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Mobile Banking kommt in Schwung

Fallende Kosten für mobile Datendienste und die technologische Weiterentwicklung mobiler Endgeräte haben dazu geführt, dass Mobile Banking in den vergangenen zwei Jahren deutlich an Kundenakzeptanz gewonnen hat. Bereits jetzt verwendet jeder fünfte deutsche Internetnutzer mobile Datendienste. Diesen Trend möchten die deutschen Banken nutzen: Mehr als 40 % der Kreditinstitute planen Investitionen in den mobilen Vertriebskanal, um die Kundenbindung zu stärken und das Handy für die Bank-Kommunikation zu erschließen. | Klaus Schilling, Christoph Reuter

Das mobile Internet hat seine Alltagstauglichkeit bewiesen: Mittlerweile besitzen 71 % der Deutschen mit Onlinezugang ein internetfähiges Mobiltelefon. Dies entspricht einem Zuwachs von 14 % gegenüber dem Vorjahr. Das rasante Wachstum hat mehrere Ursachen: Zwar gibt es bereits seit gut zehn Jahren einen Standard für die Darstellung von Online-Inhalten auf Mobiltelefonen, aber die Nutzung war unbequem, langsam und teuer. Diese drei Stolpersteine wurden jedoch in den letzten Jahren aus dem Weg geräumt. Mit der Markteinführung des iPhone gab es 2007 erstmalig einen intuitiv nutzbaren mobilen Browser. Zudem bewältigen die Mobilfunknetze inzwischen den Transport großer Datenmengen, und die Telefongesellschaften bieten Tarife an, die den mobilen Datentransfer erschwinglich machen.

In diesem Wachstumsmarkt können sich nun die Banken positionieren, um ihre Dienstleistungen jederzeit und überall für ihre Kunden verfügbar zu machen. Dies stärkt nicht nur die Kundenbindung und vereinfacht einen hochwertigen Service, sondern ermöglicht darüber hinaus zusätzliche Umsätze.

Parallel zur technischen Entwicklung der Endgeräte steigt die Zahl der Anwendungsmöglichkeiten. Allein für das iPhone gibt es bereits mehr als 100.000 teils kostenlose, teils kostenpflichtige Programme, mit denen der Nutzer die Funktionalität erweitern kann. Dazu kommen Alternativsysteme, beispielsweise von Google oder Nokia, die in den nächsten Jahren Marktanteile gewinnen werden. Damit steigt die Verbreitung der Handy-Applikationen: 2010 wird bereits jedes fünfte verkaufte Handy in der Lage sein, solche Zusatzprogramme zu nutzen. Dennoch steckt das M-Banking in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Entsprechend schwach ist der Durchdringungsgrad: Nur 11 % der mobilen Internetnutzer erledigten 2009 Bankgeschäfte über ihr Handy.

Kundennachfrage übertrifft das Angebot

Der Bedarf hingegen ist deutlich größer. Jeder dritte Nutzer möchte diesen Dienst gerne in Anspruch nehmen – 30 % mehr als noch im Vorjahr. Damit hegt eine große und ständig wachsende Gruppe von Kunden Erwartungen an ihre Bank, die bisher erst ein geringer Teil der Kreditinstitute erfüllt. Geplante Vertriebs-InvestitionenDies soll sich allerdings ändern: Laut der Entscheiderbefragung „Branchenkompass Kreditinstitute 2009“ von Steria Mummert Consulting planen 42 % der deutschen Banken Investitionen ins Mobile Banking (M-Banking) GRAFIK 1. Bisher bieten 15 % der heimischen Kreditinstitute ihren Kunden eine für Mobiltelefone optimierte Bankinglösung an.

Für die Auswahl der Betriebssysteme ist der Markt noch sehr übersichtlich: 99,4 % aller Applikationen für Smartphones werden über Apples App Store vertrieben. Diese Dominanz wird mit der Verbreitung rivalisierender Systeme, etwa die Googles- Android-Plattform oder die Nokia-Ovi-Umgebung, voraussichtlich zurückgehen. Entwickler der Banken haben damit den Vorteil, sich auf wenige Betriebssysteme konzentrieren zu können, ohne ihre Ressourcen aufteilen zu müssen.

