Das Engagement der privaten Banken im Bereich der Corporate Social Responsibility (CSR) umfasst ein weites Spektrum. Es reicht von karitativen, sozialen und kulturellen Projekten über Bildungs- und Wissenschaftsinitiativen bis hin zum Umweltschutz. Ein Schwerpunkt des ideellen Wirkens der Banken sind ihre Stiftungsinitiativen, die in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen haben. Durch diese Variante gemeinnütziger Aktivitäten wurden allein im Jahr 2010 Fördermittel von über 27 Mio € bereitgestellt. Das gesamte Stiftungsvermögen hat inzwischen ein Volumen von gut 390 Mio € erreicht. | Werner Karsch
Das Engagement der privaten Banken im Bereich der Corporate Social Responsibility (CSR) umfasst ein weites Spektrum. Es reicht von karitativen, sozialen und kulturellen Projekten über Bildungs- und Wissenschaftsinitiativen bis hin zum Umweltschutz. Ein Schwerpunkt des ideellen Wirkens der Banken sind ihre Stiftungsinitiativen, die in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen haben. Durch diese Variante gemeinnütziger Aktivitäten wurden allein im Jahr 2010 Fördermittel von über 27 Mio € bereitgestellt. Das gesamte Stiftungsvermögen hat inzwischen ein Volumen von gut 390 Mio € erreicht.
Das Stiftungswesen hat seine Ursprünge in der klassischen Antike. Eine der ersten Stiftungen wurde vom griechischen Philosophen Platon ins Leben gerufen. Nach seinem Tod (um 348 v. Chr.) wurde sein gesamtes Vermögen der von ihm gegründeten Akademie (der ersten institutionellen Philosophenschule Griechenlands) übertragen, um ihre Unabhängigkeit zu sichern und sie möglichst frei von politischen Einflüssen zu halten.
Stiftungen in Deutschland: Tausendjährige Geschichte
In Deutschland blicken Stiftungen immerhin auf eine über tausendjährige Geschichte zurück. So berichten die Chronisten bereits im 10. Jahrhundert von den ersten Stiftungen. Sie waren Träger sozialer Einrichtungen wie Armenhäusern, Waisenhäusern und Spitälern. Im Hochmittelalter traten vor allem wohlhabende Bürger als Stifter hervor. In späteren Jahrhunderten waren es dann häufig die reichen Kaufmannsfamilien, die sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlten und Stiftungen errichteten.
Bereits im 16. Jahrhundert war die Verbindung zwischen Geld und Bürgersinn mit prominenten Namen verknüpft. Die reiche Kaufmannsfamilie Fugger beispielsweise errichtete neun Stiftungen, die sich auf soziale Wohlfahrt, religiöse und gesundheitliche Ziele richteten. Besondere Verdienste erwarb sich der Handelsherr Jacob II., „der Reiche“ (1459 – 1525). Er wurde zum Bankier des Kaisers, des Römischen Königs Karl V., der Päpste und der römischen Kurie. Seinen enormen Wohlstand empfand er als Verpflichtung, als Bürger der Stadt Augsburg für das Gemeinwohl zu wirken. Er schuf 1521 die „Fuggerei“, eine noch heute bestehende Wohnsiedlung für bedürftige Augsburger Bürger. Sie ist die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt (www.fugger.de).
Solche gemeinnützigen Aktivitäten werden heute mit dem Begriff „Corporate Citizenship“ umschrieben. Dieser Anglizismus steht für das Bemühen von Unternehmen und Unternehmern, sich wie verantwortungsvolle Bürger zu verhalten. Es geht darum, ideelle Initiativen jenseits der reinen Geschäftstätigkeit zu verwirklichen und als gesellschaftliche Kraft Ressourcen zur Gestaltung des Umfeldes einzusetzen, in dem das Unternehmen arbeitet.
