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Aktuelle Probleme und Chancen

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Vor 35 Jahren entwickelte Muhammed Yunus sein Modell, mit Mikrokrediten Gruppen extrem armer Frauen ohne Einkommen und ohne Sicherheiten den Weg in die Selbstständigkeit und einen Ausweg aus der Armut zu weisen. Yunus hat Millionen Armen eine Existenzperspektive eröffnet. Entwicklungshilfe als faire Hilfe zur Selbsthilfe wurde konsequent umgesetzt, und mehr als 100 Mio der ärmsten Menschen dieser Erde führen ein besseres Leben dank Mikrokrediten, die eine echte Finanzinnovation wurden. Durch einzelne unseriöse Akteure ist die Mikrofinanz jedoch in die Diskussion geraten.

Kein anderer als der Gründer der Gra­meen-Bank, der Friedensnobelpreisträger Muhammed Yunus, hat die Wechselwirkung zwischen sozialem Handeln und wirtschaftlichem Wachstum derart plausibel aufgezeigt (vgl. die bank 1/2009, S. 40 ff.). Doch formulierten Medien in den letzten anderthalb Jahren verstärkt Kritik am Mikrokredit angesichts neuer profitorientierter Anbieter von Mikrofinanzierungen. Diese haben in Mexiko, Bosnien-Herzegowina und Indien das Modell pervertiert, da sie keine Gruppen-, sondern Einzelkredite ohne enge Begleitung der Kreditnehmer zu Wucher-Konditionen vergeben. Fehlende Regulierung, keine Berücksichtigung von Missernten und Naturkatastrophen führten zum Beispiel im indischen Andhura Pradesh zu gravierendem Missbrauch.

Die Vorgehenswiese einzelner profitgieriger Kredithaie kann aber die entwicklungspolitischen Leistungen der seriösen Akteure nicht schmälern. Die Umbuchung norwegischer Spendengelder durch Yunus von der Grameen-Bank zum Wohnungsbau-Tochterunternehmen Grameen Kalyan führte zu Veruntreuungsvorwürfen gegen Yunus. Doch ist festzuhalten, dass der Abschlussbericht der norwegischen Regierung zu diesem Vorgang Yunus voll entlastete. Die anhängige Klage eines Politikers in Bangladesh gegen Yunus wegen Verleumdung erscheint ebenso politisch motiviert zu sein, wie der aktuelle Vorwurf der Steuerhinterziehung seitens der Grameen-Bank durch Bangladeshs Premier­ministerin Hasina. Auch die Abberufung von Yunus aus dem Vorstand der Grameen-Bank wegen Überschreiten der Altersgrenze ist politisch motiviert.

Die von Yunus gegründete Grameen-Bank (Dorf-Bank/25-Prozent-Anteil Staat Bangladesh) stellte eherne Bankgesetze auf den Kopf. Der Regelverstoß erwies sich aber als ebenso simpel wie genial. Die Bank beschäftigt heute 25.000 Mitarbeiter in 2.500 Filialen, hat 7,6 Mio Kunden (97 % Frauen), vergibt Mikrokredite (ab 20 €, Rückzahlungsrate 98 %), nimmt Mikro-Einlagen und schreibt Mikroversicherungen.

Die Bank-Mitarbeiter besuchen die Kunden in den entferntesten Regionen auch dann, wenn der Weg zu ihnen durch Sümpfe oder Reisfelder führt. In wöchentlichen Meetings erhalten die Kunden auch Rat in Familienplanung, Ackerbau, Gestaltung von Marktständen, Hygiene usw. Seit zehn Jahren ist die Bank profitabel mit jährlich circa 5 Mio € Gewinn, die vollständig reinvestiert werden. Der Zins zwischen 20 und 30 % p. a. ist günstig (Kredithaie nehmen das Drei- bis Vierfache) im Hinblick auf Aufwand und Inflationsraten in Entwicklungsländern. Die Philosophie der Mikrofinanzierung: Der Weg aus der Armutsfalle führt nicht über Geschenke. Diese Revolution hat das Denken und Handeln entwicklungspolitischer Institutionen von Regierungen, Weltbank, Kirchen und Stiftungen verändert.

Wie ist der Stand heute?
Weltweit gibt es derzeit

  • 90 Mio Mikro-Kreditnehmer und Mikro-Einleger bzw. Sparer,
  • 65 Mrd US-$ ausgezahlte Kredite (ab 30 US-$ / Durchschnitt 524 US-$),
  • Durchschnitts-Wachstum Kreditnehmerzahl von 21 %,
  • 10.000 Mikrofinanz-Institutionen,
  • 1.400 echte Mikrofinanz-Institute in Afrika, Osteuropa, Asien, Lateinamerika.


Diese bieten Sparprodukte, Kredite, Versicherungen (zum Beispiel Lebens- und Ernteausfallversicherungen sowie Krankenversicherungen) und Überweisungen an. Laut UN fällt weltweit nur jeder fünfzigste Mikrokredit aus. Ein Wert, von dem viele Banken und Sparkassen nur träumen können.

Die deutsche Förderbank KfW ist der weltgrößte Investor in Mikrofinanzinstitute. Seit 15 Jahren fördert die KfW Gründungen in aller Welt und hält ein Portfolio von 2,6 Mrd € in über 100 Ländern. Die KfW arbeitet an Projekten zum Aufbau von „Kreditbüros“ in einzelnen Ländern, ähnlich wie die Schufa in Deutschland, um Schuldenfallen durch Parallel-Kredite zu verhindern.