Dennoch lässt die bisherige Auswahl viele Wünsche offen. Zwar bieten zahlreiche deutsche Banken Smartphone-Programme an, doch lange nicht in allen Fällen sind diese mit einer Banking- Funktion ausgestattet. So gibt es Anwendungen, die dem Nutzer den Weg zur nächsten Filiale weisen; andere stellen ein Verzeichnis von Ansprechpartnern bereit. Solche einfach herzustellenden Applikationen demonstrieren zwar den Wunsch und Willen, Service zu bieten, lassen jedoch die Kernvorteile dieser neuen Technik ungenutzt: Wozu die nächste Filiale suchen oder mit dem Hotline Center sprechen, wenn man stattdessen die Besorgung direkt online erledigen könnte?

Moderne Programmauswahl mobilisiert den Kunden
Einige Banken sind bereits einen Schritt weiter gegangen und entwickelten moderne Programme, aus denen der Kunde nach seinem individuellen Bedarf auswählen kann. Dazu zählt beispielsweise ein kostenloser Finanzstatus mit dem der Kunde online die Salden seiner Konten abrufen kann. Anspruchsvolleren Kunden werden kostenpflichtige Programme mit deutlich mehr Funktionen angeboten: So kann der Kunde etwa in einem Programm Konten von verschiedenen Banken verwalten, auch von Geldhäusern außerhalb seines Hausinstituts. Einzige Voraussetzung ist, dass das jeweilige Kreditinstitut das HBCI-Protokoll für Online Banking unterstützt.

Der Kunde kann dann nicht nur den aktuellen Kontostand abrufen, sondern auch Überweisungen beauftragen. Für häufig wiederholte Vorgänge werden Überweisungsvorlagen hinterlegt. Insbesondere die Multibank-Fähigkeit erweist sich hier als attraktiv: Es macht das Programm interessant für Kunden, die Konten bei mehreren Kreditinstituten unterhalten oder deren eigene Bank noch keine Smartphone-Applikation anbietet. Möchten sie ihre Bankgeschäfte mobil verwalten, haben sie nun die Möglichkeit – mittels einer Software im Hausbank-Branding.

In dieser lassen sich zudem aktuelle Angebote des Instituts bewerben, sofern der Nutzer diese Produktinformationen nicht abschaltet. Die Programme dienen damit nicht nur der Kundenbindung und dem Service, sondern auch der Vertriebsförderung – sogar über den eigenen Kundenkreis hinaus.

Interessantes Entwicklungspotenzial
Das Potenzial mobiler Banking Software ist hiermit jedoch lange nicht ausgeschöpft. Noch fehlt manche Funktion, die Kunden aus den Online-Portalen der Banken kennen und auch bei der mobilen Lösung erwarten, wie unter anderem die Verwaltung von Daueraufträgen. Diese Option bietet beispielsweise schon eine Pionier-Bank des Mobile Banking. Deren Programm lässt andererseits aber noch die Multibank-Fähigkeit vermissen.

Doch nicht nur der Transfer der Online-Banking-Funktionen steht auf der Agenda der Entwickler. Vielmehr bieten die jetzt entwickelten Endgeräte völlig neue Einsatzmöglichkeiten: beispielsweise personalisierte Börseninformationsdienste, mobile Depotführung oder Live-Nachrichten bei bestimmten, vordefinierten Ereignissen. Die mobile Verfügbarkeit solcher Services ermöglicht es den Bankkunden zum einen, schneller auf die jeweilige Situation zu reagieren. Zum anderen schaffen diese Applikation neue Möglichkeiten, ansonsten unproduktive Situationen zur Verwaltung von Bankgeschäften zu nutzen. Wichtig für die Akzeptanz dieser Dienste ist es, dass sie einen deutlichen Mehrwert gegenüber den konventionellen Wegen bieten und zugleich die mobilen Inhalte einfach, sicher und kostengünstig nutzbar machen.

Die nächste Stufe: Zahlen per Handy
Während die Banken das Potenzial der aktuellen Generation von Mobiltelefonen erschließen, schreitet die Entwicklung der Geräte stetig voran. So gehen zahlreiche Branchenbeobachter davon aus, dass die nächsten Versionen der Smartphones mit einem RFID-Chip ausgestattet sein werden. Diese Technik ermöglicht eine einfache drahtlose Datenübertragung auf kurze Distanz. Hierdurch wird es beispielsweise möglich, das Handy als Zahlungsmittel einzusetzen, indem man es nach dem Einkauf in die Nähe der jeweiligen Kasse bringt.