Meist erfreuliche Anlässe
Gemessen an der tausendjährigen Tradition sind Stiftungen bei den privaten deutschen Banken eine eher junge Erscheinung. Die Stiftungsidee hat hier seit Anfang der 1970er Jahre vermehrt neue Anhänger gefunden. Dafür gibt es eine einfache Erklärung: die zahlreichen Bankenjubiläen. Die damaligen Frankfurter Top-Institute Deutsche Bank, Commerzbank und Dresdner Bank (inzwischen von der Commerzbank übernommen) etwa feierten in den frühen 1970er Jahren ihr 100-jähriges Bestehen – ein idealer Anlass, durch Stiftungsgründungen gemeinnützige Zwecke dauerhaft zu fördern.
Die Deutsche Bank schuf damals einen Stiftungsfonds, der dazu beitragen soll, die Qualität des Bildungsstandorts Deutschland zu verbessern. Der Fonds finanziert Professuren, Sachmittel und Stipendien in verschiedenen Wissenschaftsbereichen. Das Anfangskapital von 10 Mio DM wurde inzwischen deutlich aufgestockt und beträgt mittlerweile 13,2 Mio €. Von der Gründung bis zum Jahr 2010 wurden Fördermittel in Höhe von 135 Mio € bereitgestellt.
Insgesamt hat sich das CSR-Engagement der Deutschen Bank (Stiftungen und weitere Aktivitäten) in den vergangenen Jahrzehnten dynamisch entwickelt, und die Aktivitäten wurden immer breiter gefächert. So hat die Bank 2010 mit 98,1 Mio € das Fördervolumen gegenüber dem Jahr zuvor (81,1 Mio €) nochmals deutlich aufgestockt. Die Schwerpunkte sind soziale Projekte (38 %), Bildungsprogramme (36 %) sowie Kunst & Musik (22 %). Als Global Player engagiert sich der Finanzkonzern weltweit. Die Förderstruktur nach Regionen: Deutschland 50 %, Nord- und Südamerika 22 %, Großbritannien 11 %, Asien/Pazifik 10 %, sonstiges Europa/Mittlerer Osten/Afrika 7 %.
Die Deutsche Bank verfügt über vielfältige Stiftungen, die an den gesamten CSR-Ausgaben einen beachtlichen Anteil von rund 20,5 Mio € haben. Gemessen am Stiftungskapital ragt die Deutsche Bank Stiftung (136,4 Mio €) heraus. Sie hat sich allein 2010 in über 50 Initiativen in den Bereichen Bildung, Kunst & Musik und Soziales engagiert. Dr. Tessen von Heydebreck, Vorsitzender des Stiftungs-Vorstands: „Wir blicken auf 25 Jahre erfolgreiche Tätigkeit zurück. Seither verhalfen wir jungen Menschen zu mehr Chancengleichheit und besseren Bildungsmöglichkeiten. Wir fördern kulturelle Bildung und interdisziplinäre Projekte. Unser soziales Engagement wirkt auch außerhalb Deutschlands und hilft Menschen, die durch Naturkatastrophen in große Not geraten sind.“
Ein Beispiel für die internationale Orientierung der Corporate Social Responsibility ist auch die Deutsche Bank Afrika Stiftung, die sich auf die Bereiche Bildung und Soziales konzentriert. Sie unterstützt insbesondere Waisen und andere hilfsbedürftige Kinder. Eine optimale Ergänzung hierzu ist die 2008 von der Deutschen Bank ins Leben gerufene MENA Foundation, deren Einsatzgebiete Nordafrika und der Mittlere Osten sind. Im Vordergrund standen zuletzt Kunstprojekte. Weitere Aktionsfelder sind Nachhaltigkeit, Soziales und Bildung. Die Asia Foundation des Finanzkonzerns wiederum hat sich die Verbesserung der Lebensgrundlage benachteiligter Kinder und ihrer Familien zum Ziel gesetzt. Sie stellt finanzielle Mittel für eine Vielzahl von Bildungs- und Entwicklungsprogrammen bereit.