In den Jahren 2003 und 2007 erhielt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit bei Prüfungen der Weltbank jeweils Bestnoten. Deutschland ist einer der wichtigsten Förderer des Mikrofinanzwesens in der Welt. Neben GTZ und KfW-Entwicklungsbank sowie anderen Initiativen der Kreditwirtschaft unterstützt die Bundesregierung auch Opportunity International Deutschland durch Wissens­transfer bzw. Hilfe zur Selbsthilfe. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hilft ausgewählten Partnerländern dabei, leistungsfähige Mikro-Finanzsektoren aufzubauen mit über 120 Mio € jährlich (Stand 2008). Dabei werden in den Partnerländern alle Ebenen des Finanzsystems (Finanzministerien/Nationalbanken/Bankenaufsicht) einbezogen, um eine ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung sicherzustellen. So zum Beispiel durch

  • das Linkage-Banking-Programm in Indien (eines der größten Mikrofinanz-Programme weltweit, 3 Mio €),
  • Genossenschaftsbanken und DED in Benin (Westafrika sowie in Kirgistan, 2,5 Mio €),
  • Mikrokredit-Schulen in Ghana durch Opportunity International Deutschland,
  • Nepalesische Agrarentwicklungsbank durch BMZ und GTZ (Rural Finance Nepal Projekt),
  • BMZ/GTZ und Sparkassenstiftung (Reform und Modernisierung des Finanzsektors in Uganda, 26 Mio €),
  • KfW und BRAC (Verbriefung von Mikrokrediten in Bangladesh, 84 Mio US-$),
  • BMZ/Sparkassenstiftung/Thomas Kurze in Nepal und Bhutan ab 2011,
  • Allianz/GTZ/UN bieten in Indien eine Lebensversicherung an, die pro Monat nur 0,20 € kostet, ebenso in Indonesien,
  • KfW und BMZ durch Beteiligung am Leapfrog-Fonds für Mikroversicherungen (19 Mio €).


In 2009 und 2010 ergaben sich neue Herausforderungen für die Mikrofinanzbranche. Infolge des Konjunktureinbruchs litten die ärmsten Bevölkerungsschichten auf der ganzen Welt.

Aktuelle Probleme und Teil-Krisen
Die Kundschaft der Mikrofinanzinstitute war davon negativ betroffen. Opportunity International Deutschland sah sich in Ghana mit einer Verdoppelung der Inflationsrate bis auf 25 % konfrontiert, wobei sich gleichzeitig das Wertverhältnis von Euro und Ghanaischem Cedi um 5 % veränderte. Dennoch blieben die guten Rückzahlungsraten fast unverändert.

DB Research stellt in einer Studie fest: „Mikrofinanz-Investments zeichnen sich durch ein attraktives finanzielles Risiko-Rendite-Profil aus, das von relativ stabilen Erträgen, sehr geringen Kreditausfallraten bei den MFJs und einer potenziell geringen Korrelation mit etablierten Kreditmärkten und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in den jeweiligen Entwicklungsländern geprägt ist.“ Mikrofinanzfonds erwiesen sich mit einer Durchschnittsrendite von 5,95 % in 2008 und 3,1 % in 2009 als interessante Anlageklasse. Daher blieb es nicht aus, dass die Kommerzialisierung der Mikrofinanzierung in einzelnen Ländern allein profitorientierte Investoren anlockte, zum Beispiel in Marokko, Mexiko, Indien und Bosnien-Herzegowina.

VerhaltensmusterEine der profitablen Banken Mexicos, Compartamos, ging 2007 an die Börse. Bei 90 % Zinsforderung gilt dieses Institut für Yunus als „Inbegriff modernen Ausbeutertums, versteckt hinter einer humanitären Fassade …. Unser Ziel war es, die Wucherer zu verdrängen …, nun kommen sie zurück, verkleidet als Wohltäter“. Der größte indische Mikrokredit-Finanzierer SKS (518 Mio Kunden) ging in 2010 an die Börse und stand unter großem Druck zu wachsen und die Rendite zu steigern. Die indische Zentralbank wird im Frühjahr 2011 über die zukünftige Regulierung der Branche entscheiden, um Missbrauch zu bekämpfen (GRAFIK  1).

Marktüblich sind Zinsen, die etwa 10 Prozentpunkte über der Inflationsrate liegen. Eine Vorprüfung bei Krediten ist unerlässlich, und die Kreditbedingungen müssen Missernten und Naturkatastrophen berücksichtigen. Analphabeten als Kreditnehmer brauchen eine Begleitung durch ein Schulungsprogramm. Daneben ist die Gründung von Vermarktungsgenossenschaften ebenso wie ein nachhaltiges Konzept von besonderer Bedeutung.

Die KfW-Erklärung vom Dezember 2010, eine Differenzierung in der Debatte um Mikrofinanz sei unerlässlich, und die Mikrofinanzierung bleibe trotz Überhitzungstendenzen in einigen Ländern eine Erfolgsgeschichte, ist richtig. Mikrofinanz bleibt die kostengünstigste und effizienteste Möglichkeit der Entwicklungszusammenarbeit. Einzelne Missbräuche können daran nichts ändern.

Dr. Thomas Kurze ist Partner bei der Böhm-Kurze-Zumbrink Capital Management GmbH, Vermögensverwaltungsgesellschaft, Berlin.
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  • » Geldvermögen wieder im Aufwärtstrend: Das Bruttogeldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland ist im abgelaufenen Jahr 2009 nach Schätzungen von Allianz Global Investors auf 4,64 Billionen € gewachsen. Damit liegt das Bruttogeldvermögen Ende 2009 um 4,4 % höher als im Jahr 2008, in dem es auf 4,45 Billionen € gesunken war.
Buchtipp (B)

 

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