Entsprechende Systeme existieren bereits, werden jedoch kaum genutzt, da RFID-fähige Handys bisher wenig verbreitet sind. Nur Nokia hat ein Modell im Angebot. Eine Nutzung im iPhone kann der Technik jedoch zum Durchbruch im Massenmarkt verhelfen – in der Vergangenheit ist Apple dies bereits bei Touchscreen- Handys und dem Vertriebskonzept separat erhältlicher Applikationen gelungen. Klarheit zu dieser Frage herrscht voraussichtlich bereits in wenigen Monaten: Die IT-Branche rechnet mit der Einführung der neuen iPhone-Generation im Sommer 2010.

Verbreiten sich RFID-fähige Handys tatsächlich in der angenommen Geschwindigkeit, ist es für Banken besonders wichtig, frühzeitig auf den Zug aufzuspringen: Denn dann werden die Geräte schnell eine Alternative zu Debit- und Kreditkarten sein. Der Kreditkarten-Anbieter Visa hat sich bereits darauf eingestellt und testet in der Schweiz ein Verfahren, bei dem Kunden ihre Kreditkarten-Konten per Handy und RFID nutzen können.

Verpassen die deutschen Banken hier den Anschluss und lassen sich aus der Abwicklung alltäglicher Zahlungen hinausdrängen, droht eine Schwächung der Kundenbindung. Darüber hinaus sind Umsatzeinbußen zu befürchten, denn nicht nur Kreditkartenunternehmen zielen auf diesen Markt. Von der Technikseite her kommen neue Wettbewerber, die hochwertige, komfortable Zahlungsverfahren mit attraktiven Zusatzdienstleistungen entwickeln. Transferieren die Kunden ihr Geld zu solchen Anbietern, um dort ihr Konto zu decken oder eine Rücklage zu bilden, fehlt diese Summe den Banken in ihrer Bilanz.

Entwicklungskosten teilen
Für die Geldhäuser ist es daher von großer strategischer Bedeutung, sich gegen diese Wettbewerber mit hochwertigen eigenen Dienstleistungen abzugrenzen. Vor diesem Hintergrund überrascht es, dass mehr als die Hälfte der deutschen Banken das Geschäftsfeld M-Banking nicht mit entsprechendem Engagement forciert. Eine mögliche Begründung liegt in den geringen Renditeerwartungen an den gesamten Online-Bereich: So glaubt nur ein Drittel der Bankentscheider, dass sich über Internet Banking eine große Wertschöpfung erzielen lässt. Gerade einmal 8 % rechnen mit einer sehr großen Wertschöpfung.

Überträgt man diese Einschätzung eins zu eins auf das MBanking,
werden die Vorbehalte der Budgetveranwortlichen nachvollziehbar: Zum einen ist der Entwicklungsaufwand größer, wenn die mobile Plattform vollständig neu erschlossen werden muss; zum anderen ist der Durchdringungsgrad in der Bevölkerung noch geringer als bei den klassischen Browserportalen. Im Gegensatz zu diesen ist es bei Smartphone-Applikationen allerdings möglich, einen Teil der Entwicklungskosten an den Nutzer weiterzugeben. So sind Smartphone-Nutzer überdurchschnittlich oft bereit, für die Onlinedienste ihrer Wahl zu zahlen. Der Grund: Anders als bei der historisch gewachsenen Gratiskultur im Internet sind Smartphone-Besitzer von Anfang an daran gewöhnt, qualitativ hochwertige Dienstleistungen dem Nutzen entsprechend zu honorieren. Zudem ist das Bezahlverfahren oftmals wesentlicher unkomplizierter als bei vergleichbaren Angeboten im Internet, denn die Authentifizierung des Zahlenden ist einfacher möglich.

Somit finden sich Banken, die mobile Services entwickeln, in einer attraktiven Situation: Sie schaffen eine hochwertige Image- und Kundenbindungsmaßnahme, verteidigen Marktanteile und können überdies einen Teil der Investitionskosten an ihre Kundschaft weitergeben.

Christoph Reuter ist Senior Consultant, Klaus Schilling Principal Consultant im Bereich Banking bei Steria Mummert Consulting, Hamburg.
Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 04/2010
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