Aus der Stiftung des Bankers Trust, der 1999 von der Deutschen Bank übernommen worden war, ist die Deutsche Bank Americas Foundation hervorgegangen. Deren Förderprogramme umfassen die gesamte amerikanische Region. Flankiert wird die Arbeit der Stiftung durch die Community Development Finance Group (CDFG), die wirtschaftlich schwache Gemeinden mit Krediten und Investitionen unterstützt. Zudem liegt hier das Kompetenzzentrum für das weltweite Engagement der Deutschen Bank im Bereich Mikrofinanzierung.
Neues Stiftungszentrum nach Großbankenfusion
Im Zusammenhang mit der Fusion zwischen Commerzbank und Dresdner Bank wurden die Stiftungsinitiativen der beiden Finanzkonzerne in dem neuen „Stiftungszentrum der Commerzbank“ zusammengeführt. Das Vermögen der hier angesiedelten Stiftungen summiert sich auf über 107 Mio €. Es dient als Basis für ein Fördervolumen von jährlich mehr als 3 Mio €.
Die größte Finanzkraft innerhalb dieses Pools hat die Commerzbank-Stiftung. Sie wurde anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Bank gegründet, um als Corporate Citizen Positives zu bewirken. Mit einem Dotationskapital von 5 Mio DM 1970 errichtet, wurde das Vermögen der Stiftung peu à peu aufgestockt. Aktuell beträgt es 58 Mio €. Das Jahr für Jahr beachtliche Fördervolumen dient vor allem Maßnahmen in den Bereichen Bildung, Soziales und Kultur. Die Commerzbank-Stiftung versteht sich hautsächlich als Förderstiftung. Das heißt, sie konzipiert keine Förderthemen und setzt keine eigenen Projekte um. Sie sucht vielmehr die enge Zusammenarbeit mit erfahrenen, förderwürdigen Einrichtungen und Initiativen, deren Aktivitäten bundesweit ausstrahlen.
Teil des Stiftungszentrums der Commerzbank ist auch der Dresdner Bank Stiftungsfonds, der 1972 anlässlich des Dresdner-Bank-Jubiläums als „Stiftungsfonds für Kunst und Wissenschaft“ gegründet wurde, um sich insbesondere zwei Gebieten zu widmen: Als eine wesentliche Zielsetzung wurde formuliert, Impulse für herausragende Leistungen auf dem Felde der Forschung zu geben. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Kunstmäzenatentum.
Ein Stiftungs-Motiv mit erfreulichem historischem Hintergrund war auch die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. So errichtete die ehemalige Dresdner Bank 1991 die Kulturstiftung Dresden, um in der sächsischen Metropole kulturelle, wissenschaftliche und städtebauliche Projekte zu initiieren. Bis heute hat die Stiftung für ihre Ziele und Aufgaben mehr als 10 Mio € bereitgestellt.
Eine Initiative mit besonderer Strahlkraft war der Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Frauenkirche. Die Dresdner Bank, selbst im Jahre 1872 in Sachsens Hauptstadt gegründet, hat das Projekt nachhaltig unterstützt: 1994 wurde unter ihrer Mitwirkung die Stiftung Frauenkirche Dresden gegründet. Anfang 1995 startet die Bank dann die Initiative „Stifterbrief“. Sie war ein spektakulärer Erfolg und entwickelte sich zur größten Spendenaktion der Bundesrepublik Deutschland. Es wurden rund 45.000 Stifterbriefe von Privatpersonen und Unternehmen erworben. Auf diese Weise sowie durch Benefizveranstaltungen und ähnliche Aktivitäten wurden insgesamt 62 Mio € mobilisiert. Die Dresdner Bank selbst spendete zusätzlich 7 Mio € und die Mitarbeiter 1 Mio €. Das Gesamtvolumen erreichte mithin 70 Mio €.
Am 30. Oktober 2005 war es dann soweit: Die Weihe der restaurierten Frauenkirche war ein Ereignis, das weltweit Beachtung fand. Das Wahrzeichen der Stadt Dresden ist weit mehr als ein attraktives Kulturdenkmal. Die Frauenkirche steht als Symbol für Frieden und gemeinschaftlich orientiertes Denken rund um den Globus.
