive Möglichkeit für den Ankauf von zum Beispiel zahlungsgestörten Endkundenforderungen. Die Verkäufer erhalten einmalig einen garantierten Verkaufspreis. Auch hier kann der Händler sofort seine Liquidität sichern und sein Verlustrisiko durch den Ausfall von Forderungen eliminieren. Beim Debitorenmanagement von zahlungsgestörten Forderungen arbeitet die Valovis Bank mit in der Branche renommierten Dienstleistern zusammen.

Seit dem Frühjahr 2010 baut die Valovis Bank zur Abrundung ihrer Produktpalette auch das Mittelstandsfactoring (B2B) auf. Dazu wurde eine neue Organisationseinheit geschaffen, die bereits ihre Akquisitionstätigkeiten gestartet hat und erste Erfolge vorweisen kann. Die Bank hat hier inzwischen ein Volumen an Finan­zierungs-Limits von 54 Mio € erzielt.

Immobilienfinanzierung
Im Bereich Immobilienfinanzierung bietet die Valovis Bank ihren gewerblichen Kunden das gesamte Spektrum der Finanzierungsmöglichkeiten an. Für professionelle Marktteilnehmer aus dem Mittelstand gilt die Valovis Bank als der Partner für Immobilienfinanzierungen. Fokussiert auf diese Gruppe nutzt die Bank ihre schlanke Struktur mit sehr kurzen Entscheidungswegen, um maßgeschneiderte Finanzierungslösungen bereitzustellen für

  • Neubaumaßnahmen,
  • Kaufpreisfinanzierungen,
  • Umfinanzierungen,
  • Neustrukturierungen (Umbau, Erweiterung, Neu- und Weitervermietung).


Gerade für den Neubau von Handelsimmobilien hat die Bank für Projektentwickler ein attraktives, eigenkapitalschonendes Produkt entwickelt. Obwohl das Institut auch vereinzelt Wohn- und Büroobjekte oder andere Gewerbeprojekte (zum Beispiel Parkhäuser) finanziert, liegt der Schwerpunkt bei der Immobilienfinanzierung auf Handelsobjekten mit langfristigen stabilen Zahlungsströmen und namhaften Mietern (wie zum Beispiel SB-Märkte, Fachmärkte, Fachmarktzentren oder Logistik und Distribution). Hier finanziert die Bank in der Entstehungsphase oder bei der Revitalisierung auch Mezzanine-Tranchen. Daneben finanziert sie die langfristigen Zahlungsströme aus der Nutzung von Wohn-, Logistik- und Büroimmobilien. Das Geschäftsvolumen in der Immobilienfinanzierung liegt zurzeit bei rund 1,6 Mrd €. Das Neugeschäftsvolumen betrug zum 30.11.2010 119 Mio €.

Ein attraktives Geschäftsmodell mit klarem Profil
Das Geschäftsmodell der neuen Valovis Bank vereinigt in sich zwei Vorzüge: Es zeigt zum Markt hin ein sehr klares Profil, indem es dem Handel aus einer Hand eine geschlossene Kette an Bankdienstleistungen anbietet. Darin liegt auch der entscheidende Vorzug für die Bank selbst, der von zwei Faktoren getragen ist:

  • Zum einen managt die Bank hauptsächlich die Risikosituation von Retailkunden (Ausnahme Immobilie), muss sich dabei jedoch nicht um den Vertrieb bzw. die Akquisition jedes einzelnen Kunden kümmern; diese Aufgabe und der damit verbundene Aufwand verbleibt im Zustän­digkeitsbereich des Handelsunternehmens, das mit der Valovis Bank kontrahiert.
  • Zum anderen sind die Vertragspartner der Bank nicht an einzelnen Bankdienstleistungen interessiert; sondern an Lösungen, die den Verkaufsprozess ihrer Produkte an den Kunden fördern. Das macht der Valovis Bank die Preisgestaltung, aber auch die Preisverhandlungen einfacher.


Hohe Synergien – wenig Überschneidung
Die Fusion der beiden Banken soll im Laufe des Jahres rückwirkend zum 1. Januar 2011 erfolgen. Beim Entstehungsprozess dieses Finanzspezialisten für den Handelsbereich ergeben sich dabei zwei enorme Vorteile, die Kosten, Organisationsmaßnahmen und viel Zeit sparen. Erstens: Es gibt schon in der Geschäftsstruktur der beiden Institute keinerlei Überschneidungen in den Marktbereichen; das heißt, es muss auch nichts bereinigt werden. Zweitens: Die Kooperation in der Gruppe ist bereits gut etabliert, man kennt sich und das macht vieles einfacher und weniger kompliziert. Ein Umstand, der erfolgsentscheidend ist für das Gelingen einer Bankenfusion.

Seitens der Mitarbeiter ist die Bank mit zwei Entwicklungen konfrontiert. Durch die Synergieeffekte werden manche Stellen überflüssig. Aber gleichzeitig werden für die Expansion zusätzliche Mitarbeiter benötigt. Dazu wird geprüft, inwieweit durch Qualifizierungsmaßnahmen Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Bank in den Expansionsgeschäftsfeldern eingesetzt werden können. Derzeit arbeiten für die Valovis Bank AG 67 und für die Valovis Commercial Bank 191 Mitarbeiter. Bei der neuen Bank werden zunächst insgesamt 258 Mitarbeiter beschäftigt sein, also alle, die schon bisher in einer der beiden Banken einen Arbeitsplatz haben. Aus organisatorischen Gründen und im Interesse der Mitarbeiter wird die Bank zunächst an den beiden bisherigen Standorten Essen und Neu-Isenburg tätig sein. Dennoch werden die Planungen für einen Neubau im Raum Frankfurt fortgesetzt.

Durch die beabsichtigte Verschmelzung stärkt das Unternehmen auch seine Kapitalbasis und schafft sich neue Spielräume für den Expansionskurs in den Kerngeschäftsfeldern. Nach der Fusion wird das Eigenkapital bei rund 290 Mio € nach HGB liegen, was eine im Bankensektor überdurchschnittlich hohe Eigenkapitalquote (nach Solvabilitätsrichtlinien) von rund 11,4 % bedeutet. Da es sich durchgängig um hartes Kernkapital handelt, würde die Valovis Bank auch die aktuell diskutierten Eigenkapitalanforderungen nach Basel III einhalten. Die neue Bank profitiert außerdem von den Finanzierungsmöglichkeiten über den Pfandbriefmarkt und sichert sich so weiterhin eine stabile Refinanzierungsbasis.

Zum 30. November 2010 erwirtschafteten die beiden Banken gemeinsam ein Ergebnis von minus 4,7 Mio € pro forma, was auf Restrukturierungskosten in beiden Banken, Kosten im Rahmen der Arcandor-Insolvenz sowie auf Abschreibungen im Kreditbereich zurückzuführen ist. Die gemeinsame Bilanzsumme lag bei etwa 5 Mrd € pro forma. Trotz der Fusions- und Restrukturierungskosten wird die neue Valovis Bank nach heutiger Planung 2011 ein deutlich positives Ergebnis vorweisen können.ó

Theodor Knepper ist Vorstandsmitglied der Valovis Bank.
Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 05/2011
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  • » Geldvermögen wieder im Aufwärtstrend: Das Bruttogeldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland ist im abgelaufenen Jahr 2009 nach Schätzungen von Allianz Global Investors auf 4,64 Billionen € gewachsen. Damit liegt das Bruttogeldvermögen Ende 2009 um 4,4 % höher als im Jahr 2008, in dem es auf 4,45 Billionen € gesunken war.
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