Freilich gibt es in der Stiftungshistorie nicht nur positive, sonder auch tragische Anlässe, für gemeinnütziges Engagement: Nach der Ermordung des damaligen Vorstandssprechers Jürgen Ponto durch Terroristen vor 34 Jahren gründeten die Dresdner Bank und Frau Ignes Ponto gemeinsam die Jürgen-Ponto-Stiftung zur Förderung junger Künstler, die bis heute im Sinne des Bankiers wirkt: Um den künstlerischen Nachwuchs auf breiter Basis zu fördern, unterstützt die Stiftung seither die Entwicklung vielversprechender Talente in den Bereichen Musik, Literatur, bildende sowie darstellende Künste. Bislang wurden rund 7oo Künstler gefördert. Im Stiftungszentrum der Commerzbank hat die Jürgen-Ponto-Stiftung mit einem Vermögen von 11,8 Mio € und einem jährlichen Fördervolumen von 0,45 Mio € ein beachtliches Gewicht.
Einen besonderen Charakter im Rahmen des Stiftungszentrums haben die „Sozialstiftungen“. Zwischen 1945 und 1992 entstanden die drei „Hamburger Sozialstiftungen“, deren finanzielles Fundament durch das Vermögen zweier ehemaliger Commerzbank-Vorstände (Amandus de la Roy und Walter Meier-Bruck) sowie eines Mitarbeiters (Alfred Prahm) gelegt wurde. Zweck aller drei Stiftungen ist die Unterstützung von Mitarbeitern und Pensionären der Commerzbank sowie deren nächster Angehöriger in Notfällen wie beispielsweise bei schwerer Krankheit. Drei weitere Sozialstiftungen unter dem Dach des Stiftungszentrums haben einen ähnlichen Hintergrund. Die sechs Sozialstiftungen verfügen insgesamt über ein beachtliches Dotationskapital von rund 20 Mio €.
Grandiose Geldscheinsammlung
Die HypoVereinsbank (UniCredit Bank AG) bereichert das kulturelle Geschehen durch die Hypo-Kulturstiftung. Diese schreibt jährlich einen mit 50.000 € dotierten Denkmalpreis aus, der beispielhafte Initiativen zur Erhaltung von Baudenkmälern in Bayern auszeichnet. Kultur in den Alltag bringen will die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung. Zu diesem Zweck wurde 1985 zunächst eine Kassenhalle in einen großen Ausstellungsraum umgebaut und später erweitert. Bürgernähe gewährleistet die exponierte Lage an der Fußgängerzone Theatinerstraße – Münchens beliebtestem Einkaufszentrum. Die attraktiven Ausstellungen locken jährlich rund 300.000 Besucher an.
Ein Projekt mit großem Reiz ist zudem die HVB Stiftung Geldscheinsammlung. Sie besitzt eine der größten Geldscheinsammlungen der Welt. Mit einem Umfang von rund 300.000 Scheinen aller Länder und aller Zeiten repräsentiert die Sammlung einen beträchtlichen Wert. Das älteste Exponat ist ein chinesischer Geldschein, eine 1.000-Käsch-Note, aus der Ming-Epoche (1368 – 1398). Auf dem Schein ist bereits ein Strafsatz zu finden: „Wer Banknoten fälscht oder gefälschte in Umlauf bringt, wird enthauptet. Wer einen Fälscher anzeigt und verhaftet, erhält 250 Taels Silber zur Belohnung sowie das gesamte Vermögen des Verbrechers.“
Die Sammlung besitzt überdies hervorragende historische Bestände europäischen Papiergeldes. Der älteste Geldschein Europas stammt aus Schweden, er wurde 1661 in Umlauf gebracht. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts tauchte dann an mehreren Stellen in Europa das Papiergeld auf: in Norwegen, in England, 1705 auch in Deutschland, als der pfälzische Wittelsbacher, Kurfürst Johann Wilhelm („Jan Wellem“), in Köln „Bankzettel“ ausgab. Der Bestand der HVB Stiftung an altdeutschen Scheinen zählt zu den größten in Sammlungen vorhandenen überhaupt. Da früher die außer Kurs gesetzten Geldscheine nur als Altpapier betrachtet wurden, sind ältere Scheine heute recht selten und werden dementsprechend teuer gehandelt.
Schwerpunkt Bildung und Wissenschaft
Ein Schwerpunkt der CSR-Aktivitäten privater Banken ist der Bildungsbereich. Der Grund liegt auf der Hand: In einer globalisierten und zunehmend vernetzten Welt ist Wissen – gerade für rohstoffarme Hochlohnländer wie Deutschland – der entscheidende Faktor, um auch künftig im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Aber es gibt noch einen weiteren wichtigen Aspekt: Das Finanzwissen der Deutschen ist ganz wesentlich, wenn es darum geht, die richtigen Entscheidungen in Finanzfragen zu treffen. Vor diesem Hintergrund hat der Bankenverband bereits vor 25 Jahren ein Projekt gestartet, das Schüler und Lehrer besser mit der Welt der Wirtschaft und der Welt des Geldes vertraut macht. Die Schulaktivitäten wurden seither kontinuierlich ausgebaut und umfassen heute ein vielfältiges und anspruchsvolles Programm (www.schulbank.de).
Besonderes Augenmerk widmen private Banken auch der Hochschulförderung, wie die zahlreichen Stiftungs-Lehrstühle belegen. Zum einen geht es um eine spürbare Erhöhung der Lehrkapazität und -qualität und zum anderen darum, Studierende auf die gestiegenen Anforderungen in der Finanzwelt vorzubereiten, indem Wissen möglichst praxisnah vermittelt wird.
Ein aktuelles Beispiel ist die House of Finance-Stiftung der Goethe-Universität Frankfurt. Mit 21 Mio € für Forschung und Weiterbildung ist sie die zweitgrößte aus Mitteln externer Förderer gespeiste Stiftung der jüngeren Universitätsgeschichte. Das House of Finance soll mit den neuen Finanzmitteln in den kommenden Jahren zu einem Zentrum für internationale Forschung für ein zukunftsfähiges Finanzsystem ausgebaut werden. Möglich wurde die Stiftungsgründung durch Zusagen seitens der Deutschen Bank, des Bankhauses Metzler und andrer Finanzdienstleister. In den kommenden Jahren soll der Kapitalstock der Stiftung weiter aufgebaut werden.
Einen bemerkenswerten Beitrag zur Entwicklung der Goethe-Universität leistete zuvor schon die Bankiersfamilie Kassel. In die 2007 entstandene Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung wurde das Familienvermögen eingebracht. Seither ist das Stiftungskapital in Höhe von 32 Mio € der Grundstock für die Hochschulförderung. Alfons Kassel (1902 – 1975) war einer der letzten Einzelbankiers in Deutschland.
Bankiers als Stifter
Die Kassel-Stiftung ist keine Ausnahmeerscheinung. Es gibt etliche andere Beispiele dafür, dass Persönlichkeiten aus der Kreditwirtschaft ideelle Ziele mit privaten finanziellen Mitteln fördern. So war nicht nur für das im Jahr der Französischen Revolution (1789) von Salomon Oppenheim jr. (1772 - 1828) gegründete Bankhaus Sal. Oppenheim selbst, sondern auch für die Bankiersfamilie Bürgersinn selbstverständlich. Salomon Oppenheim etwa stiftete nach der fatalen Missernte des Jahres 1816 zehn Malter Korn für die Armen der Stadt Köln. Derartige Initiativen waren im 19. Jahrhundert besonders segensreich, denn die Hilfsmechanismen des Sozialstaats gab es noch nicht.
Vielmehr halfen wohlhabende Bürger und gemeinnützige Vereine, die zumeist ehrenamtlich und privat organisiert waren, den Armen, Kranken und Bedürftigen. Auch die Familie Oppenheim unterstützte zahlreiche karitative Einrichtungen. Die größte eigene Stiftung war das 1883 eingeweihte Kinderhospital in der Kölner Buschgasse, das Charlotte Freifrau von Oppenheim (1811 - 1887) erbauen ließ. Kein Hospital in Köln war für damalige Verhältnisse so modern ausgestattet.
Ein spektakuläres Datum nicht nur für Köln, sein Mäzene und seine Bürger, sondern für ganz Deutschland war der 15. Oktober 1880. Kaiserin Augusta und Kaiser Wilhelm I. waren gekommen, um der Vollendung des Kölner Doms beizuwohnen. In einer prunkvollen Zeremonie wurde der Schlussstein auf die Kreuzblume des Südturms gesetzt. Nach einer Jahrhunderte währenden Bauzeit war die mit 157,4 Metern höchste Kathedrale der Welt endlich fertig gestellt.
Immer wieder war es zu langen Unterbrechungen gekommen, doch schließlich wirkten viele Kräfte zusammen, damit 1842 der Dombau in die finale Phase gehen konnte. Etwa die Hälfte des erforderlichen Geldes kam aus der preußischen Staatskasse, die andere Hälfte der enormen Baukosten wurde von Kölner Bürgern getragen, die sich im Zentral-Dombau-Verein zusammengeschlossen hatten. Zu den Mitgründern des Vereins gehörte die Bankiersfamilie Oppenheim. Von Abraham Oppenheim (1804 - 1878) stammte beispielsweise der Vorschlag zur Dombau-Lotterie, über die bis heute Domprojekte finanziert werden.
Der Völkerverständigung verbunden
Für das Fingerspitzengefühl im Umgang mit verschiedenen Religionen und Kulturen gibt es in der Geschichte der Familie Oppenheim zahlreiche Belege. Friedrich Carl Freiherr von Oppenheim (1900 - 1978) beispielsweise erhielt für sein Engagement für jüdische Verfolgte während des nationalsozialistischen Regimes im April 1997 posthum den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ durch den Staat Israel verliehen. Zu Ehren seines Vaters Friedrich Carl ließ Alfred Freiherr von Oppenheim 1997 an der Gedenk- und Forschungsstätte Yad Vashem in Jerusalem den Friedrich Carl Freiherr von Oppenheim-Lehrstuhl zur Erforschung der Ursachen von Rassismus, Antisemitismus und des Holocausts einrichten.
Alfred Freiherr von Oppenheim war ein großzügiger Mäzen. Anlässlich des 200-jährigen Bankjubiläums 1989 schuf er die Alfred Freiherr von Oppenheim-Stiftung sowie die von der Bank getragene Salomon Oppenheim-Stiftung. Beide Institutionen haben seither eine Vielzahl von Vorhaben vor allem in den Geisteswissenschaften ermöglicht.
Eine spezielle Facette des Mäzenatentums ist mit dem Namen Max Freiherr von Oppenheim (1860 - 1946) verbunden. Als Diplomat und Archäologe galt sein Interesse fremden Kulturen. Sein Engagement hatte auch eine beachtliche pekuniäre Dimension. Das belegt ein ungewöhnliches archäologisches Projekt: Während einer diplomatischen Mission entdeckte Max Freiherr von Oppenheim 1899 auf dem Tell Halaf im heutigen Syrien die Überreste der antiken Stadt Guzana, der Hauptstadt des spät-hethitisch-aramäischen Fürstentums Bit Bahiani, und leitete ab 1911 die Ausgrabungen.
Finanziert wurde das Unternehmen aus seinem Privatvermögen und mit Unterstützung seines Vaters Albert von Oppenheim, damals einer der Inhaber der Privatbank. Mehr als 750.000 Mark investierte die Familie in den folgenden zwei Jahren – nach heutiger Rechnung etwa 7,5 Mio €. Es gelang Max Freiherr von Oppenheim, einen Teil des einzigartigen Fundes nach Deutschland zu holen, wo er die Bildwerke der Tempelfassade in seinem eigenen Tell-Halaf-Museum ausstellte. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Museum zerstört. Die Trümmer der Steinplastiken konnten aber geborgen werden.
Anfang der 1990er Jahre wurde der Plan zur Wiederherstellung des Palasttores gefasst. Ein wesentlicher Impuls ging dann 2001 von der Entscheidung der Salomon Oppenheim-Stiftung sowie der Alfred Freiherr von Oppenheim-Stiftung aus, die Restaurierung finanziell zu unterstützen. Dadurch wurde das aufwändige Rekonstruktionsvorhaben ermöglicht, aus rund 27.000 antiken Trümmerteilen die Tempelfassade des Tell Halaf wieder zusammenzufügen. Ein neues Glanzlicht in der bewegten Geschichte des kulturhistorischen Projekts war dann 2011 die Ausstellung „Die geretteten Götter aus dem Palast von Tell Halaf“ im Berliner Pergamonmuseum – mit rund 800.000 Besuchern ein Publikumsmagnet.
Engagement mit Breitenwirkung
Die Liste der Bankiers und Spitzenmanager der Finanzwirtschaft, die via Stiftung gemeinnützige Zwecke fördern, wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer umfangreicher. Die Inhaber der Berenberg Bank etwa haben aus Anlass des 400-jährigen Jubiläums die Berenberg Bank Stiftung von 1990 errichtet. Im Mittelpunkt steht die Förderung junger und begabter Künstler. Der Gründer der KKB-Bank (später: Citibank Privatkunden, heute: Targobank), Dr. Walter Kaminsky, schuf Mitte der 1970er Jahre eine nach ihm benannte wohltätige Einrichtung, die sich mit einem Vermögen von rund 5,8 Mio € sozialen Aufgaben widmet. Ihr besonderes Anliegen gilt der Waldorfschulbewegung.
Das Mäzenatentum im Sozialen sowie in Kunst und Kultur ist auch bei HSBC Trinkaus & Burkhardt seit jeher verwurzelt. Schon an der Gründung des Düsseldorfer Schauspielhauses wirkte Max Trinkaus, der Enkel des Namengebers der Bank, maßgeblich mit. Bis heute pflegen Bankhaus und Bankiers das bürgerschaftliche Engagement. Zu nennen sind beispielsweise die früheren persönlich haftenden Gesellschafter Prof. Dr. Kurt Forberg und Dr. Fritz Meyer-Struckmann. Letzterer brachte sein gesamtes Vermögen in eine Stiftung ein, darunter auch seine Kunstsammlung. Da die Werke von Nolde, Picasso und anderen bekannten Künstlern einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein sollten, wurden sie dem Folkwang-Museum überlassen.
Weitere Beispiele für das ideelle Wirken ehemaliger HSBC-Trinkaus-Bankiers sind die Annette und Wolfgang Haupt-Stiftung sowie die Dr. Sieghardt Rometsch-Stiftung, die 2001 bzw. 2004 gegründet wurden. Förderschwerpunkte sind Bildung, Kultur, Wissenschaft und Soziales. Zudem wurde von Düsseldorfer Unternehmern, darunter der frühere Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von HSBC Trinkaus & Burkhardt, Herbert H. Jacobi, die KID-Stiftung zur Förderung gewaltgeschädigter Kinder gegründet. Das Bankhaus selbst unterstützt regelmäßig verschiedene Stiftungen.
Häufig gehören Kreditinstitute zum Kreis der Gründer oder Förderer übergeordneter Stiftungen und Institutionen wie dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Die Verwirklichung gemeinnütziger Ziele setzt nicht zwangsläufig die Gründung einer Stiftung voraus. Häufig wählen Banken den direkten Weg zur finanziellen Förderung von Wissenschaft, Kultur, Sport und karitativen Einrichtungen. Es bestehen enge Kooperationen zu zahlreichen Hochschulinstituten und Mitgliedschaften in Freundeskreisen von Opern, Orchestern, Theatern und Museen.
Auf dem Felde des Mäzenatentums zählt nicht allein die unmittelbare materielle Zuwendung. Vielmehr ist auch der weit reichende persönliche Einsatz zahlreicher Banker von Bedeutung. Er umfasst unter anderem Ehrenämter und Tätigkeiten in Stiftungskuratorien. Last but not least beraten Banken Kunden, die eine Stiftung errichten möchten.
